Molche und ein schnelles Schwein – nein, es geht hier nicht um irgendwelche kuriosen Tierrennen, sondern um die Säuberung von Abwasserleitungen. Allerdings spielt eine gewisse Geschwindigkeit trotzdem eine Rolle. In Odenhausen startete der Zweckverband Lollar-Staufenberg (ZLS) ein hessenweit einmaliges Pilotprojekt: Für die Säuberung von Abwasserdruckleitungen wird das »Quick Pig«(englisch: Schnelles Schwein)-System eingesetzt. Dazu wird die sogenannte Quick-Pig Station geöffnet, der Reinigungsmolch eingesetzt und dann mit Druck durch die zu reinigende Rohrleitung geschossen. An der Empfangsstation kann der Molch dann sehr einfach aufgefangen werden. Für die rund 1200 Meter Leitungsstrecke vom Hofgut Friedelhausen bis zur Auffangstation benötigt ein Reinigungsmolch so knapp 25 Minuten.

Der ZLS betreibt in seinem Verbandsgebiet insgesamt sieben Abwasserdruckleitungen mit einer Gesamtlänge von rund fünf Kilometern. Die Druckleitungen stellen etwa vier Prozent der gesamten Netzlänge des ZLS dar. Der Betrieb und die Unterhaltung der teilweise über 20 Jahre alten Druckleitungssysteme fokussierten sich in der Vergangenheit vornehmlich auf die maschinen- und elektrotechnischen Einrichtungen der Pumpstationen und Pumpwerke. 2016 hat der ZLS dann die Sanierung von drei älteren Pumpstationen in Odenhausen, Ruttershausen und Salzböden projektiert. Für die Reinigung der Rohrleitungen wurden hierbei Molchzugänge geplant. Dabei wurde auch für die Abwasserdruckleitung Friedelhausen der nachträgliche Einbau einer Molchstation vorgesehen. »Dabei handelt es sich um die ersten Druckleitungen in Lollar«, berichtet ZLS-Geschäftsführer Jochen Becker. Ein Molch ist ein Reinigungs- oder Inspektionsgerät zum Einsatz in Rohrleitungen. Dabei wird der Molch durch Wasserdruck durch die Rohre gepresst und entfernt dabei verschiedenste Verschmutzungen. Der Reinigungsmolch ist ein Pfropfen aus Schaumstoff, der je nach Typ und Größe der Druckleitung gewählt werden kann. Dabei können sowohl weiche Molche aus Schaumstoff, als auch härtere Exemplare mit Ummantelung oder Drahtbesatz eingesetzt werden.

Geringeres Risiko für Arbeiter

Das Molchverfahren mit einem »Quick Pig« geht nicht nur schneller, sondern ist auch deutlich sicherer: Für eine konventionelle Rohrreinigung bei solchen Druckleitungen müssen Arbeiter den Abwasserschacht leer pumpen und anschließend mit Schutzkleidung betreten, um den Molch in die Leitung einzusetzen. Gerade bei Arbeiten in Schächten kommt es immer wieder zu Unfällen, sei es durch Abrutschen von Steigleitern oder Anstoßen im beengten Arbeitsraum. Eine große Gefahr bei Arbeiten in Schachtbauwerken stellen auch Faulgase und/oder austretende Gase aus dem Erdreich dar. Auch die Kosten sind »nicht ohne«: Rund 5000 Euro muss der ZLS für eine Schachtreinigung aufwenden. Mit dem neuen Quick-Pig-System geht das deutlich ungefährlicher, schneller und kostengünstiger: »Nach sieben Reinigungen haben wir die Baukosten von rund 30 000 Euro wieder drin«, erklärt Peter Gefeller. Bei drei Reinigungen pro Jahr ist der Zeitraum recht überschaubar. Der Name »Quick Pig« stammt übrigens von der englischsprachigen Bezeichnung des Molch: Dort wird das Gerät »Pig« genannt. Entwickelt wurde das System 2014 von der Reinert-Ritz GmbH (Nordhorn); es wurde erstmals in Hamburg getestet.

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