Entdeckung

Wie Arnsburg wurde, was es ist

Die Einrichtung des Kriegsopferfriedhofs gab einst den Ausschlag für die Sanierung von Kloster Arnsburg. Jetzt hat Ernst Klingelhöfer herausgefunden, von wem die Initiative kam.
30. April 2017, 18:00 Uhr
Die Entscheidung des VDK, im ehemaligen Kreuzgang eine zentrale Kriegsgräberstätte einzurichten, weckte Kloster Arnsburg aus dem Dornröschenschlaf. (Archivfotos: us)

Ministerpräsident Volker Bouffier und Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel sind oft geteilter Meinung. Aber wenn man die beiden Politiker nach ihrem Lieblingsort im Landkreis Gießen fragt, dann hört man ein und dieselbe Antwort: Kloster Arnsburg. So geht es wohl vielen Menschen. Dass das ehemalige Zisterzienserkloster vor mehr als 50 Jahren aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wurde, ist vor allem einem Verein zu verdanken: dem Freundeskreis Kloster Arnsburg. Und der steht vor einem entscheidenden Wechsel. Der langjährige, Vorsitzende, Landrat a.D. Ernst Klingelhöfer, wird bei der Mitgliederversammlung an diesem Samstag sein Amt abgeben. Landrätin Anita Schneider soll die Nachfolge des 87-Jährigen antreten.

27 Jahre lang hat Klingelhöfer als Vorsitzender Verantwortung getragen. Aber nicht erst in dieser Zeit ist ihm die Klosteranlage ans Herz gewachsen. Schon als junger Mann sei er von seinem Heimatort Watzenborn-Steinberg nach Arnsburg geradelt, erzählt er. Das ehrwürdige Gemäuer war damals allerdings in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Mauern der Kirchenruine baufällig, das gotische Deckengewölbe des Dormitoriums teilweise eingebrochen, der Kreuzganggarten voller Schutt.

Der Wiederaufbau des ehemaligen Kloster ist letztlich einem Friedhof zu verdanken. »Die Entscheidung, im ehemaligen Kreuzgang eine zentrale Kriegsgräberstätte des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge einzurichten, hat den Ausschlag für die Sanierung der Klosterruine gegeben«, sagt Klingelhöfer.

 

Mauersanierung – ein Kraftakt

 

Dass der damalige Landrat Bone von Schwerin seit Mitte der 1950-er Jahre einen zentralen Ort für die überall im Landkreis verstreuten Kriegsgräber suchte, ist bekannt und belegt. Wer aber die laut Klingelhöfer »geniale Idee« hatte, Arnsburg vorzuschlagen, wusste man nicht. Der Zufall half nun, dieses Geheimnis zu lüften. Es war Gertrud Kraft aus Leihgestern, die damals als Sachbearbeiterin im Landratsamt für die Kriegsgräber zuständig war. Das beweist ein Brief, der nun im Nachlass Krafts gefunden wurde.

Klingelhöfer freut sich, dass er zum Ende seiner Amtszeit noch dieses Mosaiksteinchen zur langen Geschichte des Klosters hinzufügen kann. Er selbst hat in den vergangenen Jahren viele Steine bewegt. »Die schwierigste Aufgabe war wohl die neuerliche Sanierung der Mauerkronen«, sagt er mit Rückblick auf seine lange Amtszeit. Die Mauern waren zunächst in den 1960-er Jahren renoviert worden, nach damaligem Kenntnisstand und mit dem verfügbaren Material. Doch 40 Jahre später bröckelte der Mörtel, Experten warnten vor größeren Schäden und Gefahren durch herabfallende Steine. Deshalb wurden die Mauern zwischen 2006 und 2013 in enger Absprache mit dem Denkmalschutz erneut saniert. Kostenpunkt: gut eine Million Euro. Ein heftiger Brocken für den Freundeskreis, der 300 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen musste.

Die verbindende Wirkung des alten Klosters zeigte sich übrigens auch hier. Tatkräftige Unterstützung fand Klingelhöfer, der sich als Politiker für die Freien Wähler engagiert hatte, ausgerechnet in einem früheren politischen Widersacher. Die Benefizkonzerte des Trompeters Ludwig Güttler, initiiert vom SPD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit, spülten zusätzliche Einnahmen in die Vereinskasse.

»Und sie waren jeden Sommer ein kultureller Höhepunkt«, erinnert sich der Vorsitzende.

Aber es gab auch Dinge während Klingelhöfers Amtszeit, die nicht rund liefen. Dass die Gastronomen-Familie Gütlich Arnsburg verlassen hat und dass der Hotelbetrieb nicht mehr existiert bedauert der 87-Jährige bis heute, und auch, dass vor einigen Jahren die Chance, ein Museum des DRK-Landesverbands einzurichten, nicht ergriffen wurde. »Die Kriegsgräberstätte und das Rote Kreuz, das hätte gut gepasst.«

Auf Landrätin Schneider als künftige Freundeskreis-Vorsitzende wartet derweil eine große Aufgabe. Das Dach über dem Dormitorium muss saniert werden. Eine Kostenschätzung liegt bereits vor: rund 650 000 Euro. Klingelhöfer will seiner Nachfolgerin gerne zur Seite stehen: »Für mich gibt’s in Arnsburg keinen Abschied.«

Die Sanierung der Mauerkronen war für Ernst Klingelhöfer die größte Herausforderung in seiner 27-jährigen Amtszeit als Vorsitzender des Freundeskreises Kloster Arnsburg.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anita Schneider
  • Entdeckungen
  • Freie Wähler
  • Freundeskreis
  • Klöster
  • Kriegsgräber
  • Ludwig Güttler
  • Rotes Kreuz
  • Rüdiger Veit
  • Thorsten Schäfer-Gümbel
  • Volker Bouffier
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
  • Lich
  • Ursula Sommerlad
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.