25. April 2017, 13:05 Uhr

Windkraft

Oberhessen-Jäger höchst besorgt

Der Arbeiten am Windpark Grünberg schreiten voran, und die Oberhessen-Jäger sehen ihre Bedenken noch übertroffen: »Keiner fragt, ob das noch zu verantworten ist.«
25. April 2017, 13:05 Uhr

Von Constantin Hoppe , 7 Kommentare
Das Interesse an den Windkraftbaustellen ist hoch, an der Wanderung der Jägervereinigung nehmen rund 80 Menschen teil. (Fotos: con)

»Das Ausmaß der Zerstörungen hat unsere Prognosen noch um einiges übertroffen.« Mit diesen Worten beschrieb Helmut Nickel, Vorsitzender der Jägervereinigung Oberhessen, am Samstag den Sachstand an den neu entstehenden Windkraftanlagen. Derzeit werden im Stadtwald zwischen Grünberg und Weickartshain drei Windräder aufgebaut. Die Jägervereinigung Oberhessen hatte zu einer Begehung der Baustellen eingeladen, um sich ein Bild von den Arbeiten zu machen. Dass das Thema derzeit die Menschen sehr bewegt, konnte man an der großen Zahl von rund 80 Teilnehmern erkennen.

Riesige Lücken im Wald

»Auch das Argument, man könnte die Baustellen auf bereits bestehenden Waldwegen befahren, hat sich letztlich nicht bewahrheitet«, erklärte Nickel. Neue Wege und dadurch weitere Zerstörungen des Waldes seien die Folge. »Der Natur- und Artenschutz wurde hier regelrecht ausgehebelt«, sagte der Chef der Jägervereinigung. Dies zeige sich auch daran, dass die Winterquartiere mehrerer Haselmäuse zerstört wurden. Die »Vergrämung« der in Deutschland streng geschützten Haselmaus sei »ein schwerer Verstoß gegen das Arten- und Tierschutzgesetz«, sagte Nickel. Nur schaue hier kein Staatsanwalt vorbei. Dass ein Habitatbaum gefällt worden sei, war ein weiterer Kritikpunkt.

»Heute befinden wir uns in einem Industrieareal, das sich von anderen Industriegebieten nur dadurch unterscheidet, dass hier noch ein paar Bäume stehen«, sagte Nickel.

Riesige Lücken haben sich im früher dichten Wald aufgetan, es gibt neue Wege, über die die Maschinen fahren können, und an einer der Baustellen hat sich bereits ein gewaltiges Loch aufgetan, in dem das Fundament für eine der Anlagen seinen Platz finden soll.

»Bei diesem Lärm, bei dieser Umweltzerstörung und Lebensraumzerschneidung droht höchste Gefahr für den Artenschutz«, meinte Nickel. So sei doch bekannt, dass gefährdete Vogelarten wie der Rotmilan auch im Wald auf Flächen rund um Windräder jagen würden. »Und dennoch wird hier weiter munter genehmigt und gebaut, ohne zu hinterfragen, ob dies noch zu verantworten ist.« Schließlich verwies er auf neuere Studien, die die Gefahren des Infraschalls für die menschliche Gesundheit belegten. Mit Hinweis darauf, so sein Appell, sollten die Teilnehmer bei den Politikern auf eine Richtungskorrektur drängen.

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