14. September 2018, 16:11 Uhr

Filmkritik

»Searching« – ein kleiner Meilenstein des Kinos

Die Geschichte selbst – ein Mädchen verschwindet spurlos – kennt man schon. Doch das ein gesamter Film nur auf Computermonitoren spielt, ist neu. Unser Filmkritiker ist begeistert.
14. September 2018, 16:11 Uhr
Die Aufmachung des Films »Searching« ist ungewöhnlich. (Foto: 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/Cred Sebastian Baron)

 

Eine Teenagerin verschwindet scheinbar spurlos, der Vater macht sich auf die Suche nach ihr. Diese Geschichte sieht man nicht zum ersten Mal in einem Film. Doch wie sie von Regisseur Aneesh Chaganty in »Searching« präsentiert wird, ist ganz großes Kino. Denn statt »normalen« Filmszenen sieht man nur die Bilder von Computermonitoren, Smartphone-Bildschirmen und Tablet-Computern. Ein einzigartiges, gelungenes cineastisches Experiment.

 

Tragische Geschichte mit Terminkalender erzählt

 

Bereits das erste Bild nimmt einen auf eine Zeitreise mit: Erstmals meldet sich die Familie an ihrem Computer mit Windows 98 an. Der Vater postet eifrig Videos von seiner kleinen Tochter beim Klavierspielen auf Youtube, man sieht Bilder von Familienausflügen, Einträge im Terminkalender wie den ersten Schultag von Margot (Michelle La).

Als dann jemand bei Google eine Suchanfrage nach einer Krebsbehandlung stellt, ist schnell klar, dass die Mutter erkrankt ist. Nach einer kurzen Zeit der Genesung erlebt man nur durch das Verschieben und schließlich Löschen des Kalendereintrags »Mum kommt nach Hause« die Tragödie indirekt mit – und jetzt beginnt erst die eigentliche Handlung.

 

Suche in Chatverläufen

 

Vater David Kim (John Cho) und seine Tochter kommunizieren viel über Whatsapp und Videoanrufe. Doch auf einmal verschwindet Margot. David sucht zunächst bei Freunden nach ihr, bittet dann die Polizei um Hilfe. Detective Vick (Debra Messing) übernimmt seinen Fall. Während sie glaubt, dass die Tochter durchgebrannt sei, sucht David in den Chatverläufen der Tochter weiter nach Hinweisen. Er findet heraus, dass sie sehr viel mit einem Mädchen mit Nickname »fish_n_ chips« gechattet hat. Detective Vick überprüft die Spur und teilt David mit, dass das Mädchen ein Alibi hat.

Als schließlich David am Lieblingsplatz seiner Tochter im Wasser ein Auto findet, bekommt der Fall eine neue Wendung. Plötzlich schalten sich die Medien ein, wird die Suche nach Margot zu einem Großereignis.

Zweifellos ist dieser Film mit seiner ungewöhnlichen Kameraführung – wenn man dies überhaupt so nennen kann – ein kleiner Meilenstein der Filmgeschichte. Wird er aber wegweisend sein oder gar ein neues Genre hervorbringen? Vermutlich nicht. Es gibt Dinge, die funktionieren einfach nur einmal – beispielsweise die videotagebuchartige Aufmachung von »The blair witch project«, an die erste 2008 mit »Cloverfield« ähnlich erfolgreich angeknüpft werden konnte.

 

Grenzen des Konzepts

 

Zwischendurch merkt man auch kurz, dass dieses Konzept auch seine Grenzen hat. Denn alles, was sich nicht auf einem Bildschirm abspielt oder von einer Handykamera erfasst wird, kann der Zuschauer nicht miterleben. So bekommt man etwa den Streit zwischen David und seinem Bruder nur mit, weil der verzweifelte Vater seinem Bruder misstraut und heimlich in dessen Wohnung mit seinem Computer verbundene Kameras installiert.

Am 20. September kommt der Thriller »Searching« in die Kinos – ein sehenswerter Film. P. Dehnhardt

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