08. September 2018, 11:20 Uhr

Gartenmesse

Mit Sumpfholzvasen häuslich werden

Veranstaltungen rund ums Grün boomen. Zum »Herbstzauber« in Laubach werden über 10 000 Besucher erwartet. Für den Veranstalter hat das auch was mit Donald Trump zu tun.
08. September 2018, 11:20 Uhr

Und das nicht nur, weil Herbstzeit Pflanzzeit ist: Ob »Gartenmesse« oder »Landhaustage«, alle Veranstaltungen rund ums Grün boomen.

Zu besichtigen ist das seit nunmehr 14 Jahren schon in Laubach. Den Vorreiter machte Anfang der Nullerjahre »La Villa Cotta«, im Jahr 2008 folgte dann ein zweiter privater Veranstalter, die Eventagentur »Evergreen«.

Seit dem   Freitag laden die Kasseler wieder zum »Herbstzauber« auf Schloss Laubach, und sofern Petrus mitspielen sollte, dürften es wieder weit über 10 000 Besucher sein.

Sie alle kann es nicht schrecken, immerhin 9 Euro an der Kasse zu berappen, um anschließend etwas kaufen zu dürfen. Oder aber sich inspirieren zu lassen, an den rund 110 Ständen Ideen für neue Projekte zum Selbermachen »abzugreifen«.

 

Rückzug ins Private

 

Besagten Boom der Gartenmessen führen Soziologen auf sogenanntes »Cocooning« zurück. Der eine oder andere fasst es als Rückzug ins Private, mal mit mehr, mal mit weniger kritischem Unterton.

Die Erklärung für den Erfolg der Gartenmessen teilt Francesco Henning, Projektleiter bei »Evergreen«. In diesen unsicheren Zeiten, spielt er auf Trump, Kim Jong-un und Putin an, wünschten immer mehr Menschen, häuslich zu werden. Sich sozusagen in den eigenen vier Wänden einen Kokon zu schaffen, fern der rauen Welt da draußen. Henning: »Nachdem man sich in seinem Heim eingerichtet hat, folgt als nächstes der Garten. Das merken wir alle in unserer Branche.«

 

»Igelgurken« und »Greisenhaupt«

 

Der Erfolg freilich komme nicht allein. Gut, das starke Pfund, mit dem der »Herbstzauber« wuchern kann, war schon da. Gemeint ist natürlich das exklusive Ambiente für besondere Einkaufserlebnisse. Die Kulisse des Schlosses allein ist ein starker Magnet.

Wie Henning anfügt, achte man auf eine passende, das heißt ansprechende Warenpräsentation: Ein altes verlottertes Zelt als Regenschutz für hochpreisige Gartengefäße, das kommt nicht infrage.

Als weiteren Garanten für die jährlich wiederkehrenden Besuchermassen in Laubach sieht der Projektleiter die Qualität des Angebotes.

Das schätzten die Kunden, dieser Erwartung müsse man gerecht werden. Dass viele Händler Stammgäste seien, ihren Stammplatz hätten, sei ein Argument für den »Herbstzauber.«

Viele Kunden kennen den Mann hinter der Verkaufstheke, holen sich mal auch nur einen Tipp, wenn etwa der Frühjahrsblüher doch nicht geblüht hat.

Einige Anbieter kommen sogar aus dem benachbarten Ausland, vor allem natürlich Anbieter von Pflanzen, aus Belgien und den Niederlanden. Die dürften heuer besonders gute Geschäfte machen.

 

Jetzt ist Nachpflanzen angesagt

 

Nach dem äußerst trockenen Sommer ist Nachpflanzen angesagt. »Jetzt ist dafür der richtige Zeitpunkt«, weiß auch der Projektleiter. Neben der großen Auswahl an Pflanzen, von Amaryllis bis zu Solitärstauden, ist auf dieser Messe freilich noch viel mehr zu sehen.

Hochpreisige Schrottkunst etwa oder Dekoartikel im skandinavischen Shabby-Style. Dass es aber auch genug Angebote für den kleinen Geldbeutel gebe, betont Henning. Und ebenso sei vieles zu entdecken, was er oder sie mit handwerklichem Geschick selber machen kann.

Die »Living Walls« zählen dazu. Dunkel lasierte Rauspund-Bretter zusammenschrauben, das dürfte jede(r) hinkriegen. Davor hat der Anbieter eine Reihe dekorativer Schachtelhalm-Pflanzen platziert. Die Variante »Blumentöpfe mit Farnen« sieht auch schön aus.

 

Kakteen und Sukkulenten

 

»Die meisten wissen gar nicht, was das ist«, meint Marly Manders. Die Belgierin bietet ein paar Schritte weiter seltsam anzuschauende »Igelgurken« als Herbstdeko feil.

Derweil wartet Norman Pelz von der Gärtnerei Hellwag auf Liebhaber von tatsächlich stacheligen Gewächsen. Kakteen und Sukkulenten sind sein Metier, »Hasenöhrchen«, »Schwiegermuttersitz« und auch das exotische »Greisenhaupt« hat er im Angebot.

Am Ende sei noch die Neuheit »Sumpfholz-Vasen« vorgestellt: Das noch flüssige Glas wird hier direkt auf Sumpfhölzer geblasen, die Vase passt sich somit organisch den naturgegebenen Formen an. Wer’s mag, der dürfte auch in unseren Breiten damit häuslich werden. Eine Hauch Exotik gibt’s dazu, werden die Sumpfholz-Teile doch in Thailand produziert. 

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