07. September 2018, 14:37 Uhr

Breitbandausbau

Schnelles Internet für alle – zu teuer für Laubach?

In der Ausbaustufe III sollen die letzten weißen Flecken auf der Breitbandkarte verschwinden. In Laubach gibt es Skepis, ob man den hohen Eigenanteil von 500 000 Euro beisteuern soll.
07. September 2018, 14:37 Uhr
Nahe Freienseen finden sich drei ehemalige Mühlen. Sie zählen zu den 1000 »weißen Flecken«, die auf der Breitbandkarte des Kreises Gießen verblieben sind. Einige der Bewohner behelfen sich mit einer Funklösung. Im Zuge der Ausbaustufe III könnten die Mühlen per Glasfaseranschluss auf die Überholspur der Datenautobahn wechseln. Doch nur, wenn die Stadt eine sechsstellige Summe zuschießt. (Foto: tb)

Geht es um schnelles Internet, so gilt das Gießener Land als gut versorgt. Mal abgesehen von 1000 Haushalten in den eher abgelegenen Winkeln des Kreises. Vor allem Bewohner außen liegender Gehöfte sind es, die sich mit Übertagungsgeschwindigkeiten von unter 30 Mbit/s begnügen müssen.

Jetzt aber steht die sogenannte Ausbaustufe III an, um auch noch den letzten weißen Fleck auf der Breitbandkarte zu tilgen. Und das sogar mit einem Glasfaseranschluss bis ins Haus. Mindestens 50 Mbit/s bis zum 31. Dezember 2018 lautet das Ziel. Bund und Land tragen rund 60 Prozent der Kosten, den Rest müssen die Kommunen tragen.

Wie bei Vorstellung der Stufe III auf Ebene des Kreises Gießen aber prognostiziert (die GAZ berichtete): Die Frage ist, ob auch alle Kommunen mitziehen, ob sie mehrere 100 000 Euro zu zahlen bereit sein werden, um ein paar außen liegende Anwesen per Glasfaseranschluss zu versorgen. Das dürfte Stoff für heftige Diskussionen bieten. Naturgemäß vor allem in Flächengemeinden, erst recht in Laubach.

 

Funk als preiswerte Alternative?

 

Dass die Erwartung berechtigt war, zeigt sich nun, da die Politik vor Ort gefragt ist. Die Frage beantworten muss, ob man knapp 500 000 Euro aus Laubachs Stadtkasse beisteuern sollte, um 99 Anschlüsse zu bedienen. 23 davon finden sich in der alten Ortslage Ruppertsburg, der Rest in zwölf Einzelliegenschaften.

Der Magistrat hatte für das Angebot der Breitband Gießen GmbH votiert, die Fachausschüsse des Stadtparlaments aber sahen es am Dienstag anders. Begründung in Kürze: Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis.

Statt der Magistratsvorlage beschloss man den Auftrag an die Verwaltung, zunächst bei den Eignern der Einzelliegenschaften das Interesse abzufragen. Auf FBLL-Antrag soll zudem ein privater Anbieter über Alternativen informieren. Dies auch mit dem Hinweis, dass Bewohner Altenhains oder einer Mühle im Seenbachtal mit der alternativen Funk-Lösung doch zufrieden seien.

Zuvor hatte Stefan Becker die wesentlichen Punkte der Ausbaustufe III erläutert. Der Fernwälder ist Geschäftsführer der Breitband GmbH, an der auch die Firmen Weimer und Lück Anteile halten. Die Kreiskommunen sind über die Beteiligungs GmbH im Boot. »Wir steuern das, die Investitionsentscheidung aber müssen Sie treffen«, machte Becker den Mandatsträgern klar. Und merkte an, die Kosten von 1,2 Millionen Euro und mithin der Eigenanteil Laubachs von 500 000 Euro seien Näherungswerte. Als Ergebnis der Ausschreibung im Herbst rechne er dank Synergieeffekten – als Beispiel wurden die nah beieinander liegenden Seenbachtalmühlen genannt – mit einer Kostenreduzierung.

Dann erst stünden konkrete Handlungsempfehlungen an, jetzt gehe es um die Grundsatzentscheidung zur Nachverdichtung. Bis zur geforderten Rückmeldung am 15. Oktober sei auch noch Zeit, die Bürger anzuhören. Dass insbesondere Landwirte heute schnelles Internet brauchten, bat Becker noch zu bedenken. Und ebenso wie Hans-Otto Gerhard, Breitbandkoordinator des Kreises, stellte er die Zukunftsfähigkeit von Glasfaser gegenüber Funk heraus: Hier Gigabit, da Absinken der Bandbreite mit wachsender Anschlussdichte.

Dass die Kosten für die Stadt erst nach der Ausschreibung genau zu beziffern seien, man Nachfrage und technische Entwicklung in der Zukunft ins Kalkül ziehen sollte, warb Bürgermeister Klug für die Magistratsvorlage. Es gehe um Grundsätzliches, darum, ob allen Bürgern, auch Neubürgern oder Bewohnern der Wochenendgebiete, der Stand der Technik ermöglicht werde. Dass solches oftmals schon als »Menschenrecht« apostrophiert werde, sekundierte Artur Niesner (FW). Wieder Klug zur FBLL-Kritik an einer »dieser Werbeveranstaltung«: »Wir gehören als Stadt zur Breitband GmbH. Auf die Ausschreibung kann sich jeder bewerben.«

Die Mehrheit sah es anders als Klug und mahnte zur Sparsamkeit. Björn Erik Ruppel (CDU) und Dirk-Michael Hofmann (FBLL) vermissten eine Abfrage bei den Eignern. Wären doch so die Kosten für die Kommune genauer zu beziffern. Denn: »Vielleicht sind einige ja auch mit Funk zufrieden.« Ins gleiche Horn stieß Graf Solms, Eigner des »Jägerhauses«: Dort wohne niemand, wieso also sollte die Stadt eine sechsstellige Summe ausgeben. Bei nun folgender Befragung der Bürger, mahnte er an, sollte also auch an die Verantwortung für die Stadt appelliert werden. Zumal: »Wer außerhalb wohnt, weiß, dass dort auch kein Bus hält.«

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