29. August 2018, 22:16 Uhr

Löschen wie vor 120 Jahren

29. August 2018, 22:16 Uhr
Ohne viele tatkräftige Hände an der Pumpe wird es nichts mit dem Feuerlöschen. Mangels Hydranten musste das Wasser damals noch per Eimerkette zur Pumpe geschafft werden. Da half die gesamte Bevölkerung mit. (Foto: rge)

Pohlheim (rge). Die Feuerlöschspritze der Holzheimer Wehr aus dem Jahr 1899 hatte zwar einige Anlaufprobleme, bis es »Wasser marsch!« heißen konnte, aber mit vereinten Kräften der in damaliger Kleidung ausstaffierten Feuerwehrleute der aktuell 20-köpfigen Einsatzabteilung gelang die historische Übung. Dafür gab es Beifall der vielen Zuschauer.

Damals wie heute gab es nach der Sirenenalarmierung dafür Unterstützung von den Gambacher Feuerwehrleuten. Sie waren mit ihrem Spritzen-Museumsstück aus dem Jahr 1902 beim Tag der Feuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Holzheim ebenfalls in traditioneller Nachbarschaftshilfe angetreten.

Seit 80 Jahren gibt es in Holzheim die Freiwillige Feuerwehr mit Einsatzabteilung, seit 45 Jahren die Jugendfeuerwehr mit aktuell 12 Jugendlichen, sagte Wehrführer Matthias Jung. Lob gab es von Ortsvorsteher Ulrich Engel an die Wehrleute für ihre ehrenamtliche Arbeit zum Schutz und Sicherheit der Menschen.

Der reihte sich auch selbst während der Übung in die Eimerkette ein und transportierte entsprechend mit weiteren Helfern von Hand zu Hand das Wasser zum vermeintlichen Brandherd in der Beune. Die gemeinschaftliche Bürgerhilfe war im 19. Jahrhundert auch nötig, denn es waren nur wenige Brunnenstellen im Ort vorhanden. Hydranten und Pumpen gab es zunächst nicht und erst im Jahr 1955 wurde Holzheim ans Wassersystem mit Leitungen angeschlossen. Schon im Mai 1892 war allerdings die »Pflichtfeuerwehr« Holzheim zur »Brandhülfe« mit Gambach auf Gegenseitigkeit durch das »Großherzogliche Kreisamt Gießen« aufgefordert worden – die Zusammenarbeit währt also bereits seit 126 Jahren.

1899 gab es technische Unterstützung und es wurde die erste Holzheimer Feuerlöschspritze angeschafft. Die kostete die kleine Gemeinde 1500 Reichsmark – ein kleines Vermögen für die damaligen Verhältnisse. Geliefert wurde das technische Meisterstück von der bei der Weltausstellung 1894 in Antwerpen für ihre Geräte ausgezeichneten Aachener Firma Joseph Beduwe. Die Originalrechnung war im Spritzenhaus zu sehen.

 

Hanfschläuche nicht mehr dicht

 

Das diese Technik auch nach über einem Jahrhundert noch voll einsatzfähig ist, beweist, dass die Plakette der Weltausstellung wohl nicht unverdient war. Einzig die Hanfschläuche waren mittlerweile nicht mehr alle dicht. So spritzte das Wasser zur Freude der umstehenden Kinder aus einigen Löchern auf die Straße. Nach der historischen Übung gab es im Verlauf des Nachmittags noch eine Feuerwehrübung der Jugendfeuerwehr mit einem Mülltonnenbrand und Menschrettung.

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