03. Juli 2018, 05:00 Uhr

Startup

So will ein Hungener den heimischen Einzelhandel retten

Der Existenzgründer Uwe Hoffmann will den Einzelhandel retten. Die Idee: Wer nach Waren sucht, erfährt über ein Onlineportal, in welchem Laden diese vor Ort zu kaufen sind. Es gibt aber eine Hürde.
03. Juli 2018, 05:00 Uhr

Von Stefan Schaal , 1 Kommentar
(Foto: dpa)

Das gute alte Kaufhaus kämpft ums Überleben. Wächst der Onlinehandel weiter wie bisher, droht bis 2020 jedem zehnten Geschäft die Schließung. Während immer mehr Menschen per Klick einkaufen, ruft ein Hungener Unternehmer ein Start-up mit einem klaren Ziel ins Leben: Uwe Hoffmann und sein Team wollen den heimischen Einzelhandel retten.

Wir wollen dabei helfen, dass heimische Händler einen Fußabdruck im Netz hinterlassen

Uwe Hoffmann

Die Geschäftsidee ist verheißungsvoll. Wer schwarze Turnschuhe »Samba« der Marke Adidas in Größe 42 beispielsweise in Linden sucht, gibt dies in Google ein – das Onlineportal youbuyda.de zeigt daraufhin an, in welchem Geschäft in der Nähe sie zu kaufen sind – und ob sie auch vorrätig sind. »Das ist ja eigentlich ein großer Vorteil des stationären Handels«, erklärt Hoffmann. »Online muss ich auf meine Bestellung ein bis zwei Tage warten. Wenn ich aber eine bestimmte Bohrmaschine sofort brauche und im Laden kaufen will, hilft mir das Portal.« 20 000 Menschen besuchen youbuyda.de bereits monatlich.

Storeplus nennt sich das Start-up. Geschäftsführer Hoffmann und sein Team entwickeln Software, die Lagersysteme von Marken und Geschäften organisiert, »idealerweise voll automatisiert mit Livedaten im Netz«. Gleichzeitig wollen sie erreichen, dass lokale Händler im Internet auch gefunden werden. Für einen kleinen Laden, ob in Grünberg, Fernwald oder Reiskirchen, sei es mit einem eigenen Onlineshop schwer möglich, bei der Google-Suche eines Produkts auf der ersten Ergebnisseite zu landen. Das Portal hingegen, das für den internationalen Markt entwickelt ist, sorge durch die Masse an Produkten und Marken für höhere Relevanz. »Ziel ist, dass unser Portal bei jeder Suche nach einem Produkt spätestens an dritter Stelle in Google auftaucht. Wir helfen, dass heimische Läden einen Fußabdruck im Netz hinterlassen.«

 

75.000 Händler bereits erfasst

Derzeit habe man 269 Marken erfasst. Man stehe mit den Firmen in Kontakt, könne auf deren Waren- und Lagersysteme zurückgreifen. »Wir haben eine Liste mit 75 000 Händlern.« Die Geschäfte können sich kostenlos bei youbuyda.de registrieren lassen. Soll Storeplus Produkte der Läden im System einpflegen, kostet dies jeden Händler zehn Euro im Monat.

Hoffmann und seine Mitarbeiter haben ihre Büros in Räumen der Firma Johannes Hübner in Gießen, die Existenzgründer unterstützt. So stellt man sich die Büros eines Start-ups vor: Junge Frauen und Männer sitzen an Computern, Designermöbel stehen in den Räumen – und ein Tischkicker. »Den haben wir noch nie benutzt«, beteuert Hoffmann. Der 44-Jährige sitzt nach vorne gebeugt. Seit vier Jahren bereits beschäftigt er sich mit dem Projekt, seine Augen leuchten, wenn er davon erzählt. »Meine Person ist nicht wichtig«, sagt er. Der Hungener ist kein typischer Jungunternehmer, der frisch von der Uni ein Start-up ins Leben ruft. Hoffmann ist gelernter Energieanlagenelektroniker, hat im Vertrieb mehrerer Unternehmen gearbeitet, war schon als Gastronom tätig.

 

Das »böse Internet«

Auf die Geschäftsidee kam er in einem Supermarkt, als er vor einem Tchibo-Regal stand. »Ein Bekannter hat dort gearbeitet. Mich hat irritiert, dass der Strandkorb nicht zu finden war, der online beworben wurde. Dass man überhaupt nicht weiß, was man in den Regalen findet.«

Alles, was im Laden liegt, soll durch youbuyda.de sichtbar werden. Allerdings gibt es Hürden. Hoffmann hält fest: »80 Prozent der Waren im heimischen Handel sind überhaupt nicht digitalisiert.« Viele Händler, die für das Onlineportal die Rohdaten liefern müssten, verzichten noch auf Lagersysteme und professionelle Software mit Onlineanbindung. Geschäfte greifen außerdem auf sehr unterschiedliche Programme zurück. »Das sind durchaus Herausforderungen.«

Teresa Walter, für das Marketing zuständig, erklärt, viele Einzelhändler schimpfen auf das »böse Internet«. Mehrere Ladeninhaber hätten den Vorteil von youbuyda.de allerdings noch nicht verstanden. Hoffmann und sein Team informieren derzeit Kommunen im Kreis über das Start-up, um Bürgermeister der Region – und in der Folge auch lokale Händler – für die Idee zu gewinnen.

 

Internet soll keine Konkurrenz sein

Fünf fest angestellte Mitarbeiter hat Storeplus, neun Studenten sind zudem für das Unternehmen tätig. Für den Kofferhersteller Samsonite und die Firma Eterna hat das Unternehmen bereits Lagersysteme entwickelt, mit denen lokale Geschäfte verbunden sind. Es gehe darum, das Internet und lokale Händler nicht als Konkurrenz gegenüberzustellen, sondern zu verbinden, betont Hoffmann. Im Autohandel funktioniere das schon. »Vor vier Jahren waren Leute noch zwölfmal in einem Autohaus, bevor sie sich entschlossen haben, einen Wagen zu kaufen. Heute besuchen sie das Autohaus nur noch dreimal vor dem Kauf. Weil sie sich online informieren.« Hoffmann ist überzeugt: Dies müsse auch für kleine heimische Händler gelingen.

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