30. August 2018, 22:16 Uhr

Warum Chöre Eintracht heißen

30. August 2018, 22:16 Uhr
Ein Bild aus der Geschichte der Eintracht Saasen: 1952 fuhren die Festdamen auf den geschmückten Motorrädern mit. (Repro: msr)

Es ist kein Zufall, dass viele Gesangvereine die Namen Eintracht, Concordia oder Harmonie tragen. Wie es dazu kam, berichtete nun Manfred Schmitt bei der Ortsgruppe Saasen der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen. Zudem zeigte er rund 200 Festzugbilder, die er zum 125-jährigen Bestehen des Gesangvereins Eintracht Saasen zusammengetragen hatte.

Die Entwicklung des Deutschen Chorwesens umfasst einen Zeitraum von etwas mehr als 200 Jahren. Ab 1809 nahm diese Schwung auf. Viele Lieder besingen das Alltagsleben in den verschiedenen Jahrhunderten. Sie sind meist Protestlieder, Spottlieder, Balladen und Moritaten, Revolutions- und Parteilieder. Schließlich gibt es noch eine große Zahl von Soldaten- und Kriegsliedern. Weltbekannt ist aus letzter Kategorie »Lilli Marleen«. Alle diese Lieder waren auch politische Lieder, sagte Schmitt.

Prägend für den deutschen Chorgesang war die Zeit der Romantik, ihre Dichter und insbesondere die Komponisten Franz Schubert, Friedrich Silcher und Felix Mendelsohn Bartholdy, der zugleich Chorleiter war. Es entstand das sogenannte »Kunstlied«. Im Januar 1809 gründete der Komponist und Musikpädagoge Carl Friedrich Zelter, mitten im napoleonisch besetzten Berlin, den ersten exklusiven Männerchor mit dem Namen »Die Liedertafel«. Es ist kein Zufall, dass sich spätere Männergesangvereine bevorzugt »Concordia«, »Harmonia« oder auch »Eintracht« nennen – hatte doch die Französische Revolution die Sehnsucht nach Freiheit, Einigkeit und den Nationalgedanken geweckt. In der Entstehungsphase der deutschen Männerchöre kommen weniger die martialisch (kämpferisch) als vielmehr die treuherzig-idealistischen Züge zum Tragen: »Brüder reicht euch die Hand zum Bunde!« Später, in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, kommen die kämpferischen Lieder zum Zuge.

1862 schließen sich die Sängerbünde Deutschlands und Männergesangvereine der im Ausland lebenden Deutschen zum Deutschen Sängerbund zusammen. 1865 kam es zum ersten Deutschen Sängerfest in Dresden. Ab 1870 gründen sich neue sozialdemokratisch bis sozialistisch gestimmte Gesangvereine, die auch den einfachen Arbeiter am Gesang teilhaben lassen wollen. Nun kommen Namen wie Einigkeit, Freiheit, Liederkranz, Sängerkranz oder Vorwärts in Mode.

Unter den Nazis wurden viele Gesangvereine verboten, Noten beschlagnahmt. Schmitt nennt es den »Untergang des freien Gesangs«. In Saasen wurde der Gesangverein »Sängerkranz« durch die NSDAP verboten, es kam zur Zwangsverschmelzung mit der Eintracht.

Aktuell vereinigt der Deutsche Chorverband 1,4 Millionen Mitglieder in circa 21 000 Chören, Instrumental- und Tanzgruppen in Deutschland und im Ausland. Er ist damit der weltweit größte Laienchorverband.

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