09. Juni 2018, 08:00 Uhr

Schuljubiläum

So steht die Allendorfer Gesamtschule nach 50 Jahren da

Seit drei Jahren ist die Gesamtschule Lumdatal ein Standort der CBES in Lollar. Die »GSL« ist noch überschaubarer geworden, das birgt Vor- und Nachteile. Eine Standortbestimmung zum 50. Geburtstag.
09. Juni 2018, 08:00 Uhr

Von Jonas Wissner , 1 Kommentar
Das wäre bei früheren Schülerzahlen eng geworden: Gruppenfoto zum 50. Geburtstag der Allendorfer Gesamtschule. (Foto: pm)

Kaum eine Schule im Landkreis ist aussichtsreicher – zumindest im wörtlichen Sinn. Die Lage am Ziegenberg, den Wald im Rücken und Allendorf zu Füßen, ist sehenswert und ruhig wie vor 50 Jahren.

Funktional und (damals) modern: Die Allendorfer Gesamtschule im Jahr 1968. (Foto: Archiv)
Funktional und (damals) modern: Die Allendorfer Gesamtschule im Jahr 1968. (Foto: Archiv)

In anderer Hinsicht waren die Aussichten der im Umbruchjahr 1968 eröffneten Gesamtschule schon mal besser: Über Jahre hinweg hatten stets deutlich über 600 junge Menschen die Schule besucht. Weil die Zahlen in jüngerer Vergangenheit aber mehr und mehr gesunken waren, verlor die Gesamtschule Lumdatal zum Schuljahr 2015/2016 ihre Eigenständigkeit.

 

Von der Schule zum "Schulstandort"

Seither ist sie offiziell eine Zweigstelle der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) in Lollar, obwohl bis heute die Wörter »Gesamtschule Lumdatal« stolz am Haupteingang prangen.

Ralf Achenbach sitzt entspannt in seinem hellen Büro. Durch das große Fenster hat er den mittleren Schulhof im Blick, den »Eulenhof« samt dreier steinernder Eulen als Symbole der Weisheit.

»Als wir zu Lollar gekommen sind, haben wir gesagt: ›Okay, dann ist das so‹«, blickt der Standortleiter zurück. Anders als seine Vorgänger darf er sich nicht mehr Schulleiter nennen.

Daran, dass wir jetzt eins mit Lollar sind, musste man sich erst gewöhnen

Ralf Achenbach, Leiter des Schulstandorts

Der Zusammenschluss sei eine Entscheidung der Politik gewesen. »Für unseren Standort hat sich nicht viel geändert«, sagt Achenbach, der seit 2000 Lehrer in Allendorf ist, »aber daran, dass wir jetzt eins mit Lollar sind, musste man sich erst gewöhnen«.

Das System sei größer geworden, die alltägliche Planung mitunter komplizierter. Ein Beispiel: »Mit den Stundenplänen ist es nun schwieriger – die müssen erst in Lollar gemacht werden«, dann ziehe Allendorf nach.

Weitere Veränderungen stehen im kommenden Schuljahr an. Die Gesamtkonferenzen, in denen auch Eltern und Schüler vertreten sind, sollen gemeinsam mit der CBES stattfinden. Außerdem ist eine gemeinsame Schülervertretung geplant.

 

Es ist ruhiger geworden

Wer die idyllisch gelegene Schule vor 15 Jahren erlebt hat, spürt den Wandel. In den Pausen herrscht noch immer reges Treiben auf den Höfen und den durch Brücken verbundenen Gebäuden. Doch es ist ruhiger geworden.

Eine Gesamtschule mit Förderstufe, Gymnasial-, Realschul- und Hauptschulzweig, aber nur rund 250 Schülern in sechs Jahrgängen – das ist eine herausfordernde Besonderheit.

Der einzig verbliebene Physiklehrer geht nun in Pension. Achenbach ist froh, dass er einen jungen Kollegen als Nachfolger gewinnen konnte. Selbstverständlich war das nicht. Gerade in der Frage der Unterrichtsgewährleistung habe die Kooperation mit Lollar Vorteile. Bei Engpässen können nun Kollegen von der CBES aushelfen, aber das soll kein Regelfall werden.

 

Überaus übersichtlich

Allerdings, gebe es die Möglichkeit, als Lehrer für ein, zwei Jahre an den Schwesterstandort zu wechseln. Der Unterricht findet für Allendorfer Schüler nach wie vor komplett am Standort statt. Pendeln ist nicht vorgesehen, Lollar immerhin zehn Kilometer entfernt. »Da geht zu viel Fahrtzeit drauf«, sagt der Standortleiter.

