03. November 2017, 10:00 Uhr

Pfusch an der CBES?

Pfusch am Bau? CBES-Lehrer schlagen Alarm

Schimmelflecken an der Wand, provisorische Wasserrinnen und Luftentfeuchter im Dauerbetrieb - das Haus A der Clemens-Brentano- Europaschule in Lollar ist eine Dauerbaustelle. Unhaltbare Zustände, sagen Lehrer.
03. November 2017, 10:00 Uhr
Seit Sommer 2016 laufen die Bauarbeiten am Haus A der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar. Nun hat sich durch einen Wasserschaden auch noch Schimmel im Gebäude gebildet. (Foto: edg)

Das Verwaltungsgebäude der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) in Lollar steht seit vorgestern leer. Wo sich vorher Lehrer und Schüler aufhielten sind jetzt Wasserflecken an der Wand, Konstruktionen aus Klebeband und Folie leiten Wasser von der Decke in Papierkörbe und Lufttrockner summen. Durch die Baustelle am Haus A war durch das offene Dach mehrmals Wasser eingedrungen und ließ teilweise giftige Schimmelpilze wachsen. Sekretariat, Lehrerzimmer und Kunstunterricht wurden in andere Gebäude der Gesamtschule verlegt – und stellen dort die Raumplanung auf den Kopf. Vertretungspläne, Krankmeldungen und Anrufe konnte das Sekretariat zeitweise nicht abwickeln. 130 Lehrer teilen sich ein Klassenzimmer als Lehrerzimmer.

Solch eine Baustelle wie an diesem Gebäude habe ich in meiner sechsjährigen Tätigkeit noch nicht erlebt

Dr. Christiane Schmahl, Erste Kreisbeigeordnete

Die Lehrer kritisieren die Situation als unhaltbar und schwere Beeinträchtigung für den Schulbetrieb und verlangten vom Kreis Gießen als Schulträger und Bauherr, zu handeln. »Die Arbeitsbedingungen sind nicht haltbar. Wir können die Qualität so nicht weiter leisten«, sagt Martin Saul, Leiter der gymnasialen Oberstufe. Die Personalversammlung der Schule hatte nahezu einstimmig beschlossen, die Presse zu kontaktieren, und gestern auch die Erste Kreisbeigeordnete Dr. Christiane Schmahl nach Lollar eingeladen.

»Solch eine Baustelle wie an diesem Gebäude habe ich in meiner sechsjährigen Tätigkeit noch nicht erlebt«, sagte Schmahl bei einem Treffen mit Schulleitung, Personalrat und Schülervertretern. Hier habe es allerlei Pleiten, Pech und Pannen gegeben. Sie entschuldigte sich als Vertreterin des verantwortlichen Bauherren für die Verzögerung der seit 2016 laufenden Bauarbeiten.

Giftiger Schimmel im Sekretariat

Im Frühjahr war zum ersten Mal Regen durch das offene Dach in das Gebäude geflossen. Ein bei Bauarbeiten zur energetischen Gebäudesanierung an Fassade und Dach entstandener Spalt sei von der zuständigen Firma mit Folie zugetackert worden, erklärt Schmahl. Das habe dem Regen nicht standgehalten. »Das Wasser ist in Strömen an den Fenstern und Wänden hinuntergelaufen«, sagt CBES-Lehrer Helmut Dietrich über den Wassereinruch im September.

Als auch noch die Heizung defekt war, wurde zuerst im Lehrerzimmer Schimmel entdeckt und später auch in anderen Räumen. Im Sekretariat fanden vom Kreis Gießen beauftragte Experten sogar giftige Sporen. »Ich hatte eine allergische Reaktion auf den Schimmel«, sagt Lehrerin Irene Viganô. Nach Aussagen von Schmahl stehen die Ergebnisse einer flächendeckenden Untersuchung des Gebäudes auf Schimmelsporen stehen noch aus. Bislang gebe es jedoch keine erhöhte Zahl an Krankmeldungen unter den Lehrern, sagte der stellvertretende Schulleiter Norbert Panz. Er zog vorgestern als Letzter aus dem Haus A in einen Ersatzraum um.

Eltern- oder Schülergespräche in einem Großraumbüro zu führen, ist inakzeptabel

Dagmar Lengler, Leiterin des Realschulzweigs der CBES

Derzeit teilen sich die Lehrer einen rund 60 Quadratmeter großen Raum. Die zwei Lehrerzimmer mit Besprechungsräumen im Haus A maßen über 250 Quadratmeter. »Eltern- oder Schülergespräche in einem Großraumbüro zu führen, ist inakzeptabel«, sagte Dagmar Lengler, Leiterin des Realschulzweigs. Viele Lehrer würde daher in den Pausen in den Klassenräumen bleiben oder zu Hause arbeiten. Dadurch sei die Kommunikation unter Lehrern und mit Schülern eingeschränkt.

Baufirmen aus Berlin und Spanien beteiligt

»Ich wusste bis gestern gar nicht, wo das Lehrerzimmer jetzt ist«, sagte Schülervertreter Marian Moldenhauer. Gerade bei Rückfragen oder Abgabefristen könne das für die Schüler zum Problem werden.

Schmahl wollte sich gestern nicht auf einen Zeitpunkt für den Abschluss der Bauarbeiten festlegen, trotz der Forderung von Schulleiter Panz. Ein großes Problem sei, dass die beauftragten Baufirmen volle Auftragsbücher hätten und Aufträge vor sich herschieben würden.

Derzeit arbeitet an der energetischen Gebäudesanierung eine Firma aus der Nähe von Berlin, die wiederum einen Subunternehmer aus Spanien beauftragt habe. Schmahl versprach zu prüfen, ob für die Dacharbeiten Notfallregelungen greifen und eine weitere Firma beauftragt werden könne.

Info

Bauarbeiten am Haus A

Die Bauarbeiten am Haus A laufen seit dem Beginn der Sommerferien 2016. Die energetische Sanierung von Dach, Fenstern und Fassade plante der Landkreis Gießen bis zu den Sommerferien abzuschließen. Es wurde aber kurzerhand umgeplant, da zusätzliche Gelder aus einem kommunalen Investitionsprogramm den Ausbau der Aula im Zentrum von Haus A auf 300 Quadratmeter ermöglichten. Spatenstich war fortan für Oktober angesetzt. In dem 1350 Quadratmeter großen Haus A sind Schulleitung, Lehrerzimmer, Sekretariat, Aula und Räume für den Kunstunterricht untergebracht.

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