06. September 2018, 13:46 Uhr

Autofrei

Laubach will Autos vom Marktplatz verbannen

Erinnert man sich früherer, teils heftiger Diskussionen und Protestevon Geschäftsleuten, so vollzieht Laubach einen durchaus historischen Schritt: der Marktplatz soll autofrei werden.
06. September 2018, 13:46 Uhr

Seit rund drei Jahren zählt Laubach zum Kreis der »IKEK«-Gemeinden. Übergeordnetes Ziel des Förderprogramms des Landes Hessen: »Stärkung der zentralen Funktionen der Ortskerne«. Inklusive Eigenanteil der Stadt stehen eine Million Euro für Maßnahmen bereit, die der Umsetzung eines »Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzeptes« dienen. 750 000 Euro oder 75 Prozent der förderfähigen Kosten steuert Wiesbaden bei.

 

Nicht ohne Verkehrsgutachten

 

325 000 Euro sind bereits verbaut oder verplant, knapp zwei Drittel davon fließen in das jüngst begonnene Projekt »Schlossparkkiosk«. Jetzt aber steht fest, wofür der große Rest, ja der dickste Batzen des Geldes, ausgegeben werden soll: Gemäß Empfehlung der IKEK-Steuerungsgruppe soll für »grob geschätzte« 500 000 Euro der Markplatz neu gestaltet werden – und künftig weitgehend autofrei sein.

Dafür spricht nicht nur das einmütige Votum der Bürger und Fraktionsvertreter in der IKEK-AG. Vielmehr die Zustimmung von SPD, CDU und FW in der Sitzung der Parlamentsausschüsse am Dienstagabend. Einzig BfL-Sprecher Hans-Georg Frank votierte mit Nein.

Um die Finanzierung dieses Kernstücks des Innenstadtentwicklungskonzeptes zu sichern, stimmten Finanz- und Sozialausschuss im Weiteren für eine Änderung der Prioritätenliste: Auf CDU-Antrag wurde der »Markplatz«, von der Steuerungsgruppe auf Rang 2 postiert, auf die »Poleposition« verschoben. Zweitplatzierter ist jetzt das Verkehrsgutachten mit erwarteten Kosten von 20 000 Euro. Dabei geht es um den fließenden wie auch den ruhenden Verkehr.

Apropos: Zur Diskussion stand am Dienstag der SPD-Antrag, eine zweite Ebene am Parkplatz Bahnhofstraße zu schaffen. Die Genossen begründeten dies mit der Erwartung, die Umgestaltung des Marktplatzes werde lange brauchen, zeitnah sollten daher Ersatzparkplätze geschaffen werden. Dies auch als »Signal« an Laubachs Gewerbetreibende. »Das wäre der dritte vor dem ersten Schritt«, hielt Björn Erik Ruppel mit Hinweis auf besagtes Gutachten dagegen. Die SPD stellte daraufhin ihren Antrag zurück.

 

Stadt prüft Erwerb von Immobilien rund um Marktplatz

 

Zurück zur IKEK-Prioritätenliste: Auf den weiteren Plätzen finden sich nun der barrierefreie Umbau des alten Feuerwehrhauses Gonterskirchen für Vereine und Privatpersonen (84 000 Euro), der Dorfplatz Lauter (Scheune inzwischen von Stadt gekauft; Abriss, Neugestaltung auf 475 000 Euro geschätzt) sowie Nutzungskonzepte (20 000 Euro) für die Gebäude Untere Langgasse 12 und Grünemannsgasse 13 (»Hochzeitshaus«), deren Ankauf durch die Stadt im Vorjahr beschlossen wurde und nun in Kürze ansteht.

Freilich: Die Mittel aus dem IKEK-Topf dürften spätestens nach dem Projekt »Feuerwehrhaus Goki« erschöpft sein, alles weitere wäre wohl ohne Zuschuss allein aus dem städtischen Etat zu finanzieren. Bürgermeister Peter Klug an die Mandatsträger: »Dann müssen Sie jeweils entscheiden.«

Bereits entschieden aber ist das Leuchtturm-Projekt »Marktplatz«. Die damit befasste IKEK-Arbeitsgruppe hat sich, auch nach Beratung mit örtlichen Experten, einstimmig für die von Planer Karl-Dieter Schnarr und der Verwaltung favorisierte Variante 2 ausgesprochen. Hiernach wird künftig eine große Fläche von Autokarossen freigehalten, neuer Raum mit »Aufenthaltsqualität«, etwa für Außenbewirtschaftungen, geschaffen. Der Kreisverkehr um die im Übrigen laut städtischem Gärtner noch gesunde Linde ist dann passé. Der Fahrstreifen zur Volksbank hin sowie zur Grünemannsgasse wird vom Fußgängerbereich abgesetzt. Näheres bleibt der Detailplanung vorbehalten.

Die Ausschüsse stimmten ebenso der Forderung der AG zu, für wegfallende Kurzzeitparker an der Linde Ersatz zu schaffen. Ein wesentlicher Punkt des Verkehrsgutachtens, das weitere Möglichkeiten für Stellflächen prüfen und auch die Aspekte »Barrierefreiheit« und »Radverkehr« beachten soll.

Zunächst nur zu prüfen hat die Stadtverwaltung – sofern auch dieser Antrag aus der IKEK-Steuerungsgruppe vom Plenum bestätigt würde – den Ankauf leerstehender Häuser am Marktplatz. Konkret geht es dabei um den »Ratskeller« (Erdgeschoss), den Ex-Schlecker und den Ex-»Nahkauf«.

So soll es bald nicht mehr sein: Autokarossen rund um die Marktplatzlinde in Laubach . (Foto: tb)

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