28. Juni 2018, 18:26 Uhr

Bosch

So will der Betriebsrat 63 Bosch-Arbeitsplätze in Lollar retten

Bosch verkauft immer weniger Blockheizkraftwerke. Das Geschäft läuft so schlecht, dass in Lollar jede dritte Stelle in der Sparte abgebaut werden soll. Der Betriebsrat wehrt sich dagegen.
28. Juni 2018, 18:26 Uhr
Stefan Sachs (l.), Erster Bevollmächtigter der IG Metall, und Roman Butz, Vorsitzender des Betriebsrats (neben Sachs), fordern von der Unternehmensleitung, ein Konzept für die Zukunft der Blockheizkraftwerk-Sparte umzusetzen, um Arbeitsplätze zu retten. (Foto. srs)

Mit nachdenklichen Blicken traten Mitarbeiter der Sparte für Blockheizkraftwere bei Bosch am Donnerstagmorgen auf den Platz vor das Werkstor. An einem Stand der IG Metall gab es Gulaschsuppe. »Mmh, südkoreanisch«, witzelte einer. Doch in den meisten Gesichtern war vor allem Entschlossenheit zu lesen – und das Bewusstsein: Es steht viel auf dem Spiel. Fast jeder dritte Arbeitsplatz in der Sparte – 63 von 207 – soll in Lollar abgebaut werden.

Bosch und wir als Arbeitnehmer sind verdammt wichtig für die Region

Roman Butz, Betriebsrat

Anfang des Jahres hat die Unternehmensleitung die geplante Kürzung bekanntgegeben. Seit wenigen Wochen laufen Gespräche zwischen der Unternehmensleitung und dem Betriebsrat. Die Atmosphäre sei gut und respektvoll, heißt es vonseiten der Arbeitgeber. Roman Butz, Vorsitzender des Betriebsrats, erklärte am Donnerstag im Rahmen einer von der IG Metall organisierten Kundgebung unterdessen: »Wir fühlen uns nicht ernst genommen.«

Der Betriebsrat hat Sachverständige eingeschaltet und ein Konzept erarbeitet, um die gefährdeten Arbeitsplätze zu retten und um Ideen für die Zukunft der Sparte zu sammeln. »Die Unternehmensleitung hat uns gesagt, dass sie elf von 24 Punkten in dem Papier zustimmt. Aber inhaltlich wollen sie auf das Konzept nicht eingehen.« Butz betont: »Das stößt uns bitter auf. Dabei geht es um unsere Zukunft.« Die Ablehnung der Vorschläge sei »nicht akzeptabel.«

 

Vertrieb soll gestärkt werden

Auch Stefan Sachs, Erster Bevollmächtigter der IG Metall und gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender von Bosch Thermotechnik, hielt am Donnerstag fest: »Wir sind keine Hasardeure. Wir sind keine Belegschaft, die von Streik zu Streik wandert. Wir wollen ernst genommen werden.«

Eine zentrale Forderung des Betriebsrats ist, die Vertriebsabteilung zu stärken. Dort sei derzeit kaum technische Kompetenz angesiedelt, erklärt Butz. »Wir verkaufen hoch komplexe Produkte.« Das Personal im Vertrieb müsse daher technisch geschult werden. »Wir haben ein gutes Produkt, brauchen aber mehr Schlagkraft im Vertrieb«, sagt Butz. Der Betriebsrat sehe ohne ein Umlenken auch die restlichen Arbeitsplätze der Sparte gefährdet. »Wir müssen sie dauerhaft sichern.«

 

Weiterer Rückgang erwartet

In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Geschäftsführung hält der Betriebsrat außerdem fest: »Hände weg von unseren Arbeitsplätzen.«

Bosch ist 2010 in Lollar in das Geschäft mit Blockhheizkraftwerken eingestiegen, mit der Übernahme der Köhler & Ziegler Anlagentechnik GmbH. Daraus wurde Bosch KWK Systeme (Kraft-Wärme-Kopplung). Unter anderem wurden Anlagen für die Stadtwerke Gießen hergestellt. Vor wenigen Jahren noch galten Blockheizkraftwerke als wichtiger Baustein der Energiewende, das Geschäft als Wachstumsmarkt. Doch inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert. Ursprünglich waren Betreiber dieser Kleinkraftwerke von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz teils befreit, doch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, seitdem ist der Markt rückläufig. »Wir erwarten für 2018 einen weiteren Rückgang«, sagt Thomas Pelizaeus, Sprecher von Bosch Thermotechnik.

 

Betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen

Die Produktion der Blockheizkraftwerke soll daher in das wenige hundert Meter entfernt liegende Werk der Bosch Thermotechnik GmbH verlagert werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien derweil ausgeschlossen. Den Mitarbeitern, die ihre Stellen verlieren, sollen Jobs in Schwesterwerken in Mittelhessen angeboten werden.

Außerdem plant Bosch, das Produktsortiment in der Sparte zu verkleinern, um Kosten in der Fertigung zu sparen. Der Betriebsrat kritisiert: »Übrig bleibt dann standardisierte Katalogware.« Butz betont, so gehe die Kompetenz der Ziegler GmbH, in die Bosch einst investiert hat, endgültig verloren. Immerhin in einem Punkt sind sich Unternehmensleitung und Betriebsrat einig, Butz bringt es auf den Punkt: »Wir sind verdammt wichtig für die Region.«

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