02. August 2018, 21:43 Uhr

Vorfreude aufs Altwerden

02. August 2018, 21:43 Uhr
Richtig eingestellte Rollatoren sind eine Erleichterung im Alltag – daher sollte man sie nicht von Grund auf ablehnen, rät die Altersexpertin. (Fotos: dpa/siw)

»Hier sitzen die neuen Alten, die auch bei Hitze aktiv sind.« Überrascht war Dr. Christine Langer über mehr als 60 Teilnehmer, die am Mittwoch zum »Vortrag zum Älterwerden in Buseck« in das Kulturzentrum gekommen waren. Eingeladen hatten der Behinderten- und Seniorenbeirat und der Förderverein »Kranken- und Pflegehilfe Buseck«. Ein optimistisches Altersbild wirke sich nicht nur auf die Lebensqualität, sondern auch auf die Lebensdauer aus, sagte die Referentin. Das »fortgeschrittene Erwachsenenalter« sei verbunden mit einem Mehr an Freiheit. Also, warum nicht sagen: »Endlich alt werden«?

Denn niemand ist so frei wie ein Kind bis zur Einschulung und ein Erwachsener ab dem Eintritt in den Ruhestand. Dabei nehmen die berufs- und familienfreien Jahre stetig zu. »Nicht das Alter ist das Problem, sondern die Einstellung dazu.« Dieses Aphorismen von Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) hat an Gültigkeit nichts verloren.

Die Medizinerin ermutigte die Anwesenden zu einem persönlichen Lebensstil, der Entwicklung neuer Ideen und Möglichkeiten und zur Befreiung von Ballast. »Damit meine ich nicht, den Keller aufzuräumen.« Vielmehr solle man sich von Menschen distanzieren, die einem nicht guttun, nur Zeiträuber sind.

Lächeln und Freude kennen kein Alter und die zunehmenden Lebensjahre sind nicht zwangsläufig mit Krankheit und Hilfsbedürftigkeit verbunden. Mit Willen und Bewusstsein den neuen Lebensabschnitt anzugehen, bedeute jedoch nicht, vor einsetzenden Einschränkungen in den Alltagskompetenzen die Augen zu verschließen. »Die gedankliche Vorwegnahme der Probleme im Alter senkt das Depressionsrisiko«, betonte Langer. Nachdem sie zu sich selbst sagte »ich werde alt und weiß nichts darüber«, hatte sie ihre Arztpraxis verkauft und in Mannheim Gerontologie studiert. Ergründen wollte sie, wie man das Leben im Alter gut gestalten kann.

Dass die Zufriedenheit und Lebensqualität im Alter steige, sei nicht immer so gewesen. Die Betrachtung des Älterwerdens als fortschreitenden körperlichen und geistigen Abbauprozess sei zwar historisch geprägt. Dies müsse allerdings aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse hinterfragt werden, zumal die durchschnittliche Lebenserwartung seit dem Jahr 1840 um fast drei Monate pro Jahr gestiegen sei. Die Gerontologie begreife die Altersphase als eigenständigen Lebensabschnitt, der sich wesentlich vom mittleren Erwachsenenalter unterscheide. Das traditionelle Bild vom Altern hat sich jedoch deutlich verändert. »Statistisch gesehen sind die Menschen zwischen dem 58. und 77. Lebensjahr am glücklichsten.« Alte seien 75 bis 90 Jahre alt, Hochbetagte 90 bis 100 und ab 100-Jährige bezeichne man als Langlebige – ein äußerst treffender Name.

Gesundheit sei nicht zwingend eine Voraussetzung für ein zufriedenes Altern. Die Einstellung »ein Rollator kommt mir nicht ins Haus« sei falsch. Schließlich muss der Umgang damit erlernt werden, gleiches gilt für E-Bikes, E-Scooter und Dreiräder, die sich gut für Personen mit Gleichgewichtsstörungen eignen. Das eigene Fahrverhalten mit dem Pkw sollte man kritisch hinterfragen. Erwiesen sei, dass 50 Prozent der Senioren eine neue Brille bräuchten.

Langer riet, auf den Rhythmus des eigenen Körpers zu hören und auch mal in aller Ruhe (ob mit oder ohne Kissen) aus dem Fenster zu schauen oder im Schaukelstuhl Löcher in die Luft zu gucken. Natürlich nur so lange das nicht überhandnimmt. Sie gab den Anwesenden zahlreiche Literaturtipps und praktische Ratschläge für Haushaltshelfer: Vom Flaschen- und Konservenöffner bis hin zur Seite »Mittagstisch« in der Gießener Allgemeinen.

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