11. August 2018, 15:00 Uhr

Lumdatalbahn

Rechnung mit vielen Unbekannten in Lollar

Landrätin Anita Schneider und Vertreter der Verkehrsverbünde haben den Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lollar über das Gutachten zur Lumdatalbahn informiert.
11. August 2018, 15:00 Uhr
Bis zu einer möglichen Wiederinbetriebnahme der Lumdatalbahn wären noch einige Hürden zu nehmen. (Foto: süd)

Auf der Schiene durchs Lumdatal? Lange schien das aus Sicht vieler eine romantische Utopie zu sein. Doch seit die Landesregierung im Mai dem Kreis empfohlen hat, in die weitere Vorplanung einzusteigen, gilt die Reaktivierung der 1981 stillgelegten Bahnlinie zwischen Londorf und Gießen als eine Option mit Potenzial. Im Gegensatz zu Rabenau, Allendorf und Staufenberg ist Lollar über die Main-Weser-Bahn noch immer an das Schienennetz angeschlossen, doch eine Reaktivierung der Lumdatalbahn würde der Stadt wohl eine zweite Station (»Lollar Nord«) bescheren, wie am Donnerstag im Haupt- und Finanzaussschuss (HFA) erläutert wurde.

215 neue Pendler

Landrätin Anita Schneider (SPD) informierte als Gast, was es mit den Gutachten auf sich hat: Nach einer Vorstudie bedurfte es einer Kosten-Nutzen-Analyse, um die Frage der Förderfähigkeit durch das Land zu prüfen. Dabei wurden Optionen durchgerechnet. Entscheidend war, ob am Ende ein positiver Wert herauskommt – dies war zunächst nicht der Fall. Doch das Standard-Verfahren ist laut Schneider auf größere Projekte zugeschnitten. »Der öffentliche Verkehr ist nie nur über die Fahrkarte bezahlt«, sagte Schneider. In einer zweiten Betrachtung flossen daher auch weitere Effekte, etwa die Stärkung des ländlichen Raums, ein. Dadurch wurde ein positiver Wert (1,68) erreicht. Das Land habe die Annahmen dieser Rechnung wiederum durch einen unabhängigen Gutachter bewerten lassen – mit dem Ergebnis, sie zu akzeptieren. Neben zahlreichen Vertretern des Vereins Lumdatalbahn auf den Zuschauerpätzen waren je ein Vertreter des RMV und des ZOV (Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe) nach Lollar gekommen. Im zugrunde gelegten Szenario sei von der Beibehaltung bestehender Buslinien ausgegangen worden. Rund 215 Pkw-Pendler, so die Annahme, könnten durch die Zugverbindung neu gewonnen werden, sagte Stefan Klöppel (ZOV).

1600 Fahrgäste pro Tag

In der Diskussion ergaben sich klare Fronten zu dem Infrastrukturprojekt. SPD und Grüne befürworten die Reaktivierung grundsätzlich. »Wir sind froh, dass das Land nun ein Signal gegeben hat«, sagte Norman Speier (SPD) – »und sind gespannt, ob das auch nach der Landtagswahl noch so gilt«. Allerdings müsse man abwarten, welche konkreten Kosten auf die Kommune zukämen. Auch dürfe das Projekt nicht dazu führen, dass die Zugverbindungen von Lollar Richtung Marburg eingeschränkt werden.

Die CDU sieht das Vorhaben dagegen äußert kritisch: Dr. Jens-Christian Kraft erkundigte sich nach konkreten Fahrgastzahlen, die an einzelnen Stationen zu erwarten seien. »Ich kann Ihnen nicht sagen, was morgens um 6.30 Uhr im Zug los ist« antwortete ZOV-Vertreter Klöppel. Bisher gebe es nur eine allgemeine Prognose, wonach etwa 1600 Fahrgäste die Strecke täglich nutzen würden. CDU-Ausschussmitglied Gerald Weber sprach von einem »unseriösen Gutachten«. Das Dokument stütze sich, etwa hinsichtlich der Fahrgeschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern und der Bevölkerungsentwicklung im Lumdatal, auf nicht gesicherte Annahmen. Landrätin Schneider widersprach energisch. Die Einwohnerzahlen seien zwischen 2012 und 2016 im gesamten Lumdatal gestiegen.

"Nicht Pi mal Daumen"

Das Gutachten sei »zwar keine ingenieurtechnische Untersuchung, aber es ist nicht Pi mal Daumen«, ergänzte ZOV-Vertreter Klöppel. Gleichwohl räumte er ein: »Das Ding ist nicht durch. Erst mit der Baureife haben wir ein Preisetikett.« Aber man wisse nun, dass sich die weitere Prüfung lohne. Erst wenn Baurecht geschaffen sei und das Eisenbahn-Bundesamt seine Zustimmung zu den Maßnahmen gebe, könne endgültig über die Kosten und damit über die Fördersumme entschieden werden.

Formal nahm der HFA den Stand der Vorplanung zur Kenntnis. Im September wird laut Schneider der Kreistag weiter über die Lumdatalbahn beraten. Ein Thema, das künftig noch auf vielen Tagesordnungen der Kommunalpolitik stehen wird.

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