Unkonventionell – zum Nachdenken

11. Juni 2018, 21:16 Uhr
Fabian Vogt als »Frontmann« bei der Laubacher »Mixtur«. An der Orgel und damit im Hintergrund agiert Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße. (Foto: kdw)

Orgel, Gesang und Gitarre standen am Freitag auf dem Programm der Laubacher »Mixtur«. Gitarrist und Sänger Fabian Vogt und Organistin Katrin Anja Krauße versprachen, »Musikkabarett zu Orgel und anderen Pfeifen« zu Gehör zu bringen. Musikalisch war’s rundum stimmig, und die Laune in der evangelischen Stadtkirche war bestens.

In seiner Begrüßung lobte Stadtrat Horst Lang die Bedeutung der Mitarbeit von Dekanatskantorin Anja Martini im musikalischen Bereich der Organisation des Festivals. Alsdann streute er ein paar Sprichwörter ins Volk, die auf die Schlagfertigkeit des Musikkabarettisten abzielten: »Wollten Sie nicht immer schon wissen, warum der Teufel Fliegen frisst, Sie sich vielleicht auf dem Holzweg befinden oder nicht mehr alle Tassen im Schrank haben? Sie werden es erfahren, darauf können Sie Gift nehmen«.

Krauße zieht andere Saiten auf

Ohne Worte übernahm dann aber die Orgel das Zentrum. Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße aus Nidda musizierte zum Auftakt aus Michel-Ostertuns (*1964) Präludien aus der Geografie die »Sinfonie aus der Nonenwelt«. Vielfarbig und locker kündigte sich da schon die ungewöhnliche Struktur des Abends an. Nach Langs Begrüßung folgte aus demselben Werk »Der schiefe Turm von Pisa«, ähnlich unkonventionell.

Nach dieser Einstimmung legte sehr schwungvoll und gut disponiert Fabian Vogt auf der Gitarre los. Der Sänger, Musiker und Pfarrer errang mehrere Literatur- und Kleinkunstpreise. Im fröhlichen Countrystil zog er sogleich die Zuhörer in seinen Bann. Dabei half ihm sein geübter Tenor und die offenkundige Routine als Gitarrist – Vogt arbeitet mit vielen abwechslungsreichen Akkorden.

Thematisch bewegte er sich hauptsächlich um theologische Fragen, auch alltägliche. Das schneidend scharfe Würdigen von menschlichen Schwächen und anderen Missständen ist nicht seine Sache, wenn er auch zu Beginn minimal frech gegen »dieses lebendige Mausoleum vergangener Hochkultur« lästerte. Er widmet sich lieber etwas kalauerhaft parallelen Bedeutungen in neuem und altem Deutsch. Dabei zeichnet er etwa ein heiteres Bild der Lage am Himmelstor – Gott hat einen zweiten Himmel aufgemacht, der richtig paradiesisch ist (»Für Querdenker«) – und fordert die Abschaffung der Inquisition. Das war mit sehr authentischem Gefühl gesungen, und die zahlreichen Pointen machten durchaus Spaß. Ein bisschen fehlte der Sache aber der kabarettistische Biss, was vielleicht an Voigts Beruf als Pfarrer liegt. Davon erzählte er auch locker, witzig und ausführlich. Seine Stärke liegt im Liedermachen und auch im poetischen Erzählen. Der Song »Wenn ich noch mal leben könnte« jedoch wirkte etwas betulich – schon locker, aber vor allem korrekt.

Katrin Anja Krauße zog da gleichsam andere Saiten auf. Sie präsentierte mit Guilmants Allegretto und Verset aus op. 19 ein apartes, heiteres und insgesamt auch beschwingt musiziertes Werk. Witzig waren die Anklänge an Beethovens »da-da-da-daa«, allerdings auch mit einem Hauch von Besinnlichkeit. Das war aber ebenso mit Frohsinn, Lust am großen Klang und intensiv musiziert. Großer Beifall.

Auch drei Sätze aus Petralis »Versetti per il Gloria« spielte Krauße sehr variationsreich. Ein tolles Finale legte sie mit dem abschließenden »Blaze away« von (Abe Holzmann) hin. Das war ein schmissiges Werk, authentisch an Schlager oder Rummel erinnernd, das in ihrer zurückhaltenden Intonation sehr charmant wirkte. Regionalkantorin Anja Martini freute sich: »Ein frecher heiterer Abend, wir haben viel zu denken bekommen«.

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