10. Februar 2019, 18:00 Uhr

Rettungsgasse

Rettungsgasse: Warum die Aufkleber-Aktion des Landes nicht alle überzeugt

Auf dass es besser klappt mit der Rettungsgasse: Das Land Hessen sponsert Aufkleber auf Fahrzeugen der Feuerwehr. Nicht alle aber machen mit, auch die Grünberger Wehr verzichtet darauf.
10. Februar 2019, 18:00 Uhr
Weitere Maßnahme des Landes, um für die Rettungsgasse zu werben: Aufkleber am Heck von Feuerwehrfahrzeugen. (Foto: pm)

Die Klagen von Feuerwehrleuten und Notärzten sind bekannt: Auf dem Weg zu einem Unfall auf der Autobahn kommen sie nur langsam voran, die Rettungsgasse ist verstopft, Blaulicht und Martinshorn werden missachtet. Im Extremfall missbrauchen gar besonders dreiste Pkw-Fahrer die freie Spur, um schneller durch einen Stau zu kommen. Dass die Behinderungen die meist ehrenamtlichen Helfer nerven, ist das kleinere Übel. Wesentlicher: Sie kosten Zeit, was bei schweren Unfällen tragische Folgen für die Opfer haben kann.

2015 bereits hatte Wiesbaden eine Kampagne gestartet, um unter Autofahrern das Bewusstsein für die nicht selten lebensrettende Gasse zu schärfen. Eine intensivere Pressearbeit oder die großen Banner an Autobahnbrücken seien als Beispiel erwähnt. Vor allem: Hessen setzte mit Erfolg die Anhebung der Bußgelder durch. Seit 2017 sind anstatt zuvor 20 mindestens 200 Euro, Punkte in Flensburg und womöglich ein Fahrverbot fällig – sofern denn die oft schwierige Ahndung des Fehlverhaltens gelingt.

 

Land sponsert Heck-Aufkleber für Feuerwehrautos

Als weitere »bewusstseinsbildende Maßnahme« hat Wiesbaden im Vorjahr eine Aufkleberaktion gestartet. Angefragt wurden Feuerwehren, die Einsätze auf Autobahnen fahren. Ende der Vorwoche nun unterzeichnete Innenstaatssekretär Stefan Heck Zuwendungsbescheide in Höhe von fast 40 000 Euro. Mit dem Geld sponsert das Land wetterfeste Heckaufkleber mit dem Aufdruck »Rettungsgasse freihalten« für insgesamt 95 Feuerwehren. Verkehrsteilnehmer, so Stefan Heck, würden somit aufmerksam gemacht, dass weitere Rettungsfahrzeuge folgen können. »Das dient der Sicherheit der Einsatzkräfte und beschleunigt die Einsatzmaßnahmen. Unfallopfer benötigen schnelle Hilfe, dabei zählt jede Sekunde.«

Im Vogelsbergkreis macht die Feuerwehr Mücke mit, trägt dafür auch den Eigenanteil von geschätzten »150 bis 200 Euro«. Gemeindebrandinspektor Martin Schlosser: »Die Aktion der Landesregierung ist unserer Meinung nach hilfreich.«

Etwas anders sehen das Kameraden im benachbarten Grünberg. Wie vom Innenministerium zugewiesen, sind sie auf der A 5 für den Abschnitt zwischen den Abfahrten Grünberg und Reiskirchen sowie Reiskirchen und Homberg/Ohm zuständig und entsprechend ausgerüstet. Auf dem unfallträchtigen Teilstück – nach Süden hin nur zweispurig ausgebaut – hatten die Aktiven im vergangenen Jahr allein 22 Einsätze zu bewältigen. Etwa die Hälfte davon Unfälle, darunter solche, bei denen schnelle Hilfe lebensrettend war. Hans-Joachim Losert, noch bis März Wehrführer in Grünberg, kann auf eine 15-jährige Erfahrung mit Einsätzen auf der A 5 verweisen. Wie er sagt, war sich die Führung seiner Feuerwehr rasch einig gewesen, sich nicht an der Aufkleberaktion zu beteiligen. »Das bringt nichts. Wenn wir kommen, stehen schon alle, ist es zu spät.«

 

Bei Stau: Angstfrei durchkämpfen

Auch Losert aber sieht die Notwendigkeit, bei Autofahrern kontinuierlich für das richtige Verhalten zu werben. Kommt es doch oft auf jede Minute an. Und auch der Grünberger bestätigt, dass sich das Problem verschärft hat: »Im Schnitt bei jedem dritten Einsatz«, so schätzt er, »werden wir heute bei der Anfahrt behindert.« Dann hilft nur, sich angstfrei durchzukämpfen. Auch mal ohne Rücksicht auf Verluste: »Mir selbst ist das schon passiert. Der Fahrer des Wohnmobils aber hat sich nicht beschwert, dass sein Spiegel abgerissen war.«

Als Hauptursache macht der Grünberger – neben dem allgemeinen Verlust an Rücksichtnahme in unserer Gesellschaft – das wachsende Verkehrsaufkommen aus. Es wird immer voller auf den Autobahnen, auch da immer mehr Güter von Lkw und Kleinlastern transportiert werden. Was nach seiner Erfahrung »sehr oft« die Bildung der Rettungsgasse verzögert: »Lkw fahren Stoßstange an Stoßstange, gerade nachts. Dann fehlt schon bei Bildung eines Staus der Platz, um nach rechts auf die Standspur zur rangieren.« Hier anzusetzen, wäre geboten.

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