04. Juli 2018, 11:01 Uhr

Kein Trinkwasser

Lollar rüstet sich für eine Nacht auf dem Trockenen

Von Mittwoch, 22 Uhr, bis Donnerstag, 6 Uhr, gibt es in Lollar kein fließendes Wasser. Was bedeutet das für Altenheime, das Bosch-Werk, die Feuerwehr und Privathaushalte? Lollar scheint sich einig: Alles kein Problem, wenn man Bescheid weiß.
04. Juli 2018, 11:01 Uhr
Eine Selbstverständlichkeit, von der sich Lollar für eine Nacht verabschieden muss: Leitungswasser. (Symbolfoto: fotolia/samopauser)

Es ist eine alltägliche Gewissheit, so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche: Wenn man den Hahn aufdreht, kommt Wasser raus. Dass hinter dieser zivilisatorischen Selbstverständlichkeit großer technischer Aufwand steckt, wird erst klar, wenn einmal kein Wasser läuft.

In der Lollarer Kernstadt wird das in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der Fall sein. Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens wird die Trinkwasserversorgung unterbrochen.

Der Grund: Einer der Hochbehälter, in denen Wasser für die Lollarer und Staufenberger Bevölkerung gespeichert ist, wird erneuert (siehe Info-Kasten). In mehreren Schritten wurden schon Teile ausgetauscht. Teils hat die Bevölkerung nichts davon mitbekommen, weil im laufenden Betrieb gearbeitet wurde.

 

Sanierung nach 50 Jahren

Doch der nun anstehende Rohrwechsel betrifft eine Leitung, an der ganz Lollar hängt, erklärt Marco Kirchner, Wassermeister beim Wasser-Zweckverband Lollar-Staufenberg (ZLS). Daher habe man die Bevölkerung informiert, dass in der Nacht auf Donnerstag kein Trinkwasser entnommen werden kann.

Wassermeister Kirchner mit den Teilen, die nun eingesetzt werden. 	(Foto: jwr)
Wassermeister Kirchner mit den Teilen, die nun eingesetzt werden. (Foto: jwr)

Dass alle paar Jahre Arbeiten an Wasserspeichern, Pumpen oder Leitungen anstehen, ist nicht ungewöhnlich. 50 Jahre nach seiner Inbetriebnahme ist nun auch der Hochbehälter »Weidhof« auf Staufenberger Grund an der Reihe, laut Kirchner das »Herzstück« der Wasserversorgung.

Es wird sicher Kritiker geben, aber das muss sein

Wassermeister Marco Kirchner

»Nach 50 Jahren sollte es selbstverständlich sein, dass man mal für eine Nacht kein Wasser hat«, findet der Wassermeister. »Es wird sicher Kritiker geben, aber das muss sein. Diesen Schritt können wir nicht im laufenden Betrieb machen.«

 

"Löschfahrzeuge sind immer vollgetankt"

Für Bürger ist diese Einschränkung überschaubar, Otto Normalverbraucher schläft nachts. Der Tenor auf Lollars Straßen: Zwar habe man von der Wasserabstellung teils noch nichts gehört, aber ein großes Problem sei das nicht.

Doch wie bereiten sich Organisationen und Betriebe vor, die auch nach Sonnenuntergang noch Wasser brauchen? Die Feuerwehr ist gewappnet. Kirchner konnte das auf ganz kurzem Dienstweg klären – er ist auch Stadtbrandinspektor. »Unsere Löschfahrzeuge sind immer vollgetankt«, sagt er.

Allein das große Tankfahrzeug fasse 5000 Liter. »Außerdem haben wir die Einsatzplanung angepasst, falls es zu einem Großereignis kommt, würden wir früher als sonst andere Wehren alarmieren.« Und notfalls könne man auch eine Verbindung zu Lumda oder Lahn schaffen, um an Löschwasser zu gelangen.

 

AWO und Bosch bleiben gelassen

Auch im AWO-Pflegeheim sieht man der trockenen Nacht nüchtern entgegen. Wenn die Frühschicht mit der Grundpflege der Bewohner beginnt, sollte das Wasser schon wieder laufen. Erst dann habe man erhöhten Bedarf, sagt Heimleiter Daniel Viale.

Vorräte in Eimern werden in dem Pflegeheim nicht angelegt. Angesichts hoher Temperaturen wäre das ein hygienisches Problem wegen drohender Verkeimung. »Wir vertrauen auf Lollar, dass wir am Donnerstagmorgen wieder Wasser für Kaffee und Tee haben.«

Aus dem Bosch-Werk kommen ebenfalls entspannte Signale. Einer der Hochbehälter des ZLS mit 200 Kubikmetern Fassungsvermögen stehe dem Unternehmen zur Verfügung. Der Vorrat sollte für eine Nacht ganz locker reichen, ist am Werk zu hören. Auch in Restaurants ist von Alarmismus nichts zu spüren.

Die Lollarer sind optimistisch, getreu dem Motto: Das läuft schon – notfalls auch ohne Wasser.

Info

Darum wird die Leitung abgestellt

Zurzeit saniert der Zweckverband Lollar-Staufenberg (ZLS) den Hochbehälter Weidhof von Grund auf. Dort werden in zwei Kammern je 1,2 Millionen Liter Wasser gespeichert. Nach der Erneuerung der Kammern und der Außenabdichtungen werden in der Nacht auf Donnerstag die Zu- und Ableitungen getauscht. Laut ZLS wäre dies unter den Druckverhältnissen im laufenden Betrieb nicht möglich, daher wird die Trinkwasserversorgung in Lollar (Kernstadt) für eine Nacht unterbrochen. Gegen 6 Uhr sollte am Donnerstag wieder Wasser fließen. Allerdings könne es, etwa wegen Luft in den Leitungen, auch am Donnerstag noch zu Störungen kommen. (jwr)

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