14. Februar 2019, 22:11 Uhr

Swimmingpool als Müllhalde missbraucht

14. Februar 2019, 22:11 Uhr

»Das Kind ist eh in den Brunnen gefallen – ähm, in den Pool.« Klaus-Peter Kreuder (Grüne), Vorsitzender des Bauausschusses von Grünbergs Stadtparlament, nahm’s mit Humor. Und stimmte am Ende, wie alle seine Kollegen, für die Magistratsvorlage. Danach werden 105 000 Euro für den Abriss der alten Hotelanlage in Reinhardshain nachbewilligt.

Wie von dieser Zeitung berichtet, verteuert der Fund schadstoffbelasteter Baustoffe, darunter auch asbesthaltige, die Sache. Erheblich. Dieser Teil der »Einstandskosten« für geplantes kleines Baugebiet liegen aktuell bei 293 000 Euro. Fürs Erste, denn nicht alle Rechnungen sind bereits gestellt. Und auch wenn Regressansprüche an Vorbesitzer und Gutachter geprüft werden – die Stadt wird einen hohen Preis bezahlen müssen, wird die Kosten nicht auf die Häuslebauer umlegen können. Bürgermeister Frank Ide erläuterte am Mittwochabend im Ausschuss: »Dass wir drauflegen, wissen wir bei diesem Baugebiet schon vorher.«

Um auf den Pool zurückzukommen: Wie Ide nun offenlegte, wurde der erst beim Abtragen des Bodens im Garten gefunden, der »historische Vorbesitzer« (nicht der Verkäufer) hatte das Becken verfüllt. Wie sich beim Ausbaggern zeigen sollte, handelt es sich um »einige Tonnen eines Boden-Müll-Gemischs«. Darunter asbesthaltige Eternit-Platten.

An diesem Punkt zog die Verwaltung die Reißleine, die Entsorgung wurde neu ausgeschrieben. Kosten? »Die Tonne 500 Euro«, wusste Ausschussmitglied Jürgen Biedenkapp (CDU).

Wasserleitung gekappt

Wesentlicher Diskussionspunkt im Fachausschuss war erwartungsgemäß diese Frage: Warum wurden Schadstoffe erst so spät entdeckt, die Gebäude nicht vor dem Abriss genauer unter die Lupe genommen?

Wie Ide erklärte, seien auch die belasteten Baustoffe im Gebäude selbst – Bodenfliesen mit asbesthaltigem Kleber oder Heraklit-Platten – erst im Zuge der Arbeiten entdeckt worden, seien diese Stoffe teilweise auch nicht zu erkennen gewesen. Bei Feststellung des Malheurs seien die Gebäude bereits zur Hälfte niedergelegt gewesen. Nach dem Baustopp stellte sich da die Frage: »Ziehen wir es durch?« Was der Magistrat bejahte. Laut Ide damals noch in der – später enttäuschten – Hoffnung, nach Abschluss der Erschließung die Mehrkosten beim Baulandverkauf draufzuschlagen.

Wie der Verwaltungschef im Weiteren betonte, sei gemäß den Vorgaben des RP sehr wohl vor dem Abriss eine Schadstoffuntersuchung in Auftrag gegeben worden. Der Gutachter freilich sollte sein Augenmerk auf den Schutt und Müll richten, der sich in den Zimmern auftürmte. Ide: »Im Prinzip hätten wir ihn nach der Räumung nochmal reinschicken müssen, um Wände und Decken zu beproben.«

Dass der Gutachter trotz der Vermüllung eine Bodenplatte anheben oder eine Deckenplatte hätte anbohren können, entgegneten Sprecher von SPD und CDU. Ihr Fazit laute »schlampige Arbeit«, was Regressforderungen rechtfertige. Die Erfolgsaussichten schätzte Ide gering ein, sagte aber die Prüfung zu. Was die Ansprüche an den Vorbesitzer betrifft, ist damit bereits der Justiziar des Städte- und Gemeindebundes beauftragt worden. Die Stadt setzt hier auf Klauseln im Kaufvertrag, hofft auf die Pflicht, »versteckte Mängel« offenzulegen. Doch angesichts von insgesamt drei Besitzern warnte Grünbergs Rathauschef auch hier vor allzu großen Hoffnungen.

»Jede Sitzung hat ihre unangenehmen Punkte«, hatte er seinen Sachstandsbericht eingeleitet. Als weiteren nannte er am Ende diesen: Bei den Arbeiten wurde eine übers Hotelgrundstück geführte Wasserleitung gekappt, die die Nachbarn versorgt. Die Leitung war über einen Öltank hinweg geführt worden »Laut Plan sollte die daneben verlaufen.« Um mal was »Angenehmes« zu erwähnen: Der Öltank war leer.

»Auch wenn wir schon früher von den Schadstoffen gewusst hätten«, so Ides Fazit, »an den Mehrkosten von 80 000 bis 90 000 Euro hätte das nichts geändert. Am Ende ist man immer schlauer«. Und grundsätzlich sei zu fragen, was der Stadt die Beseitigung eines jahrzehntealten Schandflecks und die Deckung der Nachfrage nach Bauplätzen wert sei. Zumal man mit dem Ziehen des Vorkaufsrechts auch den Plan des Eigners verhindert habe, das Hotel zu sanieren und als Unterkunft für »Baukolonnen« zu nutzen.

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