08. Mai 2018, 22:22 Uhr

Von Hungerjahren und Care-Paketen

08. Mai 2018, 22:22 Uhr

Werner Kröck gehört seit Anfang an dem Arbeitskreis Heimatmuseum in Heuchelheim an, ist historisch interessiert und sammelt seit Jahrzehnten deutsche Geldscheine von der Reichsgründung 1871 bis zu Einführung des Euro. Sein Spezialgebiet ist das Notgeld. Werner Kröck, als gelernter Bankkaufmann, ist geradezu dazu prädestiniert.

Der Heuchelheimer wird in einer Sonderausstellung im Begegnungsraum des Heuchelheimer Heimatmuseums an drei Tagen die Geldscheine ausstellen die vor der Währungsreform 1948 im Umlauf waren und dann durch die in den USA gedruckte »Deutsche Mark« ersetzt wurden.

5-, 10- und 50-Pfennig-Scheine

Insgesamt zeigt die Ausstellung drei größere Ausstellungstafeln sowie zahlreiche Fotokopien. Die Ausstellung ist in jeder Weise sehenswert. Zu sehen sind etwa die ersten Scheine nach der Währungsreform und auch 5, 10 und 50 Pfennig als Scheine.

Kröck zeigt auch, wie Besatzungsleistungen von den Alliierten entschädigt wurden, weil etwa Wohnungen zu räumen waren für amerikanische Streitkräfte. Für sieben zur Verfügung gestellte Räume (Quartierleistung sieben Räume) bekam ein Heuchelheimer in der Wilhelmstraße 214,25 Reichsmark, die von der Gemeindekasse Heuchelheim auf Weisung auszuzahlen waren.

Zu sehen sind zwei Berichte von drei damals 17-jährigen Schülern, die in den »sogenannten Kohleferien« 1947 und 1948 einen Job bei den amerikanischen Besatzungstruppen fanden, dort pro Monat als Teil der Bezahlung ein »Care-Paket« erhielten, was auf dem Schwarzmarkt einen Wert von 2000 Reichsmark hatte.

Nach dem Kriegsende wurde das Deutsche Reich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die Siegermächte sahen bald ein, dass es wirtschaftlich so nicht weitergehen konnte, der Geldüberhang musste abgeschöpft und eine neue Währung geschaffen werden. In den drei westlichen Besatzungszonen traf man sich streng geheim mit deutschen Fachleuten und legte die Modalitäten für eine Währungsreform fest.

Schon ab Oktober 1947 wurden dafür in den USA neue Geldscheine gedruckt. Sie hießen nicht mehr Reichsmark (RM), sondern Deutsche Mark (DM). Die sowjetische Besatzungszone führte später in Ostdeutschland eine eigene Währungsreform durch.

Am 20. Juni 1948, an einem Sonntag, erhielt jeder Bürger in den drei westlichen Besatzungszonen nach Abstempelung auf seiner Lebensmittelkarte für 60 Reichsmark 60 Deutsche Mark, das sogenannte Kopfgeld. Das übrige Bargeld, Bank- und Sparguthaben wurde im Verhältnis 100 Reichsmark zu 6,50 Deutsche Mark umgestellt. Die Kaufleute, hatten zum größten Teil ihre Waren bis zur Währungsreform zurück gehalten, sodass es wieder fast alles zu kaufen gab. Die letzten Lebensmittelkarten für Fleisch waren bis Juli 1949 gültig. Auch diese sind in der Ausstellung zu sehen.

Da für die neue DM noch keine Münzen geprägt worden waren, gab es Scheine zu 5, 10 und 50 Pfennige und zu 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Deutsche Mark. Kurze Zeit waren aus Kleingeldmangel auch noch die alten Münzen mit 1/10 ihres Wertes im Umlauf. Die ersten DM-Scheine tragen noch keine Ausgabestelle, später ist es die »Bank deutscher Länder« und zuletzt die »Deutsche Bundesbank«.

Die Ausstellung ist ab Sonntag, 13. Mai, von 10 bis 12 Uhr zu sehen, am Mittwoch, 16. Mai, kann die Ausstellung zwischen 15 und 17 Uhr und am Sonntag, 20. Mai, wieder von 10 bis 12 Uhr besichtigt werden. Werner Kröck wird an allen drei Tagen anwesend sein und kann Erläuterungen und Erklärungen geben. (Foto: vk)

Werner Kröck präsentiert die ersten Geldscheine nach der Währungsreform.

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