Prostitution

Prostitution im Kreis Gießen: Zahlen, Fakten, Probleme

In fünf Bordellen arbeiten Prostituierte im Kreis Gießen, außerdem in 31 Tagesterminwohnungen. Ihr Schutz sollte sich durch ein neues Gesetz verbessern. Doch bei der Umsetzung gibt es Probleme.
17. April 2018, 09:49 Uhr
Seit Juli vergangenen Jahres sind Prostituierte verpflichtet, sich in den Kommunen anzumelden. Doch Registrierung und Beratung bereiten im Kreis Gießen Probleme. (Symbolfoto: dpa)

Fünf Bordelle, ebenso viele bordellartige Betriebe und 31 Tagesterminwohnungen gibt es im Landkreis Gießen. Wer dort der Prostitution nachgeht, stammt vorwiegend aus Osteuropa (Rumänien/Bulgarien), vereinzelt aus Deutschland, China und Westafrika.

Eines haben diese Personen gemeinsam: Seit Juli vergangenen Jahres müssen sie sich anmelden und beraten lassen. Entweder in der Kommune, in der sie vorwiegend tätig sind, wenn diese mehr als 7500 Einwohner zählt, ansonsten beim Kreis. Das Prostituiertenschutzgesetz, das im Sommer in Kraft trat und zum Schutz der Betroffenen in Deutschland erstmals klare Regeln für die Prostitution bieten soll, ist der Grund dafür.

 

Land lässt Kommunen hängen 

Das Problem: Hessen lässt seine Städte und Gemeinden im Gegensatz zu anderen Bundesländern bei der Umsetzung offenbar im Regen stehen.

»Das hessische Sozialministerium hat per Erlass verfügt, dass die Kommunen seit dem 1. Juli 2017 für die Anmeldung, Durchführung von Beratungen und die Erlaubniserteilung der Prostitutionsstätten zuständig sind. Es wurden jedoch keinerlei Antragsformulare/-muster oder Entscheidungsrichtlinien zur Verfügung gestellt«, kritisiert Bernd Klein, Sprecher der Kreisbürgermeister, die das Problem nun gemeinsam angehen wollen.

 

Nur wenige Anmeldungen

Wegen der fehlenden Unterstützung durch das Land, hätten sich bislang im Kreis nur wenige Prostituierte angemeldet, sagt Klein. Der Schwerpunkt liege dabei in der Stadt Gießen. Denn dort hat man – ohne auf eine Landesverordnung zu warten – früh mit der Schulung der Mitarbeiter sowie der Registrierung begonnen.

Für die erforderliche Beratung wurde ein externer Dienstleister eingesetzt, der Frankfurter Verein »Frauenrecht ist Menschenrecht«. Streetworkerinnen, die selbst aus Osteuropa stammen und zumindest teilweise die Muttersprachen der Klientinnen beherrschen, versuchen herauszufinden, ob diese zur ihrer Tätigkeit gezwungen werden. Sie informieren sie über Rechte, Pflichten und Hilfsangebote.

 

Kein Straßenstrich

In der Bürgermeisterdienstversammlung am 22. Februar hatten Vertreter des Polizeipräsidiums Gießen über ihre Erkenntnisse im Bereich der Prostitution berichtet.

Die Behörden unterscheiden laut Klein drei Kategorien von Betriebsstätten, in denen der Prostitution nachgegangen wird: Bordelle, bordellartige Betriebe (Tagesterminwohnungen mit bis zu neun Personen) und Wohnungsprostitution (Tagesterminwohnungen mit bis zu zwei Personen). Dazu kommen Erscheinungsformen wie der Straßenstrich, die im Landkreis aber nur eine untergeordnete Rolle spielen, so der Licher Bürgermeister.

 

Betroffenheit unterschiedlich

Die Betroffenheit der Städte und Gemeinden sei im Landkreis unterschiedlich ausgeprägt. Nach den vorliegenden Erkenntnissen bestehen laut Klein 31 Tagesterminwohnungen, in denen der Wohnungsprostitution nachgegangen wird, fünf bordellartige Betriebe (überwiegend in der Stadt Gießen) und fünf Bordelle, wie beispielsweise die FKK-World in Pohlheim oder den Club 69 in Buseck.

Von den in Räumen angebotenen Formen der Prostitution sind aktuell elf der 18 Städte und Gemeinden im Landkreis betroffen. So gibt es beispielsweise eine Tagesterminwohnung in der Gemeinde Wettenberg, aber bis zu einem Dutzend in der Stadt Linden. Dazu kommen die bekannten Bordelle und ein gewisser Schwerpunkt der bordellartigen Betriebe in der Stadt Gießen, so Klein.

 

Interkommunale Zusammenarbeit geplant

Weil das Thema komplex ist und die Unterstützung des Landes fehlt, ist die Bürgermeisterdienstversammlung zu dem Schluss gekommen, eine interkommunale Zusammenarbeit anzustreben.

Vorteile einer solchen könnten laut Klein unter anderem eine fachkundige Beratung (Erkennen der Opfer, etc.), die Bereitstellung von Dolmetschern, zentrale Schulung der Mitarbeiter, einheitliche Handhabung, Urkunden und Kosten sowie eine zentrale Anlaufstelle für gesundheitliche und allgemeine Beratung der Betroffenen sein.

 

Ressourcen fehlen

Bis es soweit ist – Klein hofft, dass es möglichst schnell geht – sind eingehende Anmeldungen von der betroffenen Stadt, Gemeinde oder dem Landkreis eigenverantwortlich zu bearbeiten.

Dabei wollen die Kreisbürgermeister Wert auf die erforderliche Beratung der Prostituierten, gegebenenfalls wie in Gießen durch einen externen Dienstleister, legen. »Wir hoffen, dass wir zügig in eine Umsetzung kommen«, sagt der Licher Rathauschef.

Doch die Situation in den Kommunen sei überwiegend schwierig, da viele die notwendigen Ressourcen für die neue Aufgabe nicht hätten. »Aber auch beim Kreis müssen wir schauen, wie diese umsetzbar ist. Ein Datum anzugeben halte ich derzeit für schwierig.«

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