31. August 2018, 22:16 Uhr

»Sehr empfehlenswert«

31. August 2018, 22:16 Uhr
Die Arbeit in den Charity Shops ist für die Schüler mit besonders positiven Erfahrungen verbunden. (Foto: pm)

Zum fünften Mal hatten Elftklässler der Clemens-Brentano-Europaschule in diesem Sommer die Möglichkeit, das für Ende der 11. Jahrgangsstufe vorgeschriebene Betriebspraktikum in Großbritannien abzuleisten. »Wir sind unglaublich stolz darauf, dass dieses Angebot ein fester Bestandteil unseres Schulprogramms geworden ist«, freuen sich Marie-Luise Schirra, Leiterin des sprachlich-künstlerischen Aufgabenfeldes an der CBES, und Philipp Schifferli, der das Projekt organisiert und die Praktikumsgruppen vor Ort betreut. »In unserer globalisierten Welt wird es immer wichtiger, Jugendliche möglichst früh mit den Arbeitsbedingungen in einem anderen europäischen Land vertraut zu machen.«

Dass sie ihre Schüler durch die Unterbringung in Charity Shops und als freiwillige Helfer an der Colchester High School außerdem für das Thema Wohltätigkeitsarbeit sensibilisieren konnten, das in den Bildungsinhalten der Oberstufe fest verankert ist, freut die Verantwortlichen ganz besonders. Bei den Charity Shops handelt es sich um Geschäfte, die von Wohltätigkeitsorganisationen unterschiedlicher Zielrichtungen zu gemeinnützigen Zwecken betrieben werden. Die Waren, die dort angeboten werden – Kleidung, Bücher, CDs, DVDs, oder etwa Haushaltsgegenstände und Kuriositäten – sind Spenden, die von freiwilligen Helfern sortiert, aufbereitet und schließlich zu günstigen Preisen verkauft werden, wobei der gesamte Erlös der jeweiligen Organisation zufließt.

Wie aber denken die Schüler, die sich vor ziemlich genau zwei Monaten gemeinsam mit ihrem Lehrer auf den Weg ins britische Städtchen Colchester (Grafschaft Essex) gemacht haben, nun zum Beginn des neuen Schuljahres rückblickend über ihre Begegnung mit einem ihnen vorher weitgehend unbekannten europäischen Land und den dortigen Arbeitsbedingungen?

Mit offenen Armen empfangen

Als die »große Chance, eine neue Kultur und neue Menschen kennenzulernen« bezeichnet Charlotte Boos ihre Erfahrung, und Pia Pavelic spricht von einer »mehr als nur empfehlenswerten« Unternehmung. Vor allem die Aufgeschlossenheit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Briten hat die Lollarer Schüler nachhaltig beeindruckt.

»Wir wurden mit offenen Armen empfangen und wenn wir irgendeine Frage oder ein Problem hatten, wurde uns immer geholfen«, erinnert sich Svenja Nowak, die sogar das Gefühl hat, »jetzt auch ein bisschen freundlicher zu sein als vorher«. »Selbst auf der Arbeit wurden wir morgens erst einmal gefragt, ob wir eine Tasse Tee möchten« fügt Jasmin Sandhu hinzu. In Erinnerung bleiben die gemeinsamen Freizeitaktivitäten – der Ausflug nach Cambridge, das Krabbenfischen am Strand oder die Mittagspausen im Schlosspark. Doch an erster Stelle der positiven Erinnerungen steht bei Schülern die Praktikumserfahrung selbst.

Insbesondere die herzliche und vertrauensvolle Atmosphäre an ihren Arbeitsplätzen hat sie in Erstaunen versetzt. »Meine Vorgesetzten übertrugen mir sehr schnell verantwortungsvolle Aufgaben«, freut sich Kardelen Dinc, und Jasmin Sandhu schwärmt: »Es gab keinen Morgen, an dem ich nicht motiviert zur Arbeit ging.« Gerade der besondere Charakter der Wohltätigkeitsarbeit hat die Jugendlichen nachhaltig beeindruckt: »In dem Charity Shop, in dem ich aushalf, arbeiteten viele behinderte Menschen, die mich täglich durch ihre positive Einstellung und ihren Ehrgeiz inspirierten«, erinnert sich Nele Schadeck. Auch andere Schüler betonen, die Praktikumserfahrung habe sie nicht nur sprachlich, sondern vor allem menschlich vorangebracht, da sie in puncto Akzeptanz und Verantwortungsbewusstsein sehr viel gelernt hätten.

Einigkeit herrscht auch darüber, dass man ein solches Praktikum jedem nur empfehlen kann. »Es ist etwas, was man sonst nie erleben wird, und man sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen« bringt Svenja Nowak die Stimmung der Gruppe auf den Punkt.

Ihre Freundin Kardelen Dinc ist derart begeistert, dass sie sich gut vorstellen kann, später einmal in England zu studieren. Für Charlotte Boos und Jasmin Sandhu steht es sogar bereits fest, dass sie schon in den Weihnachtsferien nach Colchester zurückkehren werden, um bei Emmaus, ›ihrem‹ Charity Shop zu arbeiten.

Auch das Feedback auf britischer Seite ist durchweg positiv, sagt Schifferli: »Alle Gastfamilien waren von der Höflichkeit und den guten Umgangsformen unserer Schüler angetan. Vor allem aber haben sich die Geschäftsführer und Mitarbeiter der Charity Shops bei uns bedankt und die vorbildliche Arbeitseinstellung und das aus ihrer Sicht überdurchschnittliche Engagement der jungen Deutschen gelobt. Unsere Gruppe hat unsere Schule wirklich hervorragend repräsentiert.«

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