11. Juli 2018, 10:00 Uhr

Langgönser Flugblatt

Wie Langgöns seine Bürger zu Ideen zum Sparen auffordert

Geht es ums Geld und den Haushalt in einer Kommune, sprechen die Bürger in der Regel wenig mit. Die Gemeinde Langgöns geht nun einen ungewöhnlichen Weg.
11. Juli 2018, 10:00 Uhr
Die Gemeinde Langgöns fordert die Bürger zu Vorschlägen auf, an welchen Stellen man sparen könnte und in welche Projekte man investieren sollte. Luftfoto: Manfred Henß

Geht es ums Geld und den Haushalt in einer Kommune, sprechen die Bürger in der Regel wenig mit. Der Haushalt ist immer öffentlich einzusehen, doch nur wenige Menschen nehmen dies in Anspruch. Ein Grund: Die Zahlenwerke sind nicht immer einfach zu verstehen. Unter vielen Bürgern herrscht zudem der Eindruck, am Ende doch nicht gehört zu werden. Die Gemeinde Langgöns geht nun einen ungewöhnlichen Weg: Sie verteilt an alle 3000 Haushalte erstmals ein Flugblatt mit den Einnahmen und Ausgaben der Kommune. Außerdem fordert sie zu Vorschlägen auf, an welchen Stellen die Gemeinde sparen könnte und in welche Projekte sie investieren sollte.

Dieses Papier geht an 3000 Haushalte. (Foto: pm)
Dieses Papier geht an 3000 Haushalte. (Foto: pm)

»Wir wollen, dass sich die Langgönser Gedanken machen über den Haushalt. Das Flugblatt soll auf einfache Weise zu Bürgerbeteiligung einladen«, erklärt Bürgermeister Horst Röhrig. Einmischen sei erwünscht. Dieses Vorgehen per Flugblatt liegt so sehr auf der Hand, dass man sich fragt, warum dies nicht auch andere Gemeinden im Kreis Gießen bereits längst tun.

 

Potsdam als Vorbild

Auf die Idee sei er vor zwei Jahren bei einem Kongress in Potsdam gekommen, berichtet Röhrig. »Als ich dort im Bus gefahren bin, habe ich ein solches Flugblatt entdeckt. Den Haushalt auf großen Bürgerversammlungen zu diskutieren, sei für eine kleine Gemeinde zu aufwendig. Der Vorschlag des Bürgermeisters gelangte in Form eines SPD-Antrags in die Gemeindevertretung und stieß dort auf breite Zustimmung.

Das vier Seiten umfassende Flugblatt geht in diesen Tagen im Rahmen einer Vollauflage des Amtsblatts an alle Langgönser Haushalte. Grafiken stellen die aktuellen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde dar. Außerdem werden die Bürger beispielsweise gefragt: »Wie kann Langgöns hinsichtlich Einnahmen, Ausgaben und Investitionen attraktiver gestaltet werden?«

 

Hoffen auf konstruktive Vorschläge

Er hoffe, dass Familien und einzelne Bürger Vorschläge unterbreiten. »Vereine zum Beispiel oder die Feuerwehren kommen ja mit Anregungen und Vorschlägen durchaus schon auf die Gemeinde zu«, hält der Bürgermeister fest. Bürgerbeteiligungsverfahren im Bereich des kommunalen Haushalts gab es auf digitalem Weg mit dem Instrumentarium von eOpinio unter anderem in Staufenberg und Laubach im Rahmen des Kommunalen Schutzschirms – und zu anderen Themen wie zur Grundschule und zur Entwicklung eines Stadtleitbilds in Wettenberg und Hungen – mit eher mäßigem Rücklauf.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Bürger am Ende vielleicht noch tiefer enttäuscht sein könnten, wenn ihre Vorschläge nicht in die Realität umgesetzt werden. Röhrig erklärt, »die beantworteten Flugblätter laufen über meinen Schreibtisch«, der Gemeindevorstand werde über Anregungen beraten. »Wir werden den Bürgern auch antworten.« Er hoffe auf »konstruktive Vorschläge. Wünsche nach fünf Kunstrasenplätzen oder Forderungen nach einer Halbierung der Fahrzeuge der Feuerwehr werden sicher nicht umgesetzt.«

Bürger können Vorschläge bis 31. August einreichen. Das Flugblatt ist auch verfügbar auf www.langgoens-web.de unten rechts unter »Fragebogen Bürgerhaushalt«. (Foto: pm)

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