Hilfe für Valmir

Weg mit den Krücken

Ein gehbehinderter Junge und vier Frauen, die ihm helfen wollen: Das war der Beginn dieser Geschichte. Dann kam Unterstützung von vielen Seiten; nun ist ein Traum zum Greifen nah.
27. März 2017, 06:00 Uhr
Geh-Hilfe für Valmir: »Footpower« in Gießen stellt orthopädische Einlagen zur Verfügung. Michael Staudt erläutert dem 14-Jährigen, wie sie wirken. (Foto: us)

Vor einem Jahr humpelte er noch durchs Leben. Momentan schlendert er ziemlich lässig an einer Krücke. Nächste Woche wird er versuchen, ohne Stütze zu laufen. Und wenn er Ende April zu seiner Familie in den Kosovo zurückkehrt, dann soll er vielleicht sogar rennen können. Dieses Ziel jedenfalls hat sich sein Physiotherapeut gesetzt. Valmir, der 14-Jährige aus dem Kosovo, der sich nach einer Hüft-OP in Ettingshausen erholt, geht es gut. Das ist auch zahlreichen Menschen zu verdanken, die vom Schicksal des Jungen in der Zeitung gelesen hatten und kurzerhand beschlossen: Wir wollen etwas für ihn tun. Und sie haben viel getan. So viel, dass Valmir nicht nur quietschfidel heimfliegen, sondern sehr wahrscheinlich im kommenden Jahr auch wieder kommen kann. Er braucht eine zweite Operation, und deren Finanzierung ist jetzt schon gesichert.

Kurze Rückblende: Valmir ist mit einer Fehlstellung der Hüfte auf die Welt gekommen. Daheim, im Kosovo, bekam er nicht die medizinische Hilfe erhalten, die er brauchte. Doch die Emigration der Familie nach Deutschland erwies sich zunächst als Sackgasse. Der Asylantrag wurde abgelehnt, die Eltern und ihre sechs Kinder mussten zurück, die bereits terminierte Operation schien in weiter Ferne. Dass sie doch noch stattgefunden hat, ist vier Frauen und zahlreichen Unterstützern zu verdanken, die nicht nur das notwendige Geld aufgetrieben, sondern auch die aufwendige Organisation gestemmt haben.

 

Ein Fußballteam hilft

 

Davon handelte der Artikel »Wie das Glück zu Valmir kam«, der Anfang März in dieser Zeitung erschienen ist. Der Bericht hat einige Kreise gezogen. Selbst im Kosovo fand er Verbreitung; darauf hin hat der junge Patient von dort via Facebook viel Zuspruch erfahren. Und der Helferkreis in Deutschland ist weiter gewachsen. Sogar um eine ganze Fußballmannschaft. Die Spieler vom FC Besa Gießen haben Valmir schon zweimal besucht, sie haben ihn zum Heimspiel eingeladen und Geld gesammelt, um die Familie im Kosovo zu unterstützen. Der Kontakt zu den Landsleuten ist nicht nur für Valmir schön, sondern vor allem für dessen Vater Ali. Der spricht kaum Deutsch; man kann sich vorstellen, dass ihm der dreimonatige Aufenthalt hier ganz schön lang wird.

Valmir dagegen ist gut beschäftigt. Zweimal pro Woche hat er Termine bei Toni und Kerstin Tiniakos in der Ettingshäuser Flugplatzsiedlung. Der Osteopath und die Physiotherapeutin haben dem 14-Jährigen versprochen: »Wir machen dich fit«. Zudem haben mehrere Ärzte ihre Unterstützung angeboten. Thrombosespritzen, Röntgenuntersuchungen: alles geklärt. Und jetzt bekommt der Schüler auch noch orthopädische Einlagen.

Am Donnerstag war er zum Anpassen bei »Footpower« in Gießen. Die Spezialisten aus dem Schiffenberger Tal hatten ebenfalls nach der Lektüre des Zeitungsartikels ihre Hilfe angeboten. Michael Staudt, seines Zeichens Sensomotoriktechniker und Prokurist von »Footpower«, wird für den jungen Patienten Einlagen und Keile anfertigen, die die Fehlstellung von Fuß und Bein nicht nur passiv ausgleichen, sondern auch die Muskeln mobilisieren sollen. »Krankengymnastik beim Gehen«, sagt Staudt. Und zum Abschied: »Nächstes Jahr sehen wir uns wieder.«

Im Sommer 2018 nämlich soll Valmir erneut operiert werden, wieder in Dortmund, wo die erste OP so gut gelaufen ist. Die Ärzte dort haben, wie Valmirs Helferinnen erzählen, die Behandlung auch der linken Hüfte dringend empfohlen. Sonst würde eine fortschreibende Arthrose auf längere Sicht eine künstliche Hüfte unvermeidbar machen.

 

Gastgeber für 2018 gesucht

 

Dass ihnen nun die Organisation rund um die OP ein zweites Mal bevorsteht, macht den Frauen aus Ettingshausen keine Angst mehr. Erstens liegt das erforderliche Geld bereits auf einem Konto in Dortmund. Wie die Helferinnen berichten, habe das staatliche Gesundheitsamt in Pristina nach zahlreichen abschlägigen Bescheiden nun doch einen Zuschuss bewilligt und auch schon ausgezahlt. Die Spenden von Privatpersonen und Stiftungen mussten also nicht aufgebraucht werden und dürfen mit Einverständnis der Geber für die nächste OP aufgehoben werden. Und zweitens können die Frauen mittlerweile auf ein Netzwerk zurückgreifen, das so eng geknüpft ist, dass sich für viele Probleme schnell Lösungen finden lassen. Schon jetzt halten sie nach Gastgebern aus der Region Ausschau, die Platz haben, um den Patienten, der dann wohl mit seiner Mutter kommen wird, für drei Monate unterzubringen.

Und Valmir? Der ist einfach nur glücklich und strahlt. »Ein großes Dankeschön an alle« sagt er. Dann schlendert er lässig an seiner Krücke davon.

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