27. Juli 2018, 21:47 Uhr

»Wollen Bürgern nichts wegnehmen«

27. Juli 2018, 21:47 Uhr
Antje Markgraf (r.), Norbert Schneider (M.) und Karlheinz Frank (l.) vom Lindener NABU betonen: Ziel sei, eine Lösung »im Einklang von Mensch und Natur« zu finden. (Foto: srs)

Äußerungen des Lindener Bürgermeisters Jörg König (CDU) sorgen in der Ortsgruppe des Naturschutzbunds für Irritationen. König hatte sich vor wenigen Tagen bei einem Ortstermin an der Grube Fernie gegen die Verlegung eines gut 100 Meter langen Teilstücks des Rundwegs als Ruhe- und Brutzone im nordwestlichen Bereich ausgesprochen (wir berichteten). Dabei hatte das Lindener Stadtparlament erst vor einem Monat einstimmig – bei Enthaltung der CDU – beschlossen, ein entsprechendes Planungsverfahren voranzutreiben, um die Natur an der Grube Fernie zu schützen.

»Die Äußerungen haben uns geschockt«, sagte der Lindener NABU-Vorsitzende Norbert Schneider. »Wir wollen den Bürgern nichts wegnehmen.« Schneider betont: »Die Grube Fernie ist nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern auch ein FFH-Gebiet zum Schutz von Pflanzen und Tieren.« Der Naturschutz dort gehöre auch daher zum Verantwortungsbereich des Bürgermeisters.

Der NABU-Vorsitzende hebt hervor, es gehe nur um ein Teilstück von 110 Metern. »Das sind weniger als zehn Prozent des 1170 Meter langen Rundwegs. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Partyliebende sollen zukünftig von diesem Bereich ferngehalten werden. Wir wollen ein kleines Stückchen Natur dem Seeufer zurückgeben.« In dem Teilstück soll der Ufer- und Flachwasserbereich erweitert werden.

Nicht mehr aktuell sei die Information, dass der neue Weg mehrere Treppenstufen haben soll. »In einer ersten Skizze hat das beauftragte Planungsbüro die Stufen eingezeichnet«, erklärt Antje Markgraf vom NABU-Vorstand. »Es wird aber keine Stufen geben. Wir wollen einen barrierefreien Weg«, sagte Markgraf, die für die SPD auch im Lindener Stadtparlament sitzt. Schneider ergänzt: »Es wird im Vergleich zum heutigen Zustand des Rundwegs keine schlimmere Steigung geben.«

Baumfällungen werde es geben, räumt Markgraf ein. Die vom Bürgermeister genannte Zahl von 50 Bäumen sei aber »aus der Luft gegriffen. Es handelt sich um niedrigen Bewuchs und hauptsächlich minderwertige Pappeln«.

Neben Stockenten, Blässhühnern, Libellen und Schwänen seien bisweilen auch Tierarten wie der Haubentaucher und der seltene Rothalstaucher an der Grube Fernie Zuhause, erklären Schneider, Markgraf und Karlheinz Frank vom NABU-Vorstand.

»Wir haben an der Stelle, die durch die Verlegung des Wegs künftig stärker geschützt werden soll, einmal eine Plane vor dem Uferbereich aufgestellt«, erzählt Schneider. »Dort hat damals der Rothalstaucher gebrütet.« Doch Besucher waren zu neugierig. Irgendwann lag die Plane wieder unten und der Rothalstaucher war verschwunden. »Da habe ich gedacht: Jetzt reicht’s«, sagt er. Er schrieb damals kurz darauf einen Brief an den Magistrat und forderte darin, den Naturschutz in dem Gebiet zu stärken. Für Linden sei das FFH-Gebiet »von größter ökologischer Bedeutung«. Schneider betont: »Wir machen das ehrenamtlich und nicht für uns, wir sind kein Kaninchenzüchterverein. Uns geht es nur um die Natur.«

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