05. Dezember 2018, 17:06 Uhr

Bauarbeiten

Talbrücke Langgöns: A 45 wird für 96 Millionen ausgebaut

Es wird eines der größten Straßenbauprojekte in der Region: Die A 45 zwischen zwischen Gambacher und Gießener Südkreuz ausgebaut. Mit riesigen Auswirkungen auf den Verkehr.
05. Dezember 2018, 17:06 Uhr

100000 Fahrzeuge – so viele werden laut Verkehrsprognose die Autobahn 45 zwischen Gambacher Kreuz und Gießener Südkreuz im Jahr 2030 täglich nutzen. »Es ist der am stärksten beanspruchte Abschnitt auf der Autobahn 45«, sagte Marco Gräb, Leiter des Dezernats Planung und Bau A45 bei Hessen Mobil, beim Informationsabend am Dienstag im Langgönser Bürgerhauser vor rund 100 Zuhörern. Eine Autobahn mit vier Spuren wäre dafür zu schmal, zudem kämpfen die Brücken bereits heute mit dem gestiegenen Lastwagenverkehr. Die Bundesrepublik Deutschland hat darum Hessen Mobil mit dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn 45 bis zur hessischen Landesgrenze beauftragt. 22 Brücken müssen dabei neu gebaut werden – eine von ihnen ist die Talbrücke Langgöns.

»Es ist auch einer der teuersten Abschnitte, die wir in der Planung haben«, sagte Gräb. Derzeit kalkuliert man mit 96 Millionen Euro Baukosten für den fünf Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Gambacher Kreuz und dem Parkplatz Hardt. Allein 40 Millionen werden auf den Neubau der Talbrücke Langgöns entfallen. Eigentlich handelt es sich hierbei um zwei nebeneinander verlaufende Brücken – pro Fahrtrichtung eine. Samuel Freund, Leiter technische Planung, erklärte den Ablauf des Neubaus: Zunächst wird die Brücke in Fahrtrichtung Dortmund abgebrochen und neu errichtet. Hoffnungen auf eine spektakuläre Sprengung erteilte Gräb zunächst eine Absage: »Das ist ein hohes Risiko, wenn Sie neben einer alten Brücke sprengen.« Der Abbruch werde vermutlich von einem Traggerüst aus stückweise erfolgen.

+++ Was der A 45-Ausbau für die Langgönser bedeutet

Die neue Brücke soll weniger Pfeiler als die derzeitige haben. »Das wirkt optisch gefälliger«, sagte Freund. Der Neubau wird mit maximal 30 Metern Höhe auf 490 Metern Länge das Tal überspannen. Er rückt rund sechs Meter Richtung Osten. Der Überbau der Brücke – eine sogenannte Spannbetonhohlkastenkonstruktion wird die Fahrbahnen tragen – wird rund vier Meter hoch sein. Darauf kommt dann noch eine 4,50 Meter hohe Lärmschutzwand oben drauf.

Es ist der am stärksten beanspruchte Abschnitt auf der Autobahn 45

Marco Gräb, Hessen Mobil

Während des Neubaus der östlichen Talbrücke werden die vier Spuren der Autobahn über die westliche Brücke (Richtung Hanau) geführt, erklärte Freund weiter. Dieser Bauabschnitt werde voraussichtlich zwei Jahre dauern. Dann ziehen die Fahrspuren auf die neue Brücke um, während nun die Brücke auf der Lang-Gönser Seite abgerissen und neu gebaut wird. Nach weiteren zwei Jahren soll auch diese Brücke inklusive Lärmschutzwand fertig sein. Ein Wehmutstropfen für die Langgönser, die auf einen Bau in umgekehrter Reihenfolge gehofft hatten – denn dann wäre die Lärmschutzwand bereits zwei Jahre früher da. »Die Brücke in Fahrtrichtung Dortmund ist zu schmal, hier passen keine vier Spuren nebeneinander«, erklärte Freund, warum dies nicht möglich ist.

Doch nicht nur an der Talbrücke, sondern auch im weiteren Verlauf wartet viel Arbeit auf die Bauarbeiter. Zwischen dem Parkplatz Hardtwald und dem Gambacher Kreuz wird die Autobahn durchgehend von vier auf sechs Spuren erweitert. Das bedeutet auch, dass sie bis zu sechs Meter breiter wird. Dafür wird teils die Böschung abgetragen, an anderer Stelle der Damm der Autobahn verbreitert. Die Brücke der Landesstraße zwischen Leihgestern und Lang-Göns ist für den Ausbau zu schmal. Rund ein Jahr wird es dauern, sie abzureißen und neu zu errichten. In dieser Zeit ist die Landesstraße voll gesperrt.

Die Feldwegbrücke zwischen Talbrücke und Landesstraße wird hingegen ersatzlos wegfallen. Stattdessen soll der Weg zu den Aussiedlerhöfen in Zukunft einen Bogen machen und unterhalb der neuen Talbrücke durchführen. In der Pohlheimer Gemarkung bei Holzheim werden zwei Unterführungen neu gebaut.

Bis die A45 sechsspurig wird, dauert es jedoch noch einige Zeit: »Die Jahre 2019 und 2020 werden ins Land gehen, ohne das ein Bagger anrückt«, sagte Gräb. Zunächst findet erst das Planfeststellungsverfahren statt. Je nachdem, wie viele Einwendungen hier eingereicht werden, kann sich das Verfahren verzögern. »Es wird viel darüber geschimpft, dass in Deutschland Bürokratie kompliziert ist«, sagte Gräb. »Aber das ist der Unterschied zu China: Hier werden die Menschen gefragt und können ihre Sorgen vortragen.«

Wenn dann um das Jahr 2025 dieser Bauabschnitt abgeschlossen ist, wartet auf die Autofahrer der nächste dicke Brocken: Dann steht der Umbau des Gießener Südkreuzes bevor. Auch hier soll die A45 sechsspurig, die Auf- und Abfahrten zudem leistungsfähiger werden. Der Langgönser Bürgermeister Horst Röhrig sagte: »Für die nächsten zehn Jahre ist die A45 Baustelle.«

Info

Haselmaus zieht um

Beim Ausbau der Autobahn 45 spielt der Naturschutz eine große Rolle. In der alten Talbrücke leben Fledermäuse, auf den Böschungen bei Holzheim Zauneidechsen, im gesamten Baubereich Haselmäuse und Feldhamster. Für die Fledermäuse werden Ersatzquartiere geschaffen, die Holzheimer Haselmäuse nach Wetzlar umgesiedelt, erläuterte Harald Keller von der Unterabteilung Landespflege bei Hessen Mobil.

Um die Gewässer in Zukunft zu schonen, werden t drei neue Regenrückhaltebecken gebaut. Sie dienen nicht nur dazu, das Niederschlagswasser der Autobahn aufzufangen, sondern dieses auch zu reinigen: Öl und andere Stoffe werden in ihnen abgeschieden, sollen so nicht mehr direkt in die Bäche laufen. (pad)

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