05. September 2018, 22:13 Uhr

Senioren auf virtueller Fahrradtour rund um Hungen

05. September 2018, 22:13 Uhr
Helga Klauß, Milka Winterstein, Martina Beele-Peters und Thorsten Wick (v. l.) schauen Frieda Semmler zu, die den MemoMoto ausprobiert und gerade durch die Untertorstraße fährt.

Mit dem Rad hoch zum Hungener Schloss und über den Marktplatz zur Käsescheune, eine Runde um den Inheidener See drehen oder durch Dörfer wie Muschenheim fahren – das ist nun mit dem Gerät MemoMoto im Hungener Seniorenzentrum möglich. Denn Senioren, die sonst kaum mit dem Fahrrad diese Orte erreichen können, können nun die Plätze, die sie von früher kennen, virtuell erkunden.

Seit Kurzem hat das Seniorenzentrum einen Bewegungstrainer, bei dem auf einem Bildschirm reale Fahrradtouren gezeigt werden. Das Abfahren dieser Routen steht dabei in einem direkten Zusammenhang mit den Bewegungen des Benutzers. Ein Sensor am Oberschenkel übertragt die Bewegungen, die auf dem Standfahrrad erzeugt werden. Die Geschwindigkeit des Films richtet sich nach der Bewegungsgeschwindigkeit des Benutzers. Stoppt der Fahrer, stoppt auch der Film.

Die Idee selbst ist nicht neu. Dass die Bewohner jedoch Strecken aus der direkten Umgebung fahren können, ist nur möglich, weil Thorsten Wick von der Firma MemoMoto diese mit der Kamera abgefahren hat. Er hat die entsprechenden Aufnahmen dem Seniorenzentrum übergeben. Die vier Routen, die alle etwa 30 Minuten dauern und sechs bis sieben Kilometer umfassen, sind jeweils in drei Teilstrecken untergliedert. Sie führen von Hungen um den Inheidener See, von Hungen nach Villingen, von Kloster Arnsburg nach Langsdorf und von Nieder-Bessingen nach Lich. Bei der Auswahl stand Martina Beele-Peters vom Stadtmarketing Hungen beratend zur Seite.

Erinnerungen werden wach

Dass die Bewohner so virtuell an heimische Orte fahren können, die sie schon länger nicht mehr gesehen haben, kommt nicht nur bestens an, sondern sorgt auch für reichlich Gesprächsstoff. »Die Routen geben Anlass, Geschichten zu erzählen«, sagte Einrichtungsleiterin Helga Klauß. Gleichzeitig tragen die heimischen Strecken auch zur Motivation bei und die Senioren bewegen sich gerne. Und weil der MemoMoto den Bewohnern so viel Freude macht, stehen sie davor sozusagen Schlange, berichtet Milka Winterstein vom Sozialtherapeutischen Dienst.

»Die Strecken sind beliebig erweiterbar. Und auch beim Fußfahrrad muss es nicht bleiben«, sagte Wick. Man könne beispielsweise auch laufen oder einen Armtrainer benutzen. Möglich macht dies der Sensor, der die Bewegungen übermittelt. (Foto: pm)

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