10. April 2018, 13:00 Uhr

Lumdatalbahn

Schnellbuslinie Treis – Gießen wird ausgebremst

Für Irritationen sorgt der Vorstoß von Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD), eine Schnellbuslinie von Treis nach Gießen zu etablieren. Nun meldet sich der Lumdatalbahnverein zu Wort.
10. April 2018, 13:00 Uhr
Totes Gleis oder entscheidende Weichenstellung? Der Lumdatalbahn-Verein möchte eine Koexistenz von Bahn und Bus im Lumdatal erreichen, jedes Verkehrsmittel soll seinen Stärken entsprechend eingesetzt werden. Kritik gibt es allerdings am jüngsten Vorstoß aus Staufenberg zur Einführung von beschleunigten Bussen für den Stadtteil Treis. (Foto: pad)

»Kooperation statt Konfrontation« lautet die Antwort des Vereins Lumdatalbahn (LB e.V.) auf den jüngsten Vorstoß von Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD), eine sogenannte Schnellbuslinie von Staufenberg-Treis nach Gießen zu etablieren (die GAZ berichtete). Der Verein möchte eine Koexistenz von Bahn und Bus im Lumdatal erreichen, jedes Verkehrsmittel soll seinen Stärken entsprechend eingesetzt werden: Die Bahn als schnelle Verbindung nach Gießen und – mit Umstieg am Gießener Bahnhof – zu weiteren Zielen in Rhein-Main und Mittelhessen. Die Ergebnisse der RMV-Studie zur Lumdatalbahn unterstützen diesen Ansatz.

ÖPNV-Angebot stark nachgefragt

»Um den Gießener Bahnhof als wichtigsten Umsteigeknoten der Region für die Einwohner des Lumdatals erreichbar zu machen, brauchen wir die Stauunabhängigkeit und Anschlusssicherheit der Bahn« sagt Vereinsvorsitzender Manfred Lotz. »Der Bus sichert dagegen die Feinerschließung des Lumdatals, er verbindet die Stadt- und Ortsteile auf den Hochflächen und besonders auch die Kernorte von Staufenberg und Lollar. Für beides ist ein Markt da, denn die Nutzung des ÖPNV steigt von Jahr zu Jahr, zuletzt beflügelt durch das Schülerticket und das Jobticket für Landesbedienstete. Wer in der Lumdatal-Buslinie 371 unterwegs ist, muss zwischen Gießen und Lollar nicht selten stehen«, fasst Lotz die Entwicklung zusammen.

Widerspruch zur VGO-Planung

Der Vereinsvorsitzende weiter: »Als Verein des Lumdatals sind wir genauso mit der Region verwurzelt wie unser lokaler Busunternehmer, der die Linie 371 in eigenwirtschaftlicher Verantwortung betreiben darf. Und wir haben genauso ein Interesse am Erhalt lokaler Arbeitsplätze wie Bürgermeister Peter Gefeller. Wir wollen aber ein Wachstum im ÖPNV erzielen und keine Bus-Notlösung für Staufenbergs größten, vom Einzelhandel aber leider völlig abgehängten Stadtteil Treis auf Dauer einführen«.

Harsche Kritik an Gefeller

Generell irritiert zeigt sich der Verein über das Vorgehen des Staufenberger Bürgermeisters. Er fordert Bürgermeister Gefeller auf, »endlich den geordneten Weg des Dialogs mit allen Aufgabenträgern und Initiativen zu gehen. Dann dürfte ihm bewusst werden, dass die Lumdatalbahn eine der aktuell stillgelegten Strecken ist, welche das Land Hessen im Sinne einer Verkehrswende als herausgehobenes Projekt einstuft.« Überall sei die Bereitschaft zur Reaktivierung der Lumdatalbahn spürbar. Da stehe es dem Staufenberger Bürgermeister nicht an, »ständig konträre Gedanken« zu präsentieren.

Lotz: »Vor Monaten waren es Busse, die künftig mit Tempo 100 auf der wenige Meter breiten zuasphaltierten Bahntrasse durchs Lumdatal preschen sollten, nun sollen die Busse auf verstopften Bestandsstraßen in nie einzuhaltenden Zeiten verkehren. Das System Schnellbus ist anscheinend weder von Herrn Gefeller noch von der Firma Erletz verstanden worden«.

Lukrative Buslinie herausgepickt?

Zur Gestaltung des lokalen Busverkehrs gebe es mit der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) eine klar definierte Planungsebene für den Landkreis Gießen, erinnert Lotz. Der offensichtlich mit dem Busunternehmen abgestimmte Vorstoß zur Einführung von beschleunigten Bussen für den Stadtteil Treis dürfte aber keiner offiziellen VGO-Planung entsprechen. »Ganz bewusst hat das Land Hessen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und den lokalen Nahverkehrsgesellschaften, hier der VGO, ein Solidarsystem für die Busplanung und Busfinanzierung eingeführt. Es ist schlimm genug, wenn sich einzelne Busunternehmen – gestützt durch europäisches Recht – einzelne lukrative Buslinien aus dem Gesamtsystem herauspicken und eigenwirtschaftlich betreiben dürfen«, schreibt Lotz.

Gänzlich unsolidarisch werde es dann, wenn sich ein einzelner Bürgermeister auf seinen Ort zugeschnittene Busleistungen planen lasse – mit dem offensichtlichen Ziel, die Lumdatalbahn zu torpedieren. Denn, so Lotz: »Die Lumdatalbahn wird von allen Kommunen im Lumdatal gleichermaßen gebraucht, um den Anschluss an die Region zu erhalten.«

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