30. Dezember 2018, 09:05 Uhr

Letzter Auftritt

Nach 111 Jahren: Der letzte Auftritt des Großen-Lindener Kirchenchors

Das war’s: Beim evangelischen Kirchenchor verschwinden die Liederbücher nun im Schrank. Seit Jahren fehlte Sängernachwuchs, nun trat der Chor zum letzten Mal auf.
30. Dezember 2018, 09:05 Uhr
Der evangelische Kirchenchor beim Gottesdienst am Zweiten Weihnachtsfeiertag – der vorletzte öffentliche Auftritt. Nach dem Silvestergottesdienst ist Schluss. (Foto: con)

Nach beinahe 112 Jahren ist Schluss: Der evangelische Kirchenchor in Großen-Linden stellt zum Jahresende seinen Betrieb ein – den 112. Geburtstag am 22. Januar wird man nicht mehr offiziell feiern. Grund für das Ende: die Überalterung der Mitglieder.

»Wir sind fast nur noch alte Leute«, erklärt der Schriftführer des Chors Wolfgang Müglich gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Wir können einfach nicht mehr.« Ein letztes Mal wird der Chor noch beim Silvestergottesdienst zu sehen und hören sein, ab dem 1. Januar ist dann Schluss. Auch Mitgliedsbeiträge werden nicht mehr erhoben. »Wir bedanken uns bei den passiven und den bis zuletzt aktiven Mitgliedern für ihre zum Teil langjährige Unterstützung. Gerne erinnern wir uns an die schönen und erfolgreichen Jahre«, teilte die Vorsitzende des Chors Elisabeth Müglich den Mitgliedern schriftlich mit.

 

Ein Chorleitet seit 45 Jahren im Amt

Der evangelische Kirchenchor pflegte über ein Jahrhundert lang die geistliche und weltliche Chorliteratur. Aber auch die Gemeinschaft miteinander war immer sehr wichtig. Unter der Leitung seines letzten Chorleiters Helmut Haub aus Nieder-Weisel trat der Chor bei den großen Festen des Kirchenjahres, aber auch zwischendurch immer wieder auf.

Gegründet wurde der Kirchenchor am 22. Januar 1907 von Pfarrer Otto Schulte und dem ersten Chorleiter Wilhelm Schättler. Der evangelische Kirchenchor war der erste, in dem sowohl Männer als auch Frauen singen durften. Bereits 1907 erfolgte das erste gemeinsame Konzert mit den Chören der »Harmonie« und des »Germania«, das damals von 563 Personen besucht wurde.

 

Ensemble wird bei Konzerten fehlen

111 Jahre mit zahllosen Auftritten im Gottesdienst und bei Festen folgten. Immer wieder nahm man auch an großen Konzerten anderer Gesangvereine teil. So war man beispielsweise auch immer wieder ein gerngesehener Gast beim Stiftungsfest des Gesangvereins Germania Großen-Linden: Hier wird man auf jeden Fall in Zukunft fehlen, wie auch »Germania«-Schriftführer Ulrich Heymann beim diesjährigen Stiftungsfest bemerkte: »Der evangelische Kirchenchor fehlt ab dem nächsten Jahr dann nicht nur uns, sondern auch den Besuchern der Gottesdienste.«

 

Auftritt in der Gedächtniskirche

Ein Höhepunkt im Laufe der Jahre war der Besuch in Berlin mit Auftritt in der Gedächtniskirche. Bemerkenswert war auch die Freundschaftlichen Bande mit dem Orthodoxen Kirchenchor von St. Nikolai aus Brest in Weißrussland. Der erste Besuch des Chors 1994 in Linden ist Müglich noch gut in Erinnerung: »Wir haben sie damals eingeladen – das war natürlich ein ganz anderes gesangliches Niveau als bei unserem Chor.«

In über 110 Jahren gab es nur vier Chorleiter. Seit 1974 – fast 45 Jahre – führte Helmut Haub den Chor bei Auftritten an. »Ohne ihn wären die Auftritte schon lange nicht mehr möglich gewesen«, sagt Müglich.

Das Ende des Chorbetriebes bedeutet aber nicht unbedingt das endgültige Aus: Sollten sich genügend sangeswillige Personen zusammenfinden, könnte der Chor wieder aktiv werden. Die Aufgabe des Kirchenchors soll ab nächsten Jahr teilweise der vor neun Jahren gegründete Gospelchor der Gemeinde übernehmen.

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