08. Juli 2018, 18:47 Uhr

Reblaus aus Stahl

08. Juli 2018, 18:47 Uhr
Wilfried Schomber (l.) und Axel Schmidt (r.) neben der Reblaus aus Stahl. Im Vordergrund die geschlechtsreife Reblaus mit Flügeln. (Foto: ma)

Einer etwas ungewöhnlichen Erscheinung begegnet man in Geilshausen am ehemaligen Nato-Munitionslager: Eine etwa drei Meter große stählerne Reblaus schaut den Besucher aus kugelrunden Augen an – es handelt sich um die neueste künstlerische Arbeit von Kunstschmied Wilfried Schomber. Die Reblaus soll an ein historisch bedeutsames Ereignis erinnern.

In Auftrag gegeben hat sie Axel Schmidt vom Verein Tiefenbacher Winzergemeinschaft für das im Jahr 2020 anstehende 25-jährige Vereinsjubiläum. Dass ausgerechnet eine Reblaus als Vorbild für die stählerne Kunst herhalten musste, hat einen ernsten Hintergrund für die hessischen Winzer.

Standort noch unklar

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der europäische Weinbau durch die aus Nordamerika stammenden Reblaus massiv bedroht. Das ging als die sogenannte Reblausinvasion oder auch Reblauskatastrophe in die Geschichte ein. Der gelbgrüne bis ockerbraune Schädling mit einer Größe von etwa 1,3 Millimetern vergriff sich an den Wurzeln der Reben und brachte diese zum Absterben. Im Auftrag der preußischen Regierung versuchte man sich im Jahre 1901 an einem Experiment im hessischen Tiefenbach an der Lahn, was die Lösung des Schädlingsproblems bringen sollte. Man nahm gegen die Reblaus resistente amerikanische Reben als Unterlagenholz und pfropfte diese mit hiesigen Rebsorten auf. Und zur Freude der Weinliebhaber gelang das Unterfangen. »In Tiefenbach wurde der deutsche Weinbau gerettet«, sagt Schmidt. Und auch heute noch wird auf reblausresistente Unterlagen gepfropft.

Für die Vollendung der Figur im Maßstab 1:500 brauchte der geübte Schmiedemeister Schomber etwa drei Wochen. Für die viel kleinere Figur einer geschlechtsreifen und geflügelten Reblaus waren nur vier Tage von Nöten. Geplant ist, diese Figur einem befreundeten Winzerverein in Bad Nauheim zu deren 20-jährigem Jubiläum zu überreichen.

Obwohl es an Ideen nicht mangelt, sind die Verantwortlichen über den endgültigen Standort des stählernen Insekts noch uneins. Sei es nun direkt an der Lahn gut sichtbar für die Kanu-Touristen, am Marktplatz in Tiefenbach oder direkt am Weinberg, »das wird noch heiß diskutiert«, sagt Schmidt.

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