09. August 2018, 22:13 Uhr

Schwalben bauen Reihenhaussiedlung

09. August 2018, 22:13 Uhr
Schwalben sind schöne Vögel – machen allerdings auch viel Dreck. (Symbolfoto: dpa)

Neben beinahe jeder Sparre am nördlichen Dachüberstand des vierstöckigen Mehrfamilienhauses in der Karlsbader Straße 9 in Großen-Buseck befindet sich ein Schwalbennest. Insgesamt 24 Nester findet man hier – eine beachtliche Koloniegröße.

Grundsätzlich sind Schwalben gerne gesehen, schließlich sind sie ja nützliche Insektenfresser. Sie gelten sogar als Glücksbringer. Aber sie machen auch mächtig viel Dreck. Deshalb kann man sehr gut nachvollziehen, dass Hausbesitzer die possierlichen Vögel lieber aus der Ferne beobachten. Und manchmal werden die Nester abgeschlagen.

Alte Scheunen und Ställe, in denen die Schwalben früher zu Dutzenden ihre Nester bauten, werden immer seltener. Auch verschwinden zunehmend offene Lehmstellen in der Natur, an denen sie ihr Nistmaterial finden. Das haben die Vogelschützer schon lange erkannt und mit dem Bau von stabilen Schwalbenhäusern Nistmöglichkeiten in gewohnter Höhe und sicher vor natürlichen Feinden geschaffen. Eines steht in unmittelbarer Nähe der Weißmühle, dort, wo die Karlsbader Straße beginnt. Bezugsfertig ist es seit 15 Jahren. Erst ein einziges Brutpaar hat in dieser langen Zeit den bequemen Weg genutzt und in diesem schicken »Bungalow« ein »Kinderzimmer« eingerichtet. Sogar mit einer entsprechenden Beschallung wollte der Vogelschutzverein Großen-Buseck die gefiederten Bewohner anlocken. Vergebens!

Auch in der Nachbarschaft, zum Beispiel an dem frisch gestrichenen Wohnhaus gegenüber bei Wagenbachs, haben sie sich niedergelassen. Dort wurden zum Schutz Kotbretter unter den Nestern angebracht. Das war zwar nicht ganz einfach, aber immerhin musste der Hausherr dafür nicht in schwindelerregende Höhen aufsteigen. Dieses private Engagement in Sachen Vogelschutz würdigt der örtliche Verein mit der Übernahme der Kosten für die speziellen wasserfesten Platten, wie Kassenwart Dieter Wiesner bestätigte. Roland Hortsch, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, sitzt hier ein bisschen zwischen allen Stühlen. Er ist nämlich für die Baugenossenschaft Busecker Tal als Hausmeister für die Genossenschaftshäuser in der Karlsbader Straße zuständig. In anderen Häusern hat er sich schon kernige Sprüche anhören müssen, aber die Beschwerden der am stärksten betroffenen Bewohner der Karlsbader Straße 9 sind sehr verhalten. »Da überwiegt die Einsicht.«

Fensterbänke abgeklebt

Gegen den aggressiven Kot der Vögel schützen die Bewohner die Fensterbänke durch Abkleben mit Folie oder Papier. Und auf den besonders verschmutzten Stellen am Weg entlang des Hauses haben sie kürzlich Planen ausgelegt. Die Vermutung liegt nahe, dass die Wahl der Schwalben gerade für dieses Dach mit der jüngsten Neubaumaßnahme nebenan zusammenhängt. Aufgrund des hier entstandenen Schlammes wurde quasi das Nistmaterial den Vögeln »frei Haus« geliefert. Als Reiner Hahn, der Prokurist des mit der Geschäftsführung betrauten Immobilienunternehmens novo-terra GmbH, von der Schwalbengeschichte durch die Allgemeine erfuhr, sagte er: »Ich freue mich über unsere verständnisvollen Mieter und bin natürlich auch heilfroh, dass wir den neuen Anstrich noch nicht angebracht haben.« Dies soll in zwei bis drei Jahren erfolgen.

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