17. August 2018, 13:00 Uhr

Verkehrskontrolle

Polizei zieht drei Lastwagen aus dem Verkehr

Bei einer Kontrolle des Schwerverkehrs auf der A 5 bei Pohlheim kommen die Polizeibeamten zur einer erschreckenden Erkenntnis: Lediglich ein Viertel der Lkw ist ohne Mängel.
17. August 2018, 13:00 Uhr
Dieser Lkw wird zur Kontrolle auf den Parkplatz geleitet. Erste Station: die Radlastwaage. (Foto: se)

Der Polizeibeamte nahm es mit Humor. »Der fährt nicht nur mit einem abgefahrenen, sondern auch einen heißen Reifen«, rief er seinen Kollegen zu, nachdem er den digitalen Tachographen (früher Fahrtenschreiber) überprüft hatte.

Der Fahrer des in Russland zugelassenen Lkw hatte Pech. Zum einen verfügte der rechte Vorderreifen seines Fahrzeuges teilweise über kein Profil, an anderen Stellen war dieses unzureichend.

Die Folge: Der junge Mann, der in Pantoffeln neben seinem Fahrzeug saß und die Dinge, die auf ihn zukamen, scheinbar ohne Regung aufnahm, durfte nicht weiterfahren. Sein Fahrzeug wurde aus dem Verkehr gezogen.

Außerdem: 117 Kilometer in der Stunde sei die festgestellte Höchstgeschwindigkeit gewesen, sagte der Beamte, 37 mehr als erlaubt. Auch das geht ins Geld.

 

Technische Beanstandungen

 

Bei der Schwerverkehrskontrolle, die die Polizeiautobahnstation des Polizeipräsidium Mittelhessen von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen auf dem Parkplatz Limes West an der A5 in der Gemarkung Pohlheim vornahm, zeigte sich, dass nur ein geringer Teil der Fahrzeuge ordnungsgemäß am Straßenverkehr teilnimmt.

Von 37 kontrollierten Lastkraftwagen wiesen immerhin 28 Fahrzeuge Mängel auf. Manche waren erheblich.

So wurden zwei Fahrzeuge wegen technischer Beanstandungen, ein weiteres aufgrund ungenügender Sicherung von Gefahrgut sofort stillgelegt. In drei Fällen wurden Verstöße gegen die Ladungssicherheit festgestellt, zwei Lkw waren höher als erlaubt und fünfmal wurde gegen Sozialvorschriften verstoßen. Das heißt, es wurden Lenkzeiten überschritten oder die Ruhezeiten nicht eingehalten.

 

Gefahrgut schlecht gesichert

 

Bei drei Lkw beanstandeten die Beamten zudem die schlechte Sicherung von Gefahrgut. Was mit jenen Verkehrssündern geschah? »Die Fahrer wurden ›bar verwarnt‹", erklärt Oberkommissarin Sabine Richter.

Unabhängig von der Zahl der Beanstandungen sei »es wichtig, dass wir uns zeigen«, erklärte Polizeipräsident Peter Paul. »Wir sind mit hochqualifizierten Fachkräften vor Ort.«

Einer vom angepriesenen Personal war Peter Freudenthal, Mitarbeiter des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr. Freudenthal hat ein geschultes Auge dafür, welche Fahrzeuge unbeanstandet durch die Kontrolle kommen und welche nicht.

Bei einem Lkw, der mit technischen Gasen, abgefüllt in Metallflaschen, beladen war, sagt er bereits vor der ersten Kontrolle: »Nichts zu beanstanden.« Später stellte sich tatsächlich heraus, der Fahrer besitzt ein umfassendes Wissen zur Ladungssicherheit und hat dieses auch umgesetzt.

»Die Firma hat hier sehr viel Geld in die Hand genommen. Die Ladungssicherung ist durchdacht und nicht zu beanstanden«, lobte Freudenthal.

 

Sondergenehmigung für Überlänge

 

Auch der Fahrzeugführer eines in Polen zugelassenen, mit Baustahlstäben beladenen Lkw hatte alles richtig gemacht. Für die Überlänge des Sattelzuges (20,30 Meter) lag die entsprechende Sondergenehmigung vor, die Ladung war entsprechend den Bestimmungen gesichert, wie Polizeihauptkommissar Mario Döring erzählte.

Doch dann wurde das Fahrzeug zur Radlastwaage geschickt. Der Weg dorthin musste rückwärts zurückgelegt werden. Das stellte für den versierten Fahrer kein Problem dar. Beim Wiegen wurde dann allerdings festgestellt: um 250 Kilogramm überladen.

 

Den Experten entgeht nichts

 

Doch Franz Kesselheim, einer der Sachverständigen, winkte ab: »Alles im grünen Bereich. 250 kg, das ist doch gar nichts.« Bei 40 Tonnen Gesamtgewicht sind das etwas mehr als 0,6 Prozent – mehr nicht. Der Lkw aus Polen durfte weiterfahren.

Die Beamten führten die Kontrollen mit Akribie durch. Ihnen entging nichts. Auch nicht, dass ein Sattelzug am hinteren Ende der Aufbauten eine Höhe von 4,04 Metern, und nicht die angegebenen 3,99 Metern aufwies.

»Das ist noch in der Toleranz«, sagten die Kontrolleure und gaben grünes Licht zur Weiterfahrt. Der Fahrer nahm es zur Kenntnis, stieg in sein hoch gelegenes Führerhaus und brauste im Dunkel der Nacht davon.

Der Fahrer aus Russland mit den heißen und abgefahrenen Reifen musste sich dagegen um einen neuen Vorderreifen bemühen, ehe er seine Fahrt fortsetzen konnte.

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