05. September 2018, 22:13 Uhr

Ursprünglicher Jazz

05. September 2018, 22:13 Uhr
Toni Ketterle an der Trompete. (Foto: m)

Alle, die nicht dabei waren, haben etwas Wunderbares verpasst: Das altehrwürdige Gemäuer der Burg Gleiberg war erfüllt von Jazzklängen. Die produzierten keine Geringeren als die Mitglieder von »Heye’s Society Jazz-Band«. Der Gleiberg-Verein um seinen Vorsitzenden Andreas Kraft hatte es möglich gemacht.

Es war kühl, doch dies ließ sich sehr gut kompensieren durch ein besonderes Musikgenre, das Herz und Gemüt erwärmte, dessen Rhythmus ins Blut geht und jeden irgendwie mitwippen lässt. Nicht zum ersten Mal waren die Musiker zu Gast auf dem 300 Meter hohen Basalthügel.

Musik von der ersten Schallplatte

Und sie genossen es, auch vor spärlicher Kulisse, ihr Können zu demonstrieren. Klangvolle Namen wie Achim Bohlender (Klarinette), Nachfolger des schon zu Lebzeiten legendären Klarinettisten Charles Höllering in der Stuttgarter Band »The Chicagoans«. Leo Gmelch (Tuba, Bassposaune), musikalischer Produktionsleiter am Residenztheater in München, spielte mit Udo Lindenberg und Konstantin Wecker und kann zahlreiche Rundfunkaufnahmen und Festivalauftritte vorweisen. Posaunist Erwin Gregg, seit 1981 als freischaffender Musiker tätig, unter anderem bei Hugo Strasser, Max Greger und der Spider Murphy Gang.

Toni Ketterle (Trompete, Kornett), der musikalische Leiter, betreute als langjähriger Chef bei Bavaria-Film in München Produktionen wie beispielsweise »Das Boot«, »Die unendliche Geschichte« und »Der Name der Rose« sowie »Comedian Harmonists«. Als Moderator klärte er während des Konzerts zudem die Zuschauer auf, über die gespielten Stücke und ihre Geschichten, nahm sie mit auf launige Weise in dieses spezielle Genre der Jazzmusik. Dr. Tino Rossmann (Piano, Gesang), ein Münchner Urgestein mit einer fundierten Grundausbildung in Klavier, Geige und Gesang, spielte schon als Gymnasiast bei Curties Jazzmen im legendären Jazzkeller in der Türkenkaserne. Und schließlich Heye Villechner (Schlagzeug), der 81-Jährige, der seinen Vornamen der Band spendierte, Leistungssportler war, bekennender Kosmopolit, musikalischer Autodidakt, Kopf des Ensembles und schon mit den Beatles auf der Bühne stehend.

Mit dem »High Society Rag« zu Beginn des gut zweistündigen Konzerts sollte schnell klar werden: Es lohnt sich. King Oliver’s »Sugar Foot Stomp« und Louis Armstrong’s berühmter, eher als unspielbar eingestufter »Westend Blues« folgten. Vom Vergnügungsviertel Storyville von New Orleans, dort, wo alles begann, erzählt »Way Down Yonder in New Orleans«. Bevor die sechs Herren sich und dem Publikum eine kleine Pause gönnten, war nochmals Mitsingen angesagt: »Eh la Bas«, eines der musikalischen Zeugnisse der ehemaligen französischen Kolonie Louisiana.

Auch im zweiten Teil musikalische Spezialitäten: »Creole Love Call« von Duke Ellington und in Europa bekannt geworden durch die Comedian Harmonists. Mit einem weiteren Ragtime von Scott Joplin »The Entertainer« ging es langsam zum Schluss hin. Nicht alle 29 dem Zugabepart zugeordneten Stücke könnten sie spielen, scherzte Ketterle, aber ein Jazzstandard aus der 1917 entstandenen ersten Jazzschallplatte gab es obendrauf: »Den durch den Kornettisten Nick LaRocka bekannt gewordenen Titel »Tiger Rag«. So endete eine beeindruckende musikalische Reise nach New Orleans und Chicago zwischen 1900 und 1930 – mit Improvisationen, die Freude bereiteten.

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