19. September 2014, 18:48 Uhr

Landrätin Anita Schneider spricht über zweite Kandidatur

Gießen (no). Im Sommer hatte Landrätin Anita Schneider – nicht ganz überraschend – eine für sie persönlich und daneben für ihre Familie durchaus bedeutungsvolle Entscheidung getroffen: Am 14. Juni 2015 will sie ein zweites Mal für die Spitzenposition im Landratsamt kandidieren, für eine zweite Amtszeit, die dann von Januar 2016 bis 2022 reicht.
19. September 2014, 18:48 Uhr
(Foto: pv)

Für einen Job, der fordernd sein kann und anstrengend, der unbedingt zeitaufwendig ist. Im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung beschrieb sie dieser Tage auf Burg Gleiberg unter anderem die Motive, derentwegen sie der Unterbezirksvorstand der SPD alsbald im Winterhalbjahr bei einem Parteitag für die erneute Kandidatur ins Rennen schicken will. Die Kernaussage kam dabei wie aus der Pistole geschossen: »Ich hab doch noch was zu tun«, sagte die 53- Jährige, die mit Mann und Tochter in Fronhausen wohnt. Solle heißen: Der Schreibtisch ist nicht weniger voll wie der Terminplan, und ohne alles erledigt zu haben, werde sie den Dienst nicht quittieren. Bekanntes Motto der gebürtigen Bergsträßerin: »Was man anfängt, sollte man zu Ende bringen!«

Über allem der ländliche Raum

Der Hinweis, dass sie »Spaß am Mitgestalten« habe und Freude daran, gesellschaftliche Prozesse und Initiativen voranzubringen, klingt noch wie ein Textbaustein aus dem Handbuch für politische Akteure. Was die Landrätin aber viel mehr beschäftigt, das ist die Geschwindigkeit des Lebens: »Wo ist die Zeit hin?« Es sei doch quasi erst gestern gewesen, dass sie – im Januar 2010 war’s – die Nachfolge von Willi Marx angetreten habe. »Das ist noch so präsent. Das kann doch nicht alles gewesen sein.« Doch, das kann – es sei denn, zunächst die Genossen und später die Wählerschaft in Stadt und Kreis Gießen stimmen einer Vertragsverlängerung zu. »Ich hab doch noch Ideen, will noch etwas auf den Weg bringen.« Nein, sechs Jahre seien »zu kurz, um zufrieden zu gehen. In dem Sinne, dass man meint, etwas geschafft zu haben«. Dabei, so gesteht sie, seien ihr die zu erwartenden sechs Jahre damals wie ein Berg vorgekommen, als sie 2008 im November vom Parteivorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel für eine erste Kandidatur präsentiert worden war. Damals, als die Aktienwerte der Hessen-SPD nach dem Ypsilanti-Debakel in den Keller gingen.

Schneider bleibt beim Geschwindigkeitsvergleich. »Schneller als gedacht« sei es gegangen, die Angst abzulegen, Verantwortung zu übernehmen, sie zu tragen und dabei sozusagen rund um die Uhr in der ersten Reihe zu stehen – und in der Öffentlichkeit. Das »hohe Stundenkontingent« sei weniger schlimm gewesen, damit habe sich gerechnet, sagt Schneider, die einräumt, »ein bisschen Workaholic« zu sein.

Fragt man die Landrätin nach den großen ArbeitsfelderN der ersten viereinhalb Jahre am Riversplatz, nennt sie pauschal »alles, was mit dem ländlichen Raum und dessen Stärkung zu tun hat. Das hat sich wie ein roter Faden durchgezogen.« Größter Brocken sei gewiss das Vorhaben, den Menschen in allen Orten den Zugang zu qualitativ hochwertigem schnellen Internet zu ermöglichen. Unvergessen, wie sie das Ende 2010 noch ein wenig blauäugig einschätzte: Dann machen »wir« die Breitband-GmbH … und im Mai fangen wir an, die Gräben fürs Kabel zu buddeln. So hatte sie sinngemäß gesagt, nicht ahnend, dass sie das heute noch beschäftigt. Aktuell sagt sie auf die Frage, wann denn unter all dies ein Haken gemacht werden könne seitens des Kreises, »am Ende meiner ersten Wahlzeit«. Etliche Kommunen seien am Netz. Bei vielen weiteren habe die Breitband GmbH den Ausbau abgeschlossen, da sei nun die Telekom am Zug. Der Rest, ein gutes Drittel, befinde sich noch »in der Interessensbekundung«.

Nicht erneut aufgelistet werden müssen die Gründe für die Verzögerungen; vor allem wollen alle Beteiligten für sich das Risiko niedrig halten, wird bis hinauf nach Brüssel rechtliche Klarheit erwartet. »Das muss am Ende auch stimmen«, sagt Schneider, die »ihr« Gießener Land und da vor allem die abseitigen Orte in Sachen Internet-Infrastruktur weit vorn sieht in Hessen.

Die Landrätin streift rückblickend wie in die Zukunft schauend den Ausbau der touristischen Infrastruktur, jüngst wieder belegt durch die »Wanderbares Deutschland«-Zertifizierung der Kelten-Römer-Schleife am Lahnwanderweg. Im Kreis-Osten sei hierzu eine Arbeitsgemeinschaft gegründet worden, die das Feld an der Schnittstelle mit der Vogelsberg-Touristik beackert. Die nächste AG solle, möglichst mit EU-»Leader«-Förderung im Lumdatal gegründet werden.

Überhaupt diese »Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft« (Leader ist das Akronym der französischen Programmbezeichnung), die von Brüssel und der Landesregierung unterstützt werde: In der beantragten zweiten Förderphase werde man noch intensiver zu arbeiten haben. Sie messe dem Instrument jedenfalls hohe Bedeutung bei; auch zur Motivation in die Zivilgesellschaft hinein. Das neue »Gießener Land«-Konzept sei jedenfalls »wie aus einem Guss«; es benenne alle Akteure und die Verantwortlichkeiten.

»Landkreis tritt sympathisch auf«

Die Rede kommt auf die energiepolitischen Initiativen inklusive Klimaschutzkonzept; hier baut Schneider hinsichtlich des Erfolgsfaktors vor allem auf ein Reduzieren des Aufwands für den Wärmebedarf. Auch über die Verwaltung spricht die Landrätin: Es sei ihrer Meinung nach gelungen, die Kreisverwaltung »näher an den Bürger zu bringen« und sie nach innen zu stärken. Etwa durch den Tag der offenen Tür, durch eine andere Öffentlichkeitsarbeit, durch eine auch optisch klar erkennbare Identität, durch das neue Service-Telefon. Ganz selbstbewusst fügt sie an: »Wie tritt der Landkreis auf? Ich finde sympathisch!«

Der Themen waren weit mehr beim »Sommergespräch« auf Burg Gleiberg: Interkommunales Miteinander, Nahverkehrsplan, Bedarfsplan Brand- und Katastrophenschutz, Beschäftigungspolitik (u. a. Nachqualifizierung), Innenentwicklung der Dörfer. Oder etwa das Medizintechnik-Cluster, das »noch Energie braucht«. Am Ende fehlte auch hier – die Zeit. Wie im richtigen Leben einer Landrätin.

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