14. November 2018, 09:53 Uhr

TV-Produktion

Neue ZDF-Serie: So sieht ein Drehtag in der Licher Brauerei aus

Drei Tage lang hat eine Filmcrew für die ZDF-Serie »Die verlorene Tochter« in der Licher Brauerei gedreht. Und das bei laufendem Betrieb. Ein Ortsbesuch.
14. November 2018, 09:53 Uhr
Im Rampenlicht: Für drei Tage wird die Brauerei in Lich zur Kulisse für eine Mini-Fernsehserie. (Foto: Licher Privatbrauerei/pm)

Der Schriftzug »Gemser Bräu« prangt auf großen Flaggen vor der Brauerei in Lich, auch Bierflaschen, -kästen und Gabelstabler sind feinsäuberlich umetikettiert. Hat hier über Nacht eine feindliche Übernahme stattgefunden, hat sich die Privatbrauerei eine neue Marke verpasst? Weit gefehlt. Für drei Tage haben sich bei dem Traditionsunternehmen Dutzende Kameraleute, Requisiteure, Ton- und Lichttechniker, Schauspieler und andere Gewerke eingenistet.

Die Produktionsfirma X-Filme hat mit dem Licher Unternehmen einen »Motivgebervertrag« ausgehandelt. Für eine sechsteilige Mini-Serie im Auftrag des ZDF wird die Brauerei zur Kulisse für eine Geschichte, die im Brauereigewerbe spielt.

Auf der Suche nach einem Drehort, der Traditionalität ausstrahlt, war man in Mittelhessen fündig geworden. Nach einer Etappe am Edersee machte die Crew nun im Kreis Gießen Station. Am Montag, dem dritten und letzten Drehtag vor Ort, durfte auch die Presse sich einen Eindruck verschaffen.

 

Der große Andrang Schaulustiger bleibt aus

Vor dem Werkstor bleiben ab und an Passanten stehen, doch der ganz große Andrang Schaulustiger bleibt aus. »Im besten Fall wissen die Leute nicht, dass wir kommen – und bis sie es gemerkt haben, sind wir schon wieder weg«, sagt Michael Polle und lacht.

Er ist Produzent der Serie, ist inhaltlich und wirtschaftlich maßgeblich verantwortlich. Während allenthalben einigermaßen hektisches Treiben herrscht, wirkt Polle recht entspannt. Am Set sind andere am Ruder, Polle verschafft sich hier gern einen Eindruck, schaut mal hier, mal dort vorbei. Und sollte es irgendwo haken, muss er schnell Lösungen finden.

»Einfluss nehme ich beim Dreh vor Ort nicht, man stimmt sich im Vorfeld über viele Dinge genau ab und spricht anschließend über die Muster der Drehtage, das gedrehte Material«, erklärt Polle. »Film ist immer absolute Teamarbeit.«

 

Produzent Polle:  »Jeder weiß, was er zu tun hat«

Wer nicht »vom Film« kommt, könnte hier den Eindruck gewinnen, dass Chaos herrscht. Im Brauereigebäude, neben einem Indoor-Biergarten, wird eine Podiumsdiskussion inszeniert. Doch bevor die Schauspieler und Komparsen im Publikum ihre Plätze einnehmen können, sind Techniker gefragt: Oben an den Traversen hängen sie Lampen auf, unten werden Tische umher geschoben, Kameras und Spots ausgerichtet.

Wo man auch steht – man hat immer das Gefühl, im Weg zu sein. »Am Set mag alles auf den ersten Blick chaotisch wirken, aber jeder weiß, was er zu tun hat«, sagt Polle, der auch einer der Produzenten der Erfolgsserie »Babylon Berlin« ist.

Im Hof der Brauerei stehen sich schick gekleidete Menschen die Beine in den Bauch – Komparsen, die bei großen Produktionen stets dazugehören. Für sie bringt ein Drehtag auch Leerlauf mit sich. Doch die Hoffnung, sich bei der Ausstrahlung im TV selbst zu sehen, entschädigt für vieles.

 

Ein paar Minuten Film Ausbeute eines Drehtages

Während Hauptdarsteller Christian Berkel für die Diskussions-Szene hereinkommt und noch schnell ein Telefonat beendet, liegt der Geruch von Malz in der Luft. Der Dreh findet bei laufendem Betrieb statt – für die Brauerei- wie die Filmcrew ist das eine Herausforderung. Welche Räume wie genutzt werden dürfen, ist vertraglich genau festgelegt.

Eine kurze Sprechprobe, dann herrscht plötzlich Stille. Der Dreh beginnt »Und bitte!«, hallt es durch den Raum. Die Podiumsdiskussion, deren Wortbeiträge schon vorher feststehen, setzt ein. Berkel alias Brauereichef von Gems erntet bestellten Applaus, wie ihn sich Gäste in Polit-Talkshows nur wünschen können.

Mitunter sind ein paar Minuten Film die Ausbeute eines ganzen Drehtags. Und was alles hinter der Kamera passiert, lässt sich als Fernsehzuschauer kaum erahnen: Haufenweise Technik ist in mehreren 7,5-Tonnern auf dem Brauereigelände geparkt.

 

Sieben Jahre seit der ersten Idee

Einen Steinwurf entfernt, neben dem Licher Bahnhof, hat die Crew ihr Basislager aufgeschlagen. Die Mitarbeiter wohnen in Hotels, hier ist Platz für WC-Wagen, Maske, Logistik und mehr. In einem Wohnmobil sind Hunderte Kostüme an Stangen aufgereiht, auch da gilt es, den Überblick zu behalten.

Rund sieben Jahre sind seit der ersten Idee für die Serie vergangen. Und noch ist einiges zu tun. »Für uns als Produzenten ist der Prozess abgeschlossen, wenn es gesendet ist«, sagt Polle. Dann werden Crew und Technik schon längst irgendwo anders Station machen.

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