Mitunter erzwingt die geringe Schülerzahl kreative Lösungen. Wenn etwa der Haupt- und Realschulzweig in einem Jahrgang zu klein für getrennte Klassen ist, können »Kombi-Klassen« gebildet und Nebenfächer gemeinsam unterrichtet werden.

Achenbach betont die Vorteile der überaus übersichtlichen Schulgemeinde: »Die Kollegen kennen jeden Schüler.« Jennifer Wießner, Mitglied der Schülervertretung, pflichtet ihm bei: »Es hat sich hier von Anfang an heimelich und sehr familiär angefühlt.« Dass sie als Treiserin seit der fünften Klasse in Allendorf statt in Lollar zur Schule geht, bereut sie nicht.

 

Talsohle durchschritten?

Die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Renate Becker, verweist auf den Vorteil kurzer Wege für die Kinder. Das Niveau des Unterrichts sei gut, auf weiterführenden Schulen hätten Abgänger aus Allendorf in aller Regel keine Probleme.

Wie zahlreiche andere öffentliche Einrichtungen im Kreis wurde auch die "Mittelpunktschule" in Allendorf 1968 eröffnet. (Foto: Archiv)
Wie zahlreiche andere öffentliche Einrichtungen im Kreis wurde auch die "Mittelpunktschule...

Eine volle Auslastung der für bis zu 800 Schülern errichteten Gebäude wird es wohl nicht mehr geben. Doch Achenbach hofft, dass die Talsohle in Sachen Schülerzahlen durchschritten ist. Nach den Ferien werden 265 Schüler den Standort besuchen, 15 mehr als momentan.

Damit dieses leichte Plus keine Eintagsfliege bleibt, muss die »GSL« im Wettbewerb mit Konkurrenten punkten – der Theo-Koch-Schule in Grünberg, den Gießener Schulen und auch der Schwesterschule in Lollar. »Die Eltern wollen mehr wissen als früher«, bekundet Achenbach. Daher werbe man gezielt um Kinder, die von Grundschulen im Einzugsgebiet abgehen.

 

Partnerschule hat sich einen anderen Partner gesucht

Manch feste Größe im Allendorfer Schuljahr ist inzwischen Geschichte. Den Schüleraustausch mit der Allendorfer Partnerstadt Nouvion-sur-Meuse, über Jahrzehnte eine prägende Erfahrung für Französischlernende im Lumdatal, gibt es nicht mehr.

»Nouvion hatte einen erweiterten Bedarf an Austauschschülern«, sei sich inzwischen mit einer anderen deutschen Schule einig geworden, sagt Achenbacht. Die Allendorfer Schule ist der Partnerstadt zu klein geworden.

Dafür können Jugendliche in Allendorf inzwischen auch Spanisch als dritte Fremdsprache lernen. Und nach dem zwischenzeitlichen Aus feiert die Schulband nach der Premiere 2002 nun ein Comeback.

Die GSL blickt mir gemischten Gefühlen in die Zukunft. Aber die Aussicht ist immer noch einmalig.

Info

Die Geschichte der Gesamtschule Lumdatal

Wie zahlreiche andere öffentliche Einrichtungen im Landkreis wurde die Schule 1968 eingeweiht. Auch der damalige Ministerpräsident Georg-August Zinn reiste an. Als »Mittelpunktschule« war und ist die »GSL« für Schüler aus den Kommunen Allendorf (Lumda) und Rabenau sowie aus dem Staufenberger Stadtteil Treis zuständig. 1970 etablierte die Schule als erste im Kreis die Fünf-Tage-Woche. Seit 1972 gibt es die Förderstufe, in der bis auf getrennte Kurse in Mathematik und Englisch im Klassenverbund unterrichtet wird. 1976 kam zum Haupt- und Realschulzweig der Gymnasialzweig bis zur zehnten Klasse hinzu. Aufgrund massiv gesunkener Schülerzahlen verlor die GSL 2015 ihre Eigenständigkeit und ist seither ein Standort der CBES in Lollar. (pm/jwr)

Info

Jubiläumsfeier am Samstag, 09.06.

Am heutigen Samstag feiert die Schulgemeinde das 50-jährige Jubiläum der »GSL«. Vormittags steht ein Festakt mit Grußworten auf dem Programm. Ab 14 Uhr findet ein Schulfest mit Stationen zum Mitmachen, einer Feuerwehrübung und mehr statt. Ab 15 Uhr sind Absolventen, Lehrer und Mitarbeiter zu einem Ehemaligen-Treffen im Allendorfer Bürgerhaus eingeladen. (pm/jwr)

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