16. August 2018, 22:13 Uhr

Was bringt ein Glyphosatverbot?

16. August 2018, 22:13 Uhr
Beim Besuch des EU-Abgeordneten Martin Häusling in Buseck geht es um das Thema Glyphosat sowie um Blühwiesen, die Bienen Nahrung geben. (Symbolfoto: dpa)

Die Bauern in unserer Gemeinde sind durchaus bereit, etwas für die Natur zu tun. Sagt uns bitte genau, was ihr wollt.« Das erklärte Jochen Schmidt, Nebenerwerbslandwirt, der mit dem Anlegen einer Blühwiese bereits aktiv geworden ist. Dort, am Grünberger Weg in Buseck, trafen sich jetzt auf Einladung der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Katharina Habenicht, sowie der Ortsverbandsvorsitzenden Luise Böttcher interessierte Bürger, um mit dem Europaabgeordneten Martin Häusling ins Gespräch zu kommen. Dieser referierte zudem am Abend zum Thema »Artenvielfalt, Artenschwund und moderne Landwirtschaft« im Kulturzentrum.

Schmidt, hauptberuflich Ingenieur, wies auf die Verwaltungshürden hin. »Ich sitze zwei Abende an einem digitalen Antrag. Fragen zu beantworten, was ist nun eine Bienenweide und was eine Honigbrache, fallen auch mir schwer. Eine falsche Angabe, im guten Glauben gemacht, dann eine Kontrolle und schon ist das Geld weg.« Etliche Betriebe hätten es deshalb aufgegeben, überhaupt einen Antrag zu stellen.

Für eine neue Ausrichtung der EU-Agrarpolitik »ohne bürokratischen Supergau« steht auch Häusling. Zudem setzt er sich für die Verteilung der Gelder nach Umweltleistung ein. »Schließlich ist der Klimawandel wegen der Dürre derzeit verstärkt in den Fokus gerückt, eines der drängendsten Themen unserer Zeit.«

Unkrautvernichtung mit Dampf

Eine Teilnehmerin äußerte sich enttäuscht von der besichtigten Wiese. »Vielfalt bedeutet nicht, dass alles auf einer Fläche sein muss«, warf die Umweltdezernentin des Landkreises, Dr. Christiane Schmahl, ein. Emil Dörr, Vorsitzender des Kreisimkerverbands, zeigte eine vier Wochen alte Aufnahme, als die Wiese noch in voller Blüte stand. Aufgrund der Dürre sei die Vegetation der Zeit vier Wochen voraus. Hier erkenne er auf Anhieb zehn verschiedene Pflanzen, die den Bienen Nahrung bieten.

So ganz zum Erliegen ist die Diskussion nach der befristeten Zulassung von Glyphosat auf weitere fünf Jahre nie gekommen. Mit einem kürzlich durch eine Geschworenenjury in den USA getroffenen Urteil ist sie erneut aufgeflammt. Die Bayer-Tochter Monsanto war wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat zur Zahlung von 289 Millionen Dollar an einen Krebspatienten verurteilt worden. Wenn es nach Häusling ginge, gehöre Glyphosat lieber heute als morgen verboten. Zu derartigen Klagen, wie sie in den USA 100-fach anhängig sind, kann es in Europa nicht kommen. Die Zulassung durch das Bundesamt schließe eine Klage aus. Dabei sei aus seiner Sicht der Einsatz von Glyphosat auch im konventionellen Ackerbau völlig unnötig. Durch vernünftige Fruchtfolgen könne das Unkraut automatisch eingedämmt und mit mechanischer Bearbeitung durch Pflug und maschinelle Hacken entfernt werden. »Es muss nicht jeder Distel in einem Weizenfeld mit der Spritze zu Leibe gerückt werden«, sagte Häusling, der selbst Biobauer ist. Die Einsparung von etwa 100 Euro pro Hektar sei das einzige Argument, auf das umstrittene Mittel zurückzugreifen.

Ein ökologisches Gerät ersetzt seit einem Jahr im Baubetriebshof der Gemeinde Buseck das Unkrautvernichtungsmittel, das zuvor in wenigen Bereichen zum Einsatz kam. »Dies funktioniert mit heißem Dampf«, berichtete Bürgermeister Dirk Haas. Es gebe kein perfektes Vorgehen im Bezug auf Unkrautregulierung, betonte der Bauernverbandsvorsitzende Sebastian Balser-Kutt. Kritisch wird der Trend gesehen, dass auf Privatgrundstücken immer mehr »pflegeleichte« Steine das Grün ersetzen. Der Verkauf von Unkrautvernichtungsmitteln in Baumärkten, größtenteils zum Verbrauch ohne Kenntnis und Einhaltung der Anwendungsbestimmungen, wurde ebenfalls angeprangert. Es müssten im Sinne der Artenvielfalt nicht nur die Kommunen und Landwirte aktiv werden. (siw)

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