Mähtod

Schallboxen sollen Rehkitze vor dem Mähtod bewahren

Jedes Jahr sterben zahlreiche Rehkitze und Junghasen bei der Heuernte. Nun startet im Landkreis ein neues Projekt, dass den Mähtod verhindern soll.
15. Mai 2018, 05:05 Uhr
Setzen auf die Schallbox: Jagdpächter Bastian Gilbert (3. v. l.) mit den Hofgutmitarbeitern Bettina Brandt, Stephan Hickel, Hanno Hagemeister und Marco Boßhammer (v. l.).

Als Traktorist Marco Boßhammer seinen PS-starken Boliden aus dem Hause Fendt startet, fällt eine Unterhaltung bereits etwas schwer. Doch ist das ein angenehmes Brummen im Vergleich zu den schrillen, hochfrequenten Tönen, die kurz darauf die Wiese erfüllen.

Ein nur 15 Zentimeter kleiner Kasten hat dafür gesorgt. Die sogenannte »Schallbox« ist auf dem Ausleger der Zugmaschine montiert, seine lauten Signale sollen Jungtiere vertreiben. Neben Drohnen, die mit einer Wärmebildkamera Rehkitze oder Junghasen orten und ins Führerhaus des Traktors übermitteln, ist die Box ein weiteres noch relativ neues Instrument wider den Mähtod.

 

Vögel und Kitze geraten in Mähbalken

 

Die landwirtschaftliche Fläche des Hofgutes umfasst immerhin 73 Hektar, fast ein Viertel davon ist Grünland. Von daher: Der sogenannte Mähtod, dem jährlich Tausende Jungtiere zum Opfer fallen, geht auch hier ein und aus.

Bastian Gilbert ist einer von drei Jagdpächtern in Friedelhausen, die die Schallbox gespendet haben. Wie er bei der Demonstration erklärt, geraten zumeist unerfahrene Rehkitze, Jungfüchse und -hasen, aber auch bodenbrütende Vögel in die Messer der Mähbalken. Sie hören den Traktor, kennen bald das Motorengeräusch und blieben geduckt liegen, da sie sich nicht in Gefahr wähnten – ein oft tödlicher Irrtum, ragt doch der todbringende Ausleger viereinhalb Meter nach links oder rechts.

 

Alte Tiere können Gefahr einschätzen

 

Die älteren Tiere dagegen wüssten die Gefahr, erhöht durch immer schnellere Maschinen, richtig einzuschätzen. So wie die Krähen, die seelenruhig auf der Bankette der Landstraße sitzen bleiben, auch wenn Autos haarscharf vorbeirasen.

Die Box wird Marco Boßhammer, Leiter des biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetriebs in Friedelhausen, nicht nur beim Mähen der Wiesen einsetzen. Auch bei Pflege- und Erntearbeiten kommt der Lautsprecher zum Einsatz. Das Ziel ist stets gleich: mit schrillen Tönen wechselnder Frequenz bei den Tieren einen Fluchtreflex auslösen. Die einen rennen aus dem Gefahrengebiet, die anderen können von den Fahrzeugführern wenigstens rechtzeitig erkannt werden. Boßhammer: »Wir wollen alles daransetzen, unnötiges Leid der Tiere zu vermeiden, dabei hilft uns die Schallkanone.«

In diesem Sinne äußert sich auch Bettina Brandt namens der »Hofgemeinschaft helfende Hände«, die den Betrieb seit den 1980ern betreibt: Landwirte und Jäger, wenn auch mit ihrer jeweiligen Sicht auf Fauna und Flora, seien sich auf Gut Friedelhausen doch einig in ihren Bemühungen um Artenschutz und Bestandserhaltung und arbeiteten dabei eng zusammen.

 

Gute Sache für Meister Lampe

 

Der Einsatz dieser Spielart von Wildretter auf dem Hofgut dürfte nicht zuletzt dem Feldhasen guttun. Dessen Bestand hat sich, nach einer tiefen Delle in den 1980ern, zwar wieder etwas erholt. Aber: Trotz der hohen Fortpflanzungsrate von Meister Lampe wächst doch der Bestand nicht an. Wobei dafür natürlich vor allem Beutegreifer wie Bussard oder Habicht, weniger die Messer der Mähbalken verantwortlich sind. Was die Gemarkung nahe Odenhausen betrifft, bilanziert Gilbert: »Von einer Bejagung aber sind wir noch ganz weit entfernt.«

Aber wirken die Schallboxen oder -kanonen auch auf Dauer? Ja, antwortet der Jagdpächter und verweist auf entsprechende Erfahrungen in der Wetterau, wo schon länger dem Mähtod mit schrillen Töne begegnet wird.

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