16. April 2019, 05:00 Uhr

Ulrich Lenz

So ärgert sich Lindens Ehrenbürgermeister über den Abgang von Klarna

Der Lindener Ehrenbürgermeister Ulrich Lenz feiert seinen 75. Geburtstag. Für klare Worte und eine geradlinige Haltung ist er bekannt. Auch zum Abgang des Unternehmens Klarna hat er etwas zu sagen.
16. April 2019, 05:00 Uhr
Lenz sorgte dafür, dass sich seit den 80er Jahren zahlreiche Unternehmen im Gewerbegebiet Lückebachtal ansiedelten. (Foto: pad)

Hoch im Norden schwingt Lindens Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz derzeit den Golfschläger, unternimmt Spaziergänge am Strand – und stößt am heutigen Dienstag mit seiner Frau Karin sowie Familie und Freunden auf ein rundes Jubiläum an. Lenz feiert seinen 75. Geburtstag im Urlaub auf Usedom.

Sechs Jahre ist es inzwischen her, dass er das Zepter nach 36 Jahren als Rathauschef an seinen Nachfolger Jörg König übergeben hat. Zur Ruhe hat sich Lenz indes längst nicht gesetzt. Er sitzt für die CDU-Fraktion weiter im Lindener Stadtparlament und gehört dem Kreistag an. Selten meldet er sich in den Parlamenten zu Wort. Der 75-Jährige ist einer, der im Hintergrund die Fäden zieht und Gespräche führt – dann allerdings immer mit deutlichen Worten und klarer Haltung. »So geradlinig, dass es manchmal schon wehtut«: So charakterisierte der frühere Regierungspräsident Dr. Lars Witteck einst den Jubilar.

Dr. Ulrich Lenz (Foto: age)
Dr. Ulrich Lenz (Foto: age)

Auch zum Abgang der Unternehmen Klarna und Computech aus Linden in Richtung Gießen hat Lenz etwas zu sagen. Seinen Nachfolger wolle er wohlgemerkt nicht kritisieren. Sein Ärger über den Abschied der beiden Firmen ist aber deutlich zu spüren, wenn man sich mit dem Ehrenbürgermeister unterhält. »Es tut weh«, sagt er.

 

Ärger über Abschied von Klarna

König hatte erklärt, für die wachsenden Unternehmen könne man auf die Schnelle schwerlich zusätzlichen Platz schaffen. Da stellt sich die Frage: Welche Macht hat ein Bürgermeister eigentlich? »Viel«, betont Lenz. Und fügt hinzu: »Wenn er sich kümmert und sich die Sohlen abläuft.«

In seinen 36 Jahren als Bürgermeister erarbeitete sich Lenz den Ruf als Macher. Leihgestern und Großen-Linden wuchsen unter seiner Führung enger zusammen. Und Lenz sorgte dafür, dass sich zahlreiche Unternehmen im Gewerbegebiet Lückebachtal ansiedelten.

 

Schnell reagiert bei Tucker

Dass die Stadt ihre Einnahmen aus der Gewerbesteuer auf inzwischen 13,4 Millionen Euro steigern konnte, ist im Besonderen ein Verdienst des 75-Jährigen. Den Grundstein legte das Unternehmen Metro, das Anfang der 1980er Jahre in Linden mit einer Filiale startete. »Wir haben dann als Stadt gezeigt, dass wir ein verlässlicher Partner sind«, hält Lenz fest. Die Firma Tucker habe einmal den Standort in Linden verlassen wollen, erzählt er. »Wir haben schnell reagiert und haben den Bebauungsplan geändert. Wenig später waren dort Bauarbeiten möglich.«

Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein zeichnet den Jubilar aus – wie allerdings auch Selbstironie. Vor seiner Verabschiedung als Rathauschef antwortete der leidenschaftliche Radfahrer auf die Frage nach seiner Jahresleistung auf dem Fahrrad kurz und knapp: »Vergleichbar mit meiner Leistung als Bürgermeister.«

 

Aktiv in zahlreichen Vereinen

Langeweile ist dem gebürtigen Harbacher auch im Ruhestand fremd. Mit dem Rad ist er häufig in den beiden Lindener Stadtteilen unterwegs. »Auch um Leute zu treffen, mit ihnen im Gespräch zu bleiben.«

Aktiv ist er außerdem in zahlreichen heimischen Vereinen. Das größte Projekt verfolgt er derzeit im Förderverein Soziale Dienste, der die Schaffung eines Tages-Cafés beim Umbau des Lindener Seniorenzentrums unterstützt. »Bürger und Bewohner des Pflegeheims sollen sich dort begegnen«, hofft Lenz. Er und seine Mitstreiter haben für das Projekt die Werbetrommel gerührt – der Förderverein stellt nun 130 000 Euro zur Verfügung.

Am Herzen liegt Lenz außerdem die Pflege der Beziehungen mit der japanischen Partnerstadt. 1989 war er Mitgründer der Gesellschaft Linden-Warabi. »Ich bin 27 Jahre nicht mehr in Japan gewesen«, blickt er auf eine kürzliche Reise zurück. »Ich habe gute alte Freunde getroffen.« Derzeit bereitet er eine Reise im kommenden Jahr während der Zeit der Kirschblüte vor.

 

Entwicklungshilfe als Bürgermeister

Die Rolle und das Verantwortungsgefühl als Bürgermeister habe er durchaus schnell abgelegt, meint Lenz. Die Überdosis an Verwaltung habe ihn bisweilen auch genervt, räumt er ein. Am 17. Mai 1977 wurde Lenz in »Schaum’s Saal« zum ersten Bürgermeister der zum Jahresbeginn gegründeten Stadt Linden gewählt. Nach der Wahl musst er damals noch ein Entwicklungsprojekt in Senegal abschließen, bevor er sich in Linden an die Arbeit machte.

Auf die Frage, für welchen beruflichen Weg er sich entschieden hätte, wenn er nicht Bürgermeister in Linden geworden wäre, antwortet Lenz: »Dann wäre ich Entwicklungshelfer geworden – nicht hier, sondern in der weiten Welt.« Wobei, so ergänzt Lenz: »Ein Bürgermeister entwickelt auch.« (Foto: age)

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