09. Juli 2018, 05:00 Uhr

Bahnarbeiten

So waren die schlaflosen Nächte in Langgöns

Rund um die Uhr wurde am Wochenende entlang der Bahnstrecke gebaut. Die Bahn bot den Anwohnern an, in ein Hotel zu ziehen. Nicht alle nahmen das wahr. Manche bereuten ihre Entscheidung.
09. Juli 2018, 05:00 Uhr
Die Schlagramme wird in Position gebracht. Anschließend ist der Lärm ohrenbetäubend. (Fotos: con)

"Gestern Nacht sind wir zu Hause geblieben – aber heute Nacht ziehen wir wohl ins Hotel«, sagt der junge Mann, der am Samstagnachmittag kurz vor der Absperrung am Fasenenweg in Langgöns steht. Auf der nahen Baustelle laufen die Arbeiten seit Freitagnacht auf Hochtouren. Der Mann wohnt nur einige Häuser entfernt. Es ist gerade ein paar Minuten ruhig. Doch kurz nach seinen Worten setzt der Lärm wieder ein.

Ohrenbetäubend laut ist es, als eine stählerne Spundwand im Boden versenkt wird. Die genaue Lautstärke? Schwer einzuschätzen – irgendwo auf dem Niveau eines Musikfestivals, als stünde man direkt vor den Lautsprechern. In einem Umkreis von dreißig Metern ist jedenfalls kein Gespräch mehr möglich. Zentimeter für Zentimeter versinkt die stählerne Spundwand im Boden – von einer Vibrationsramme in den Bahndamm gepresst.

 

Dringend notwendige Sanierung

 

Wer hier nur ein paar Minuten verweilt, für den ist das durchaus ein spannendes Spektakel. Für die Anwohner dagegen sind es Tage und Nächte mit Lärm und ohne Schlaf. Doch die Bahnunterführung am Fasanenweg ist dringend sanierungsbedürftig, sie stammt aus dem Jahr 1850.

Während der Bauzeit soll der Bahnverkehr über die Hilfsbrücke laufen. (Foto: con)
Während der Bauzeit soll der Bahnverkehr über die Hilfsbrücke laufen. (Foto: con)

Der Fußgängerweg soll ausgebaut und die Durchfahrtshöhe erhöht werden. Die Wagen der Müllabfuhr und auch große Feuerwehrfahrzeuge werden künftig hier durchkommen. Es ist ein Arbeiten in mehreren Akten. An diesem Wochenende war das erste Gleis dran, am kommenden das zweite. Eine Hilfsbrücke wird zudem gesetzt, die den Bahnverkehr während der Bauzeit ermöglichen soll. Danach können die Abbrucharbeiten beginnen. Bis Anfang 2019 wird das alles noch dauern.

 

Angebot der Bahn

 

Die Bahn hat den Anwohnern angeboten, das Wochenende im Hotel zu verbringen. Es gibt durchaus welche, die sich dafür entschieden haben. Andere wiederum bleiben zu Hause. Nächte mit Lärm? Der Boden habe bei ihnen zwar gewackelt, erzählt eine Frau aus der nahe gelegenen Anne-Frank-Straße. »Aber ich habe mir das alles schlimmer vorgestellt«. Vielleicht sei es auch nur eine Frage der Einstellung, sagt sie noch.

Der Krach samstags tagsüber sollte aber erst der Anfang sein: In der Nacht zum Sonntag fangen die Arbeiten mit den Schlagrammen an. Mit rhythmischen Schlägen werden die Spundwände mehrere Meter tief in den Boden versenkt. Immer wieder muss die Ramme neu positioniert werden, immer wieder werden die Stahlteile in den Boden gedrückt. Wer jetzt ungestört schlummern kann, hat entweder einen beneidenswerten Tiefschlaf oder aber exzellent funktionierende Oropax.

 

Bei mir wackeln die Schränke und Fenster

Eine Anwohnerin

 

Selbst zu weit vorgerückter Stunde kommen Menschen zur Baustelle und schauen nach den Arbeiten. »Bei mir wackeln die Schränke und Fenster«, berichtet eine Anwohnerin. Ein Mann erzählt, dass er auf seinem Balkon eine Lautstärke von 72 Dezibel gemessen habe – an sich ist das nichts Außergewöhnliches, es ist in etwa so laut wie starker Verkehrslärm. Wären da nicht die Infraschallwellen, die die Fenster erzittern lassen. Die Erschütterungen, das erzählen viele, sind vor allem innerhalb der Gebäude zu spüren.

Doch die meisten haben Verständnis für den Lärm – oder finden zumindest die Informationspolitik der Deutschen Bahn zufriedenstellend: »Wir wurden ja informiert und haben auch das Angebot bekommen, in ein Hotel zu ziehen – aber wir wollten ja nicht«, dieser Satz ist so oder in Variationen gleich mehrfach zu hören. Aber auch dieser: »Wenn es nächstes Wochenende weitergeht, gehe ich dann doch lieber ins Hotel«.

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