28. Oktober 2018, 17:48 Uhr

Sein persönlichster Thriller

28. Oktober 2018, 17:48 Uhr

Sommer 1987. Auf dem Dachboden eines Bauernhauses wird ein Mädchen brutal ermordet. Ein 13-jähriger Junge schlägt sieben Mal mit einem Golfschläger auf seine Mitschülerin ein und richtet ein Blutbad an. Drei Jahrzehnte lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder…

Das ist die Ausgangslage des Thrillers »Bösland« von Bernhard Aichner – mit knapp 400 000 verkauften Büchern, über 200 Lesungen, internationalen Ausgaben in 16 Ländern und einer Fernsehserie in Vorbereitung, ist Aichner der bekannteste österreichische Krimiautor. Am Freitagabend war der Bestsellerautor im Rahmen des Gießener Krimifestivals zu Gast in Lollar. Vor rund 100 Zuhörern stellter er in der Mediathek der Clemens-Brentano-Europaschule seinen neusten und bisher persönlichsten Thriller vorzustellen. Und daneben gab er auch einen Einblick in sein Wirken als Autor.

»Die Freiheit eines Autors ist toll, man kann einfach alles machen«, erklärte Aichner am Freitag mit Blick auf seine Berufung und merkte augenzwinkernd an: »Ich kann einfach so viele Leute umbringen wie ich will und es passiert mir nichts – das ist schon cool«. Dabei war der erste Berufswunsch des Tirolers tatsächlich ein ganz anderer: »Ich wollte Pfarrer werden«.

Auch ansonsten hat Aichner eine bewegte Lebensgeschichte: Studium, Fotograf, Bestatter und noch mehr sind nur ein paar Stationen seines bisherigen Lebensweges. »Habe ich das richtig gehört, sie haben als Bestatter gearbeitet?«, kam als Frage aus dem Publikum. »Ja, als Praktikant – ich bin einfach vom Tod fasziniert und finde Friedhöfe toll«.

Die Idee zu »Bösland« kam ihm dabei ganz spontan im Traum. »Ich bin vor zwei Jahren mitten in der Nacht aufgewacht. Schweißgebadet, ich hatte fürchterlich geträumt«, berichtet Aichner. »Es war eine wahnsinnige Geschichte, in der ein kleiner Junge seine Freundin erschlägt, alles ganz plastisch. Es war wie ein Film, der vor mir ablief«.

Danach faszinierte ihn die Frage, was Kinder zu Mördern macht. Deshalb ging er der Thematik nach, recherchierte in Psychiatrien und an anderen Orten. Das Ergebnis seiner Recherchen kann man nun in seinem Roman lesen. Aber auch viele autobiografische Episoden haben es in sein jüngstes Werk geschafft: die Hauptfigur arbeitet nicht nur in einem Fotolabor wie Aichner selbst als 20-Jähriger – in einer Schlüsselszene verarbeitet der Autor eigene traumatische Erfahrungen, als er als junger Vater 2004 den Tsunami in Thailand knapp überlebte.

Im Gegensatz zu seinem ersten großen Erfolg, die »Totenfrau«-Trilogie, geht es in seinem neuen Thriller aber ruhiger zu. »Bösland« – das ist der Ort an dem die Hauptfigur des Romans als Kind von seinem Vater geschlagen wurde. Eine Umschreibung des Dachbodens im eigenen Zuhause. Als der Vater Selbstmord begeht, ist das ein tiefer Einschnitt ins Leben des einst misshandelten Jungen, der schließlich den Rest des Romans beeinflusst. »Immer wenn ich bei solchen Veranstaltungen bin und meine Texte lese, frage ich mich: Warum schreibst du solche wilden Sachen?«, fragt Aichner und gibt prompt die Antwort. »Das mache ich nur für euch«. Das Buch ist in viele erzählende Kapitel unterteilt. Aichner: »Ich liebe es einfach Dialoge zu schreiben«. (Foto: con)

Der Roman »Bösland« ist am 1. Oktober unter der ISBN 978-3-442-75638-41 erschienen und kostet 20 Euro.

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