12. September 2018, 22:11 Uhr

»Nächstenliebe ist unser höchstes Gebot«

12. September 2018, 22:11 Uhr
»Wir bringen Licht und Wärme«: Gertraud Brühl, Barbara Alt und Anja Schwab (v. l.) organisieren, verwalten und betreiben den Besuchsdienst der evangelischen Kirchengemeinde Hungen. (Foto: dcg)

Vor etwas mehr als zehn Jahren fand Barbara Alt das alte Sparbuch der vergessenen Ottilien-Stiftung in einer Schublade der evangelischen Kirchengemeinde. Sie trieb die Idee voran, die Stiftung mit einem zeitgemäßen Zweck wieder aufleben zu lassen. Bis heute konnten über 30 000 Euro an Spenden gesammelt werden, um Bedürftigen mit dem ehrenamtlichen Besuchsdienst der Kirche in fast jeder Lebenslage Hilfe und Beistand zu leisten.

Ein Dienst ohne Grenzen

»Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir für die Menschen alles tun«, antwortet Anja Schwab auf die Frage, was zum Aufgabenbereich des Besuchsdienstes gehöre. »Ich habe mich einmal das ganze Wochenende um einen alleinstehenden Herren gekümmert und ihn versorgt. Er wurde am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen, seine Reha begann aber erst am Montag – da konnte ich ihn nicht alleine lassen« – alles sowohl freiwillig als auch ehrenamtlich, wie die ausgebildete Krankenschwester sagt. Egal ob es ein Einkauf ist, Hilfe im Haushalt oder Gesellschaft bei einer Tasse Kaffee: Der Besuchsdienst sei für jeden da, der jemanden braucht. »Der Dienst hilft vor allem da, wo staatliche Institutionen kaum präsent sind«, fasst Gertraud Brühl, Ratsvorsitzende der Ottilien-Stiftung, zusammen. »Es gibt viele merkwürdige Schieflagen, in denen Menschen manchmal sind. Umso wichtiger, dass es Menschen gibt, die ihnen mit anpackender Hilfe zur Seite stehen.« Die meisten Menschen, die besucht werden, seien älter und einsam oder brauchten Hilfe im Alltag. Auch junge und behinderte Menschen seien auf ihre Dienste angewiesen. Neben Schwab betreiben sieben weitere Ehrenamtliche den Besuchsdienst. In der Woche stehen durchschnittlich zehn feste Betreuungstermine an, dazukommen noch mehrere kurzfristige.

Unterstützt wird die ehrenamtliche Arbeit durch die Ottilien-Stiftung Hungen. Sie wurde nach Fürstin Ottilie zu Solms-Braunfels benannt, die vor ihrem Tod 1884 die dauernde Stationierung der Diakonisse in Hungen finanziell unterstützte. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Stiftung in Vergessenheit – bis Barbara Alt das Sparbuch 2008 wiederfand. Fortan bildete sie die treibende Kraft, um die Stiftung wiederzubeleben – mit Erfolg: Bis heute konnte das Anfangskapital von 2500 Euro durch Spenden auf über 32 000 Euro erhöht werden. Dem Besuchsdienst kommen davon die jährlichen Zinsen dieses Kapitals sowie direkte Zustiftungen zugute. Diese Unterstützung werde genutzt, um kleinere Unternehmungen der Besuchten zu finanzieren, die Ehrenamtlichen aus- und fortzubilden und deren Aufwände zu erstatten. »Die Menschen merken, wenn Gutes geschieht und honorieren das«, sagt Dr. Angela Stender von der AG der evangelischen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg.

Barbara Alt ist für die bisherige Unterstützung sehr dankbar, der Besuchsdienst sei jedoch auch nach 20 Jahren noch ausbaufähig: »Finanziell ist der vollzeitliche Besuchsdienst nicht umsetzbar, aber der Bedarf ist auf jeden Fall da.« Geld sei dennoch nicht das Wichtigste, wie die kirchliche Dekanin und Pfarrerin gegenüber dieser Zeitung betont: »Wenn jeder, der selbst nicht bedürftig ist, ein bisschen auf jemand anderes schaut, ist für die Nächstenliebe sehr viel getan. Das ist unser höchstes Gebot.«

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