12. Mai 2018, 18:00 Uhr

Busticket

Mit günstigem Ticket zum MedZentrum und Edeka?

Mit dem Linienbus zum MedZentrum und zurück zu fahren, kostet Allendorfer vier Euro. Die BfA/FDP will das durch Verhandlungen ändern. Doch der RMV sieht kaum Spielraum.
12. Mai 2018, 18:00 Uhr
Zwar sind mit Edeka-Markt und Ärztehaus nun einige Anlaufstellen am Ortsrand von Allendorf vereint. Doch für einige Anwohner ist der Weg zum Arzt weiter geworden. (Foto: ldt)

Mehrere Arztpraxen, Apotheke, Fitnessstudio – das MedZentrum am Ortsrand von Allendorf Richtung Treis vereint mehrere Anlaufstellen in einem Haus.

Ein Nachteil: Für manche Bewohner ist der Weg nun etwas länger geworden, denn vorher befanden sich zwei Arztpraxen und die Apotheke in oder nahe der Bahnhofstraße, also zentraler gelegen.

Gerade manch ältere Kernstadt-Allendorfer, die nicht mehr gut zu Fuß sind und kein Auto fahren, sind nun mehr als zuvor auf den Bus angewiesen. Egal, ob man in der Londorfer, der Nordecker, der Bahnhofstraße oder in Climbach, Nordeck oder Winnen einsteigt: Eine innerörtliche Fahrt mit der RMV-Linie 371 kostet 2,05 Euro – für eine Strecke.

 

"Zusätzliche finanzielle Belastung vermeiden"

Mit einem Antrag will die BfA/FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung das nun ändern. Der Magistrat soll beauftragt werden, »zur nächsten Tarifänderung im Januar 2019 beim RMV darauf hinzuwirken, dass für die innerörtliche Busfahrt in der Kernstadt zum Ärztehaus und zurück ein kostenfreies beziehungsweise Niedrigpreisticket eingeführt wird«, schreibt die Fraktionsvorsitzende Brunhilde Trenz im Antrag.

Die Begründung verweist auf die Verlegung von Apotheke und Arztpraxen in das MedZentrum. Durch Verhandlungen mit dem RMV solle »eine zusätzliche finanzielle Belastung« vermieden beziehungsweise »so gering wie möglich« gehalten werden.

Klar ist: Einzeltickets sind teurer als Fahrkarten für längere Zeiträume. Eine Monatskarte für Senioren kostet für Fahrten innerhalb der Kommune Allendorf laut RMV 37,30 Euro. Wer zehnmal pro Monat zum MedZentrum und zurück fährt, spart damit gegenüber Einzeltickets zumindest etwas Geld.

 

RMV sieht keinen Spielraum

Geht es nur um einzelne Tage, dann ist eine Tageskarte für vier Euro die günstigste Option. »Das ist mit einer kleinen Rente nicht unerheblich«, findet Bürgermeister Thomas Benz (FW). Doch er ist skeptisch, was die Umsetzung eines günstigeren Bustickets betrifft. Mit dem Staufenberger Busunternehmen Erletz, das für den RMV durchs Lumdatal fährt, habe er bereits gesprochen. Die Preisgestaltung sei Sache des RMV, habe es dort geheißen.

Der RMV sieht indes keinen Spielraum, auf eigenes Budget Tickets zu vergünstigen. »Grundsätzlich können Kommunen niedrigere Tarife als den RMV-Tarif umsetzen, sofern sie die geringeren Einnahmen ausgleichen«, antwortet der Verkehrsverbund auf Anfrage der Allgemeinen.

Der RMV selbst habe »keine Spielräume für reine Preisreduktionen«, schreibt die Pressestelle. »Sofern neue Angebot durch eine entsprechende Anzahl neuer Fahrgäste die Einnahmenausfälle ausgleichen, führen wir diese gerne ein«.

 

Ehrenamt als Alternative?

Einige Kommunen organisieren die öffentliche Personenbeförderung auf eigene Faust – zumindest tageweise. In Staufenberg fährt donnerstags der Bürgerbus aus den Stadtteilen zur »Vitalen Mitte«.

Seit ein paar Wochen gibt es auch eine Tour von Treis zum MedZentrum in den Nachbarort Allendorf. Für eine Fahrt zahlen die Fahrgäste, fast ausschließlich Senioren, einen Euro. Die Fahrer arbeiten komplett ehrenamtlich. Ohne das unentgeltliche Engagement wäre diese freiwillige Leistung der Stadt Staufenberg kaum denkbar.

Zwar gibt es auch in Allendorf ein »City Mobil«. Mit dem Kleinbus werden junge Einwohner in den Kindergarten gebracht. Für Fahrten älterer Allendorfer wird das Fahrzeug aber nicht genutzt. Bürgermeister Benz verweist auf einen Fahrservice für Kunden, den der nahe dem Ärztehaus gelegene Edeka-Markt anbiete.

»Wenn ein Ehrenamtlicher zu mir kommt, würde ich diese Möglichkeit natürlich besprechen«, sagt Benz. Doch bislang hat in Sachen Bürgerbus offenbar noch niemand bei ihm angeklopft.

 

Info

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund

Seit 1995 organisiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) den öffentlichen Personennahverkehr in einem Großteil von Hessen, auch im Landkreis Gießen. Gesellschafter der GmbH sind 15 Landkreise und 11 Städte. Insgesamt kostet der Betrieb von rund 1000 Bus- und Bahnlinien im Verbundgebiet jährlich rund 1,6 Milliarden Euro. Laut RMV werden 56 Prozent der Kosten aus Fahrgelderlösen finanziert, der Rest aus öffentlichen Mitteln.

Kommentar von Jonas Wissner

Wer soll das bezahlen?

Mit ihrem Antrag für ein Ortsticket bringt die BfA/FDP-Fraktion im Stadtparlament einen wunden Punkt im ÖPNV aufs Tableau: Wer innerorts auf Kurzstrecken Bus fährt, muss dafür verhältnismäßig viel zahlen. Es ist gut, wenn die hohen Preise für kurze Fahrten zum kommunalpolitischen Thema werden. Doch in dieser Form dürfte der Antrag, selbst wenn er eine Mehrheit finden sollte, wenig ändern: Der RMV, verantwortlich für die Preisgestaltung, sieht keinen Spielraum und spielt den Ball in die Kommune zurück. Der ÖPNV ist in aller Regel ein Zuschussgeschäft. Um Fahrgästen ein vergünstigtes »MedZentrum-Ticket« anzubieten, müsste die Stadt Geld ausgeben – und als klamme Kommune an anderer Stelle sparen. Ein Rechenbeispiel: Würde die Stadt ein Einzelticket um einen Euro vergünstigen, entstünden bei 100 Nutzern, die einmal pro Woche hin und zurück fahren, Kosten von gut 10 000 Euro. Es wäre ein lokales Steuergeschenk, von dem vor allem Senioren profitieren würden. Das ist möglich, bedarf aber politischen Willens und will gut begründet sein. In vielen Großstädten gelten für Kurzstrecken ermäßigte Preise. In kleinen Orten, auf denen Kurzstrecken noch viel kürzer sind, wird darüber bisher zu wenig nachgedacht. Wenn sich Kommunen zusammentun, kreative Lösungen finden, sich vielleicht auch der Kreis als RMV-Gesellschafter des Themas annehmen würde, ließe sich wohl mehr erreichen.

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