07. August 2018, 12:41 Uhr

Gonterskirchen

Raubmord in Gonterskirchen: Drogen im Wert von 250.000 Euro sollen Motiv gewesen sein

Nach dem tödlichen Raubüberfall in Gonterskirchen stehen seit Dienstag fünf Männer vor Gericht. Beim Prozessauftakt wurde das Motiv bekannt: Marihuana im Wert von einer Viertelmillion Euro.
07. August 2018, 12:41 Uhr
Fünf Angeklagte stehen vor Gericht, vertreten von insgesamt zehn Verteidigern. Foto: Schepp

Die rohe Gewalt brach um 21.30 Uhr über Gonterskirchen herein. Eine Gruppe von Männern überwältigte laut Staatsanwaltschaft am Abend des 28. November am Heiligenstock ein Paar. Wieder und wieder schlugen und traten sie den Ermittlern zufolge auf den Mann in dessen Wohnung ein, bis der 57-Jährige tot auf dem Boden gelegen haben soll. »Wo Geld?«, sollen die Täter in brüchigem Deutsch gerufen haben. »Wo meine Kilos?« Seit Dienstag müssen sich fünf Männer am Gießener Landgericht verantworten. Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger gab zum Auftakt des Prozesses bekannt, dass hinter dem brutalen Überfall Drogengeschäfte im großen Stil zwischen Granada im Süden Spaniens und Deutschland stehen sollen.

 
Fotostrecke: Übergriff Laubach-Gonterskirchen

»Es ging um 100 Kilogramm Marihuana im Wert von 250 000 Euro«, sagte Hauburger. Das in Gonterskirchen getötete Opfer sei Drogenkurier gewesen. Die Vorgeschichte spielte sich demnach in Granada ab. Die Angeklagten hätten den 57-Jährigen verdächtigt, Drogen unterschlagen zu haben. »Kurz gesagt: Der Stoff war weg«, brachte der Oberstaatsanwalt das mutmaßliche Motiv der Angeklagten auf den Punkt. »Und sie wollten es sich gewaltsam zurückholen.« Hauburger betonte, dass allerdings nicht erwiesen sei, dass das Opfer die Drogen auch unterschlagen habe. »Da gibt es mehrere Versionen«, sagte er.

Die zentrale Figur unter den fünf Angeklagten dürfte der älteste von ihnen sein – ein 41 Jahre alter Marokkaner. Er sei unter den anderen Angeklagten »für sein besonderes Gewalt- und Aggressionspotential bekannt«, merkte Hauburger an. Der 41-Jährige soll brutal auf das Opfer eingeprügelt haben. Kurz nach dessen Tod habe er angeordnet, die Frau des Opfers umzubringen, weil sie eine Zeugin gewesen sei.

Der Stoff war weg. Sie wollten ihn sich gewaltsam zurückholen

Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger

Die 59 Jahre alte Frau sei mit Kabelbinder gefesselt worden, dann hätten die Angeklagten Feuer im Haus gelegt. Laut Staatsanwaltschaft haben sie die Fenster mit Gardinenstangen verbarrikadiert und die Rolläden heruntergezogen, um der Frau die Flucht unmöglich zu machen. »Mit letzter Kraft«, erklärte Hauburger, »kroch die Frau zum einzigen nicht versperrten Fenster im Wohnzimmer und schrie um Hilfe.« Zwei Anwohner sollen sie um 1.15 Uhr aus dem brennenden Haus gerettet haben. Die Frau tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf.

 

Fünf Liter Benzin an Tankstelle gekauft

Belegt ist dem Oberstaatsanwalt zufolge, dass einige der Angeklagten eine Minute nach Mitternacht an der Autobahntankstelle Wetterau-Ost fünf Liter Benzin gekauft haben. Nach Hauburgers Überzeugung haben sie damit das Haus in Brand gesteckt.

Die Angeklagten sollen bereits um 20 Uhr die Wohnung in Gonterskirchen durchwühlt haben, als das Paar noch nicht in der Wohnung war. Mit einem Nageleisen und weiteren Werkzeugen sollen sie in das Haus eingedrungen sein.

Ein Stützpunkt der Angeklagten war offenbar eine Gaststätte in Friedrichsdorf im Taunus. Zwei der Angeklagten wohnten bis zu ihrer Festnahme in Friedrichsdorf, sie sind persönlich mit der Gaststätte verbunden, wo die Angeklagten vor dem Überfall die letzten Absprachen getroffen haben sollen. Die drei weiteren Angeklagten im Alter von 19, 34 und 41 Jahren lebten zuletzt in Belgien und waren nach Überzeugung der Ermittler extra für den Überfall nach Deutschland eingereist.

 

Mammutverfahren mit 113 Zeugen

Ein Mammutverfahren hat am Dienstag begonnen. 113 Zeugen sind geladen. Mit einem Urteil ist frühestens im Oktober zu rechnen. Eine Herausforderung sei, den genauen Tatbeitrag der einzelnen Angeklagten zu ermitteln, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein mutmaßlicher Täter ist noch flüchtig, ein weiterer sitzt in Belgien in Haft. Nicht alle der fünf Männer waren in der Nacht im November außerdem im Haus. Einige hielten sich laut Staatsanwaltschaft draußen auf und versuchten mehrfach, wenige Meter vom Haus entfernt, einen im Schlamm feststeckenden Mietwagen zu befreien. Der Fund des Autos war für die Ermittler entscheidend, noch am selben Tag die zwei 31 und 37 Jahre alten Männer in Friedrichsdorf festzunehmen.

Drei Angeklagte erklärten am Dienstag, im Lauf des Verfahrens aussagen zu wollen. Gegenüber der Polizei hatte keiner von ihnen ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Info

Fortsetzung am 28. August

Die Suche der Prozessbeteiligten nach ihrem Sitzplatz im Gerichtssaal glich einer Reise nach Jerusalem. Jeder der fünf Angeklagten wird von zwei Verteidigern vertreten. Neben Richtern, Schöffen, zwei Staatsanwälten und der Nebenklägerin sitzen dort zudem Dolmetscher, ein Sachverständiger – mehr als 30 Beteiligte. Am 28. August wird die Verhandlung fortgesetzt.

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