Die Entscheidung, die der Gießener Kreistag 1961 fällen musste, fiel vielen nicht leicht: Doch der Beschluss, in Lich ein neues Kreiskrankenhaus zu bauen, hat sich längst als richtig erwiesen. 1968 wurde es eingeweiht. Jetzt feierte die Asklepios-Klinik Lich ihren 50. Geburtstag.

Als es um die Entscheidung für oder wider den Bau ging, befürchteten viele, dass das neue Kreiskrankenhaus das Aus für die kleinen Krankenhäuser der Umgebung bedeuten würde. »Aber damals erkannte man, dass die kleinen Kliniken die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht mehr aufrecht erhalten konnten«, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier am Samstag beim offiziellen Festakt.

Vier Millionen Übernachtungen

In den 1990er Jahren dann die nächste große Entscheidung: Sollte die Klinik privatisiert werden? Das Kreiskrankenhaus schrieb damals rote Zahlen und die Situation wurde immer schlimmer. Schließlich wurde klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. »Auch das war wieder eine Entscheidung, die nicht leicht war«, sagte Bouffier. »Kann man ein Krankenhaus und die Versorgung von Patienten in eine Beziehung mit Geld verdienen bringen?« Heute, über 20 Jahre später, stehe jedoch fest, dass auch diese Entscheidung die Richtige war: Man verzeichnet mehr Patienten und mehr Personal als jemals zuvor, und die Asklepios-Klinik hat sich mittlerweile einen guten Ruf weit über die Kreisgrenzen hinaus erarbeitet.

50 Jahre Asklepios Klinik Lich: Das sind rund 18 000 Tage Krankenhausbetrieb. Rechnet man mit einer durchschnittlichen Belegungszahl von 220 Betten am Tag, erhält man die beeindruckende Zahl von rund vier Millionen Übernachtungen seit den Anfängen des Krankenhauses. Besonders die Geburtshilfe der Klinik hat sich in den letzten Jahren einen mehr als nur guten Ruf erarbeitet und trägt seit 2015 das Qualitätssiegel als »babyfreundliches Krankenhaus«: Rund 1100 Geburten wurden hier 2017 verzeichnet.

Wie die Zukunft der Medizin aussehen könnte, weiß niemand sicher zu sagen. Aber für Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger steht eines fest: »In 50 Jahren werden sich die Menschen aus medizinischer Sicht mehr von uns unterscheiden als wir vom Neandertaler«. Zum Festakt gab er eine kleine Vorstellung einer möglichen Zukunft, die auf uns wartet: künstliche Körperteile, die Menschen geradezu zu »Cyborgs«, also Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine, machen könnten – etwa durch ein künstliches Herz und einen Körper voller Technik. Um sich diese Entwicklung vorstellen zu können, müsse man nur schauen, was sich in den letzten 50 Jahren alles verändert habe: »Als das Krankenhaus auf dem Höhlerberg entstand, flogen die ersten Menschen zum Mond – in Seifenkistenartigen Maschinen aus heutiger Sicht – und die erste Herztransplantation wurde durchgeführt«, sagte Grimminger.

Kurzfristig steht das nächste große Projekt bereits in den Startlöchern: Gemeinsam wollen die Stadt Lich und die Asklepiosklinik einen Kindergarten auf dem Klinikgelände einrichten. »Das ist auch ein guter Schritt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf«, erklärte Bürgermeister Bernd Klein.

Zur Feier des Jubiläums öffnete das Krankenhaus seine Pforten zu einem »Tag der offenen Tür«. Die zahlreichen Besucher konnten hautnah einen Einblick in die Arbeit der Ärzte und Krankenpfleger erhalten. Sie konnten selbst bei einer Leber-OP Hand anlegen oder andere OP-Techniken ausprobieren, in einen Alterssimulator schlüpfen oder vor dem Gebäude ein begehbares Modell eines Enddarms erforschen.

Eine Frage, die sich bestimmt schon viele Kinder gestellt haben, wurde ebenfalls beantwortet: Was ist in meinem Ü-Ei drin? Die Antwort ist ganz einfach, wenn man ein CT-Gerät hat: Mit diesem wurden in der Radiologie die Ü-Eier, aber auch mitgebrachte Teddys oder Puppen, untersucht und ihr Inneres sichtbar gemacht.

Die Licher Feuerwehr zeigte an einem Testfahrzeug, wie Verunglückte aus einem Auto befreit werden. Ein weiteres lehrreiches Spektakel für die großen und kleinen Besucher war der simulierte Transport eines Verletzten im Rettungshelikopter mit anschließender Versorgung im Schockraum.

»Tag der offenen Tür« an der Asklepios-Klinik Lich: Die Besucher können die Rolle eines Leber-Chirurgen schlüpfen oder ein überdimensionales Darmmodell erkunden. (Fotos: con)

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