30. Januar 2015, 23:33 Uhr

Burg Nordeck droht Insolvenz

Allendorf/Lumda (khn). Der Trägerverein des Internats Landschulheim Burg Nordeck hat beim Amtsgericht Gießen die vorläufige Insolvenz angemeldet.
30. Januar 2015, 23:33 Uhr
Auf Burg Nordeck leben und lernen momentan 47 Kinder und Jugendliche. Wie es für sie weitergeht, ist ungewiss. (Foto: Patrick Dehnhardt)

Gründe sind neben zu geringen Einnahmen auch die niedrigen Schülerzahlen, sagt der Rechtsanwalt und vorläufige Insolvenzverwalte Ralf Diehl auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Unser Minimalziel ist es, das aktuelle Schuljahr zu Ende zu bringen«, betont er. »Der Supergau wäre, wenn wir die Schüler schon vorher nach Hause schicken müssten.«

Nach 2013 kämpft der Trägerverein von Burg Nordeck damit zum zweiten Mal um die Zukunft der Einrichtung. Im Februar vor zwei Jahren musste dort schon einmal die vorläufige Insolvenz angemeldet werden, die aber zwei Monate später abgewendet werden konnte. Ausgegliedert wurden damals die Bereiche Küche/Hauswirtschaft, Technik, Schwimmbad und Garten; 16 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Diehl, der schon damals der vorläufige Insolvenzverwalter war, betont, dass die aktuelle Situation nicht mit der von vor zwei Jahren vergleichbar sei. »Damals hatten wir ein Problem mit den Ausgaben, heute mit den Einnahmen.«

Die Gründe für die prekäre Lage von Burg Nordeck müssen nach Aussage des Rechtsanwalts noch aufgearbeitet werden. Ein Problem seien die Verhandlungen zwischen der Internatsleitung und den zuständigen Behörden über die Tagespflegesätze gewesen. Hintergrund: Die Rolle von Burg Nordeck als Internat ist in den vergangenen Jahren immer weiter in den Hintergrund gerückt. Stattdessen wurde die Entwicklung hin zu einer Jugendhilfeeinrichtung forciert. Dorthin schicken Jugendämter Kinder aus ganz Deutschland, die im normalen Schulbetrieb nicht bestehen können. Die Einrichtung erhält dann von der zuständigen Behörde einen Tagessatz pro Kind, das dort betreut wird.

Rettung oder Trägerwechsel?

»Diese Aufgabe ist sehr anspruchsvoll«, sagt Diehl. Der Betreuungsschlüssel liege deshalb bei 1 : 1,8. Und das habe erhöhte Personalkosten und mehr Aufwand zur Folge. Das Problem: Erst Ende dieser Woche haben sich Kreis- und Landesjugendamt mit der Leitung von Burg Nordeck auf einen erhöhten Tagessatz pro Schüler geeinigt. Ab sofort beträgt dieser 152 Euro. Im Dezember 2013 habe es laut Diehl erste Gespräche zu diesem Thema gegeben, im April vergangenen Jahres hätten die Verhandlungen begonnen, die aber jetzt erst zum Abschluss gekommen seien. »Burg Nordeck ist seit dem Schuljahrsbeginn 2014/15 im August in Vorleistung gegangen, und das hat Löcher gerissen.«

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent des Landkreises Gießen, Dirk Oßwald, dass sich die Verhandlungen über ein Jahr hingezogen haben. »Aber dazu gehören immer zwei Seiten«, betont er. Es sei vor allem um Qualitätskriterien gegangen, die das Land Hessen eingefordert habe. »Das war keine Taktik der Jugendämter«, sagt Oßwald, »denn wir sind froh über jeden Platz in der Jugendhilfe.« Wer wie Burg Nordeck höhere Tagessätze wünscht, müsse auch die Qualität der Betreuung anpassen.

Ein weiterer Grund für die Lage der Einrichtung sind sinkende Schülerzahlen. Momentan leben und lernen nach Aussage von Diehl 47 Jugendliche auf Burg Nordeck. Zwischenzeitlich waren es 63, im April 2013 erhöhte sich die Zahl auf 84. »Die Unterbringung über die Jugendhilfe wird höher bezahlt als die über Private«, sagt Diehl. »Wir brauchen keine 70 Schüler wie beim ersten Verfahren, aber mehr als 47.«

Wie es mit dem Landschulheim weitergeht, ist ungewiss. Diehl sagt, es müsse den Jugendlichen mindestens ermöglicht werden, das Schuljahr zu beenden. In der Zwischenzeit werde beobachtet, ob die Schülerzahlen wieder steigen. Die Hoffnung ist, dass nach der Einigung mit den zuständigen Behörden Jugendämter Kinder und Jugendliche wieder in den Allendorfer Stadtteil schicken. »Danach müssen wir überlegen, ob sich das Landschulheim selbst retten kann oder ein anderer Träger übernimmt«, sagt Diehl.

Die 45 Mitarbeiter erhalten ihre Januar-Gehälter »mit einigen Tagen Verzögerung«, wie Diehl gegenüber dieser Zeitung betont. Wegen des Insolvenzgeldes, das drei Monate lang von der Arbeitsagentur gezahlt wird, sei der Lohn vorerst gesichert.

»Wir hoffen, dass der Betrieb weiterläuft«, sagt auch Sozialdezernent Oßwald. Der Landkreis werde jetzt die Unterlagen von Burg Nordeck anfordern, auswerten »und den Dialog suchen«.

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