24. Juli 2018, 05:00 Uhr

Physiotherapie für Hunde

Was für ein Hundeleben: Physiotherapie für Vierbeiner

Fast jeder hat sich schon mal durchkneten lassen. Aber mit dem Hund zur Physiotherapie? Dazu gibt es im Kreis Gießen immer mehr Angebote. Mediziner sehen die Entwicklung auch kritisch.
24. Juli 2018, 05:00 Uhr
Yvi lässt sich von Maria Stommel massieren. »Dank der Physiotherapie nach der OP hat meine Hündin wieder Spaß an der Bewegung«, stellt die Hundehalterin, Kerstin Haas aus Grünberg, fest. (Foto: srs)

Yvi kneift genüsslich die Augen zusammen. Die Grünbergerin liegt auf einem Handtuch. Ihr Kopf sinkt langsam zur Seite, während Maria Stommel neben ihr sitzt und in kreisförmigen Bewegungen ihre verspannten Muskeln knetet. Von draußen dringt Vogelgezwitscher durch das offene Fenster. Was für ein Hundeleben. Vierbeiner Yvi lässt sich von einer Physiotherapeutin massieren – inklusive Akupunktur.

Physiotherapie hilft, dass Ivy nicht mit Medikamenten vollgepumpt wird

Kerstin Haas, Hundehalterin

Was bei Menschen mit Rückenproblemen selbstverständlich ist, wird auch für Tierhalter im Kreis Gießen zunehmend üblich: eine Überweisung zum Physiotherapeuten. »Jeder zweite Hund hat eine Wirbelblockade«, hält Stommel fest. Auch nach Operationen wie einem Kreuzbandriss oder einem Bandscheibenvorfall, helfe Physiotherapie dem Tier, sich schneller zu erholen. Außerdem wird die Behandlung bei der Schmerzlinderung oder zum Muskelaufbau nach einer Operation sowie bei älteren Hunden mit Arthrose eingesetzt.

Yvi hat auf der Liege in der Tierarztpraxis Litzlbauer und Reiser in Watzenborn-Steinberg Platz genommen. Die sieben Jahre alte Hündin bellt. Sie weiß: Gleich gibt es auch Leckerlis. Kurz darauf lässt sich bereitwillig von der Physiotherapeutin massieren. Sie hat eine Operation vor drei Wochen an der linken hinteren Kniescheibe hinter sich. »Sie hat gehumpelt, wollte nicht mehr laufen«, erzählt Hundehalterin Kerstin Haas. »Die Kniescheibe war locker. Auch dank der Physiotherapie nach der OP hat sie wieder Spaß an der Bewegung. Ich muss ihr schon hinterherrufen: Langsam.«

 

Hunde sind die häufigsten Patienten

Vor allem ein Argument überzeugt die Hundehalterin für die Physiotherapie, das auch Stommel als Motivation anbringt, sich in dem Bereich weiterzubilden. »Man muss das Tier nicht mit Medikamenten vollpumpen«, sagt Haas. »Es bekämpft Schmerzen auf natürliche Weise«, ergänzt Stommel.

Eine halbe bis zu einer Stunde dauert die Behandlung. Stommel analysiert anfangs den Gang des Tieres, tastet die Gelenke ab. »Die Körpersprache und Laufbewegungen des Tieres verraten oft, wo genau es zwickt«, sagt sie. Eine Ausbildung zur Physiotherapie hat sie zur Behandlung von Kleintieren und Pferden absolviert. »Zu 80 Prozent sind die Patienten Hunde.«

 

 

Berufsbild ist nicht geschützt


Eine Behandlung kostet 20 bis 40 Euro. Auch Akupunktur zählt zu ihrem Angebot. In aller Regel setzt sie dabei aber nicht Nadeln ein, sondern fährt mit einem Lasergerät in Form eines großen Kugelschreibers über das Fell des Hundes – auch bei Ivi, die den warmen Laserstrahl sichtlich genießt und die Augen schließt.
Als Gründe für einen zunehmende Nachfrage nach Physiotherapie von Hunden nennt Stommel unter anderem Überzüchtung und falsche Ernährung. »Welpen schießen zum Teil viel zu früh in die Höhe – und sind dann wegen fehlerhafter Körperhaltung auf Physiotherapie angewiesen.«

Cécile-Simone Alexander, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft physiotherapeutisch arbeitender Tierärzte, sieht das anwachsende Angebot auch kritisch. Der Grund: Das Berufsbild ist nicht geschützt. »Jeder kann sich ein Schild an die Tür nageln, wenn er die Berufung spürt, Tiertherapeut zu sein«, sagt sie. Sie rät Hundehaltern zu Therapeuten, die eine fachliche Ausbildung absolviert und Weiterbildungsseminare besucht haben. Wie andere im Kreis hat auch Tierarzthelferin Stommel eine zweijährige Ausbildung zur Physiotherapeutin hinter sich.
 

Als Stommel Yvi mit dem Lasergerät behandelt, schreckt diese für einen Moment auf und beißt der Physiotherapeutin in die Finger. Haas spricht sanft auf Yvi ein, der Vierbeiner legt sich wieder auf das Handtuch. So wisse man zumindest, »dass man an der richtigen Stelle behandelt, wo es leider auch mal weh tun kann«, sagt Stommel. »Hunde können nicht Aua sagen.«

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