15. August 2018, 22:22 Uhr

Reichlich Stoff für Erinnerungen

15. August 2018, 22:22 Uhr
Das von Udo Görnert erstellte Modell des Bahnhofs Seenbrücke. (Fotos: ld)

Auf großes Interesse ist das Themenwochenende zum »Eisenerz-Bergbau im westlichen Vogelsberg« gestoßen. Veranstaltet hat es der Kulturring als Beitrag zur 575-Jahr-Feier Weickartshains. Organisiert von Karl Heinz Hartmann, gab es eine Ausstellung, drei Vorträge sowie zwei geführte Wanderungen zur Grube »Deutschland«. Die Vorträge boten reichlich Information zur Geschichte des heimischen Bergbaus, zur Industrialisierung, zu den sozialen Auswirkungen. Bei den von Hartmann geführten Wanderungen erfreuten sich die Teilnehmer neben der Geschichte auch an Anekdoten. So erfuhr man am »Höllersborn«, wie Weickartshain zu seinem Uznamen »die Esel« kam oder was es eigentlich mit der »Wilden Frau« auf sich hat.

Sehr informativ war zunächst der Abstecher in der Grube »Deutschland«. Längst als Weickartshainer Schweiz bekannt, ist diese zum Geotop des Jahres 2015 erhoben worden. Über die ehemalige Grenze zwischen Hessen-Darmstadt und Solms-Laubach wanderte man weiter über die durch die Gemarkung »Wäsch« (ehedem Erwäsche per Hand) und den »Roten Graben« zurück zum Bürgerhaus, wo Hartmann die Vorträge hielt.

In seinem Grußwort dankte Ortsvorsteher Eberhard Schlosser den Mitgliedern der 2008/09 gegründeten Projektgruppe »Erzweg« mit dem Impulsgeber Hartmann, Karl Krautwurst und Helmut Felsing für ihre Arbeit. Dank galt auch dem Kulturring Weickartshain, dem Kunstturm Mücke, den Sponsoren und Kommunen Grünberg, Laubach und Mücke für die Unterstützung.

Der Eisenerzabbau in der Region, so erfuhren die Zuhörer nun, beschäftigte bis zu 600 Bergleute und war besonders für die Infrastruktur von großer Bedeutung. Nicht zuletzt wegen des Baus der Seentalbahn. Hartmann erläuterte auch anhand historischer Aufnahmen die Abbauweisen oder die Aufbereitung des Roherzes. Immens sei der Wasserverbrauch bei der Erzwäsche mit vier Kubikmetern Wasser für eine Tonne Gestein gewesen. Für die bitterarme Gegend aber sei der Bergbau zur wichtigen Erwerbsquelle geworden. Selbst Kinder arbeiteten nach der Schule in »Wäsch«. Dank der sozialen Absicherung durch Rente und Versicherung verringerte sich im 19. Jahrhundert die Auswanderung. 1958 waren schließlich noch 51 Bergleute in der Region beschäftigt. Der letzte mit Erz beladene Zug verließ am 3. Mai 1968 den Bahnhof Mücke.

Die Auswirkungen des Bergbaus auf die Gewässer verdeutlichte Werner Wißner in seinem Vortrag, vor allem erläuterte er die 1870 eingeführte industrielle Aufbereitung. Durch das »Zwei Teich-System« setzte sich der Schlamm ab, das Wasser wurde somit zurückgewonnen. Teilweise nach Enteignung von Grundstücken wurden riesige Schlammteiche und Verdunstungsflächen angelegt. Das Wasser wurde aus dem Seenbach entnommen und über Holzrinnen gefördert, was das Gewässer schon mal trockenfallen ließ. Wißner verwies am Ende noch auf die Gefahren bei Dammdurchbrüchen. Negativer Aspekt war die, nach dem Ende des Abbaus, häufige Vermüllung der ehemaligen Gruben.

Auch die Ausstellung der Projektgruppe »Erzweg« vermittelte den Besuchern viel Wissenswertes. So gab es neben Informationen zu den Erzwanderwegen Süd und Mitte zahlreiche Darstellungen, Fotos, Ausstellungsstücke sowie von Werner Wißner erstellte Modelle zur Erzgewinnung, Transport, Erzwäsche und Verhüttung. Ein besonderes Anschauungsobjekt war das von Udo Görnert erstellte Modell des Bahnhofs Seenbrücke. (Fotos: ld)

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