20. November 2018, 05:00 Uhr

»Skandal« um 900.000 Euro

Wie ein »skandalöser Schritt« und 900.000 Euro eine Langgönser Firma gefährden

Die Langgönser Firma GBM Glaum baut seit mehr als 30 Jahren Fassaden, Fenster und Türen auch für Schulen und Krankenhäuser der Region. Nun führt eine drohende Klage um 900 000 Euro zur Insolvenz.
20. November 2018, 05:00 Uhr
Die Existenz der 1984 gegründeten GBM Glaum GmbH ist gefährdet, am 5. November hat die Firma Insolvenz angemeldet. (Foto: srs)

Wie ein einziger Auftrag die Existenz einer Baufirma gefährden kann, verdeutlicht ein Fall in Langgöns. Das Oberkleener Metallbauunternehmen GBM Glaum sollte eine Fassade mit 600 Fenstern der Kreisverwaltung in Bergisch-Gladbach sanieren. Es gewann das Ausschreibungsverfahren, machte dann aber mutmaßliche Mängel in der Planung der Verwaltung aus, der Bau verzögerte sich. Nun soll die Fensterfassade fertiggestellt werden, allerdings von einer anderen Firma. Zusätzlich droht dem Langgönser Unternehmen eine Klage in Höhe von 900 000 Euro. Die GmbH hat daher nun Insolvenz angemeldet.

Der Landkreis hat mit seinem unseriösen und destruktiven Vorgehen die Insolvenz verursacht

Gesellschafter der GBM Glaum GmbH

Erich Reusch, bis Oktober Geschäftsführer des Unternehmens, schüttelt den Kopf. Die Klage sei unverständlich, hält er fest. »Der Rheinisch-Bergische Landkreis als öffentliche Hand ist in diesem Fall nicht der Geschädigte«, betont er. Mit »unseriösem und destruktivem« Vorgehen habe der Landkreis die Insolvenz der GBM Glaum »maßgeblich verursacht.« In einer Pressemitteilung der Gesellschafter der Firma heißt es, die Forderung über 900 000 Euro sei ein »nicht akzeptabler und sogar skandalöser Schritt«.

Reusch ist 64 Jahre alt, steht vor dem Rentenalter. Dass sein Unternehmen nach mehr als 30 Jahren nun vor dem Aus steht, ist für ihn ein Stich ins Herz. Ende 2016 erhielt seine Firma den Zuschlag für die Renovierung des Kreishauses in Bergisch-Gladbach, mit einem Angebot über 1,3 Millionen Euro. Dann aber, erklärt Reusch, sei einem Statiker im Auftrag des Langgönser Unternehmens aufgefallen, dass ein Befestigen der Fenster nur mit Zuglaschen – wie im Planungsentwurf angedacht – nicht ausreiche. »Die Statik war nicht tragbar«, sagt Reusch. »Wir sind doch am Ende verantwortlich.« Die Glaum GmbH schlug eine zusätzliche Stahlkonstruktion für die Fenster vor, mit 200 000 Euro an Mehrkosten. Nach längerem Hin und Her kündigte der Rheinisch-Bergische Kreis indes dem Oberkleener Unternehmen. Es gehe um Gelder der öffentlichen Hand, bittet Alexander Schiele, Pressesprecher des Rheinisch-Bergischen Kreises um Verständnis. »Wir sind da in der Pflicht.«

 

»Klüngel« beklagt

Es kam zu einer erneuten Ausschreibung – die die GBM Glaum GmbH aufgrund des günstigsten Angebots über 1,68 Millionen Euro eigentlich erneut gewann. Den Zuschlag erhielt allerdings eine andere Firma, deren Angebot um 20 000 Euro höher lag. »Warum kriegen wir den Auftrag nicht?«, fragte Reusch, sein Unternehmen wandte sich an die Vergabekammer der Kölner Bezirksregierung. Die Antwort: Es gebe nach dem Hin und Her des ersten Ausschreibeverfahrens »begründete Zweifel an Ihrer Eignung« und an der Zuverlässigkeit der Oberkleener Firma.

Die Erklärung ist für Reusch ein Schlag ins Gesicht. Seine Firma war in den 80er Jahren an Bauarbeiten am US-Depot in Gießen und mehrerer Kasernen in Kirchgöns und Mainz beteiligt sowie an Schulen der Region, selbst in Bergisch-Gladbach zuletzt im Auftrag des dortigen Evangelischen Krankenhauses. Dass Reusch »Klüngel« beklagt, wenn er auf die Erklärung der Kölner Bezirksregierung hinweist, ist aus emotionaler Sicht verständlich.

 

Langjähriger Geschäftsführer traut sich Rechtsstreit zu

Man habe mehrfach versucht, eine gütliche Einigung zu erreichen, hält derweil der Pressesprecher des Rheinisch-Bergischen Kreises fest. Man werfe dem Langgönser Unternehmen vor, die Arbeiten an der Baustelle eingestellt zu haben und die Renovierung verzögert zu haben. Seit bald zwei Jahren umfasst ein Gerüst das Kreishaus in Bergisch-Gladbach. Zusammengerechnet unter anderem mit den Kosten für Sachverständige und die zweite Ausschreibung komme man auf knapp 900 000 Euro. »Die Situation macht uns nicht glücklich«, sagte Schiele. Die angemeldete Insolvenz »tut uns leid für die Menschen, die dort arbeiten.« Noch habe man keine Klage eingereicht, eine Möglichkeit für eine Einigung sei noch nicht ausgeschlossen.

Die GBM Glaum GmbH beschäftigte zuletzt rund 20 Mitarbeiter. Nach der Schadenersatzforderung blieb laut Reusch nur der Schritt, die Insolvenz einzuleiten, um weiteren Schaden vom Unternehmen und den Gläubigern abzuwenden. Reusch gibt sich kämpferisch. »Einen Rechtsstreit durchzustehen würde ich mir zutrauen.«

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