15. April 2019, 21:36 Uhr

Über Sterbephasen gesprochen

15. April 2019, 21:36 Uhr

Nachdem es im Juni mit Prof. Okko Herlyn einen engagierten Vortrag mit Diskussion über das Selbstverständnis des christlichen Glaubens in einer veränderten Welt gab und im November der Physiker Dr. Tobias Lapp seine persönlichen und wissenschaftlichen Beweggründe darlegte, warum er als Wissenschaftler kein Atheist sei, berichtete kürzlich beim dritten Wettenberger Gespräch im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg Dr. Jutta Hermanns aus Marburg von ihren Erfahrungen mit Sterbenden und Angehörigen und von ihrer Tätigkeit als Ausbilderin und Supervisorin. Sie ist in Marburg seit 30 Jahren als Verhaltenstherapeutin mit dem Schwerpunkt Psychoonkologie niedergelassen.

Am Anfang erläuterte Hermanns kurz die Sterbephasen nach Kübler-Ross (Nicht wahrhaben wollen/verhandeln/depressiver Rückzug und Trauer/akzeptieren). Sie beschrieb dann einige bekannte physiologische Vorgänge beim Sterben. Dabei unterstrich sie eindrücklich, wie die von Angehörigen bisweilen forcierte Nahrungsaufnahme für Sterbende eine Qual sein könne.

»Aufräumen« wichtig

»Geburt und Tod haben viel gemeinsam, beides sind Ereignisse, für die die Natur bestimmte Programme vorgesehen hat. Sie laufen dann am besten ab, wenn sie möglichst wenig gestört werden«, zitierte sie den Palliativmediziner Borasio. Kurz wurden Prinzipien der Palliativmedizin und der Hospizbewegung erläutert und unterstrichen, dass ein Hospiz im Wissen zu sterben aufgesucht werde.

Hermanns machte deutlich, dass es wenig Sinn macht, den Tod zu verdrängen, weil jeder von uns sterben muss. In sehr persönlichen Worten erläuterte Hermanns, wie wichtig es darum sei, in seinem Leben »aufzuräumen« und sein »Lebenshaus« in Ordnung zu bringen. Es gilt, sich mit dem zu befassen, was jeden Einzelnen am Leben hält. Sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen bedeutet, für das Leben zu lernen. »Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben« (Marcus Aurelius).

In der sich anschließenden Diskussion gab es Fragen zu den Wünschen von Sterbenden. Es gab auch die Nachfrage, ob es glaubenden Menschen leichter fällt, zu sterben. Auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit Sterbenden bejahte Hermanns dies. Nach ihrer Ansicht sei es der Halt, den Menschen in ihrem Glauben fänden und der sie anders mit dem Sterben umgehen lasse.

Der gute Besuch der Veranstaltung signalisierte, dass das Thema für viele wichtig ist und sie sich auch über den Vortragsabend hinaus damit eingehend beschäftigen werden.

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