05. September 2018, 22:10 Uhr

Wer falsch sortiert, sieht rot

Plastik im Kompost. Wie kann das sein? Ganz einfach, wenn schon im Haushalt die Tonnen falsch befüllt werden. Der Landkreis Gießen zückt bei Müllsündern die Gelbe und Rote Karte. Mit Erfolg.
05. September 2018, 22:10 Uhr
Kunststoffreste oder Metall haben in der grünen Tonne nichts zu suchen. Damit der Kompost eine möglichst gute Qualität erreicht, werden grüne Tonnen im Landkreis stichprobenartig auf Fremdstoffe untersucht. (Foto: Schepp)

Fehlwürfe« nennt man das, wenn Kunststoffverpackungen oder Konservendosen in der grünen Tonne landen. Während Metall vergleichsweise einfach mit einem Magneten in der Kompostierungsanlage herausgefischt werden kann, versagt solche Technik beim Kunststoff naturgemäß.

Und Kunststoffreste, dann auch noch klein geschreddert, kommen gar nicht gut, wenn der Kompost vermarktet oder auf die Äcker ausgebracht werden soll. »Wir bekommen den Müll nicht raus, und die Landwirte sollen es billig auf den Feldern entsorgen? Kann wohl nicht sein«, echauffierte sich Matthias Fritz (CDU) dieser Tage unter beifälliger Zustimmung im Fachausschuss für Abfallwirtschaft des Kreistags. Dort wurde jetzt Bericht erstattet, wie mit dem Thema umgegangen wird – um eben aus dem Kompostwerk Rabenau gute Qualität liefern zu können. Das Ziel bleibt: Kompost mit Gütesiegel!

Was also tun? Die Fachleute in der Abfallwirtschaft beim Landkreis setzen auf Information, Aufklärung – und Verwarnung. Mit Gelber und Roter Karte – wie beim Fußball. Einen ersten Einsatz hat es von März bis Mai in Lollar gegeben; die Ergebnisse liegen vor. Über drei Monate, also bei sechs Abfuhren, wurden alle Tonnen mit einem Detektor geprüft. Bei Fehlwürfen wurden Bürger vier Abfuhren lang verwarnt und bekamen bei einer Meldung des Systems eine Gelbe Karte unter den Deckel der Biotonne geklemmt. Tauchten beim fünften oder sechsten Sammeltermin wieder Fremdstoffe im Bioabfall auf, dann wurden die Tonnen nicht mehr geleert – und es wurde die Rote Karte gezückt.

Was können Bürger dann tun? Die grüne Tonne nachsortieren – oder aber gegen eine Extragebühr als Restmüll abholen lassen. Und das kostet: 13 Euro werden für die kleine Tonne mit 120 Litern Volumen fällig, 21 Euro für die große 240er.

»Der überwiegende Teil der Bürger trennt sauber«, sagt Hans-Peter Stock (FW). Aber eben nicht alle. Und Dr. Karin Wandel, Fachdienstleiterin der Abfallwirtschaft, berichtete: Je städtischer ein Gebiet ist, desto höher ist der Anteil an Stoffen in der grünen Tonne, die da nicht hineingehören.

Wie hoch ist die Zahl der Fehlwürfe insgesamt? Kontrollen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Im Schnitt gibt es 12 Prozent der Biotonnen mit unerwünschten Beimischungen. Zu viel, sagen die Kompostierer, da sei auf Qualität zu achten. Angestrebt wird ein Wert von fünf Prozent oder weniger. Wobei in Lollar jetzt mit dem Verteilen von Gelben und Roten Karten durchaus gute Ergebnisse erzielt wurden. Der Ansatz fruchtet. Ergo werden aktuell seit Juli bis September die grünen Tonnen im Stadtgebiet Grünberg »gescannt«. Weitere Gemeinden sollen bis Ende 2019 folgen.

»Hochwertiger Kompost kann nur durch weitestgehend sortenreine Erfassung der Bioabfälle erzeugt werden. Je höher der Fremdstoffgehalt der eingesammelten Bioabfälle ist, desto schlechter ist die Qualität des erzeugten Komposts«, erklärt Sebastian Habenicht von der Abfallwirtschaft.

Der in der Rabenau produzierte Kompost wird regelmäßig nach den Vorgaben der Bundesgütegemeinschaft Kompost von einem unabhängigen Labor untersucht. Stimmt die Qualität, dann gibt es das »RAL Gütezeichen Kompost«. Die Kriterien dafür sind in diesem Sommer nochmals nachgeschärft worden. Die Anforderungen an die Qualität des Kompost sind übrigens strenger als die Düngemittelverordnung.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Abfallbeseitigungs-Branche
  • Bioabfall
  • Bürger
  • CDU
  • Rabenau
  • Rüdiger Soßdorf
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.